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Auftritt von Palmer in Ungarn — Uni spricht von Verwechslung

Tübingen / Lesedauer: 2 min

Der geplante Auftritt des Tübinger Oberbürgermeisters in einem umstrittenen ungarischen Collegium war auf breite Kritik gestoßen. Hat sich sein Berater nur geirrt? Boris Palmer reist aber nun dennoch.
Veröffentlicht:30.08.2023, 12:09

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Der geplante Auftritt von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer am Budapester Mathias–Corvinus–Collegium (MCC) geht nach Darstellung der Universität Tübingen auf eine falsche Empfehlung eines Professors zurück.

Reinhard Johler, Direktor des Ludwig–Uhland–Instituts für Empirische Kulturwissenschaft, hatte die Stadtverwaltung Ende 2022 hinsichtlich der Reise beraten. Dabei sei es zu einer Verwechslung gekommen, teilte die Universität am Mittwoch mit. Der geplante Auftritt steht in der Kritik, weil das MCC eng mit der Regierung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban verbunden ist.

Laut Universität war Johler davon ausgegangen, dass die Budapester Corvinus–Universität das Ziel der Reise sei, nicht das Mathias–Corvinus–Collegium. „Eine Überprüfung des Mailverkehrs aus dem Dezember 2022 brachte das Missverständnis nun an den Tag. Bei der Corvinus–Universität handelt es sich um eine international angesehene Einrichtung. Die Rolle des MCC sieht Professor Johler dagegen außerordentlich kritisch“, hieß es in einer Mitteilung.

Palmer zeigte sich von den neuesten Entwicklungen überrascht. Sinn und Zweck der Konsultation der Universität sei es gewesen, die Entscheidung über eine Annahme oder Absage der Einladung des Deutsch–Ungarischen Instituts auf fundierter Grundlage zu treffen.

Zu spät zum Absagen?

„Einem fachkundigen Rat, die Einladung auszuschlagen, wäre ich daher sofort gefolgt.“ Die Teilnahme nur eine Woche vor der Veranstaltung abzusagen, sei allerdings unverhältnismäßig. „Die Kritik am Veranstalter umfasst nicht den Vorwurf des Rechtsextremismus, der eine Absage auch jetzt notwendig machen würde. Den Dialog mit anderen politischen Auffassungen in Europa zu suchen, die in Ungarn oder Polen mehrheitsfähig sind, halte ich grundsätzlich für richtig.“

Geplant ist, dass Palmer vom 5. bis 7. September nach Ungarn reist. Ein Programmpunkt soll der Vortrag auf Einladung des Deutsch–Ungarischen Instituts sein, das zum MCC gehört. Dieses gilt als Kaderschmiede der Regierung des Rechtspopulisten Orban. Die Bildungseinrichtung und Denkfabrik importiert unter anderen Ideen ultra–rechter Publizisten aus den USA, deren Schriften es in ungarischer Übersetzung veröffentlicht.

Palmer ist seit 2007 Oberbürgermeister in Tübingen. Mit Äußerungen etwa zur Flüchtlingspolitik sorgte er immer wieder für Kontroversen und sah sich Rassismusvorwürfen ausgesetzt.