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Ein eindeutiges Fazit

Restauranttester isst Entenbraten für 90 Euro aus Online-Shop - sein Urteil

Gastrotest / Lesedauer: 3 min

In Plastik eingeschweißtes Federvieh mit Knödel, Blaukraut und Soße - das soll schmecken und eine Alternative für Kochmuffel sein? Unser Gastro-Experte fällt ein klares Urteil.
Veröffentlicht:16.12.2023, 05:00

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Der moderne Mensch scheint nicht mehr dafür geschaffen zu sein, halbe Tage am Herd zu stehen, um in mühevoller Küchenarbeit ein Menü für seine Lieben zu zaubern. Vermutlich liegt es weniger an der Zeit als an der Lust.

Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, sich diese Arbeit abnehmen zu lassen und trotzdem festlich zu speisen. Und zwar ohne ein Restaurant betreten zu müssen.

Alle Zutaten kommen im Paket.
Alle Zutaten kommen im Paket. (Foto: Nyffenegger)

Die Internetplattform "get voila" bündelt Angebote von renommierten Restaurants, Sterne- und TV-Köchen aus ganz Deutschland. Auf der Website kann sich der Interessierte verschiedene Menüs auswählen, die von Spitzenköchen ersonnen und für den Transport vorbereitet wurden.

Von Steffen Henssler bis Thomas Bühner

Die Auswahl reicht von TV-Großmaul Steffen Henssler bis zu Feingeist Thomas Bühner, der lange Jahre im Osnabrücker Drei-Sterne-Restaurant "la vie" für kulinarische Offenbarungen sorgte. Es geht allerdings auch eine Nummer kleiner und regionaler.

Und auch inhaltlich ist die Palette breit gefächert: vom exklusiven Sterne-Menü bis zum Schweinekrustenbraten, von der japanischen Nudelsuppe bis zum Käsefondue. Entsprechend vielfältig ist auch die Preisgestaltung. Alle Menüs kommen in gekühlten Kochboxen, in denen alle Zutaten verpackt sind - idotensichere Zubereitungsanleitung inklusive.

Auf dem Herd wird gebrutzelt.
Auf dem Herd wird gebrutzelt. (Foto: Nyffenegger)

Aus unseren Gefilden ist bei "get voila" auch jemand vertreten. Und zwar das Sternerestaurant Gasthaus Widmanns Löwen in Königsbronn. Von dort kommt die sogenannte Ente für daheim. Inklusive Versand kostet das Gericht für zwei Personen knapp 90 Euro.

Woraus sich schließen lässt, dass die festliche Angelegenheit kein Schnäppchen ist, sondern durchaus dem entspricht, was so ein Enten-Hauptgang auch in einem guten Restaurant kosten würde. Allerdings: Eine ganze Ente macht auch vier Leute satt, was den Preis etwas relativiert.

Liefertag und Menü auswählen und zu Hause vollenden

Der gewünschte Liefertag lässt sich bei der Bestellung auswählen. Nach Ankunft sollte das Essen innerhalb von vier Tagen verspeist werden. Die Entenhälften und Semmelknödel sind in Folie eingeschweißt und jeweils vorgekocht. Soße, Blaukraut und Apfel-Griebenschmalz kommen in hübschen Gläsern.

Die Vollendung der Entenmahlzeit gelingt wirklich sehr leicht. Es braucht einen Ofen fürs Federvieh, eine Pfanne für die Knödeltaler und zwei Töpfchen für Soße und Blaukraut.

Zum Glück ist die Ente mehr oder weniger schon von den Knochen befreit, sodass die Hauptherausforderung darin besteht, ihre Haut auf den Punkt knusprig zu bekommen. Das gelingt mit der Grillfunktion eines Backofens ohne Schwierigkeiten.

Und wie schmeckt nun das per Post gelieferte Festmenü? Sensationell, intensiv und süß-fruchtig glänzt das Blaukraut. Die Knödelscheiben sind ein bisschen fest, knusprig gebraten, aber ohne Tadel. Die tiefgründige Entensoße schlägt kräftig am Gaumen ein.

Die Ente an sich kaut sich schön mürbe, aber aufgewärmtes Geflügel kann nie so saftig sein wie frisch aus dem Ofen. Und es behält immer einen Aromenhauch von kaltem Braten. Trotzdem: Wenn schon Ente nicht selber gemacht, dann am besten so.