Kleinwagensterben

Toyota hält dem Kleinwagen die Treue

Köln / Lesedauer: 3 min

Aygo X startet als Mini-Crossover ab 15 390 Euro
Veröffentlicht:28.05.2022, 05:00
Aktualisiert:31.05.2022, 17:06

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Toyota stoppt das Kleinwagensterben. Denn während sich VW , Opel und Ford dem Kostendruck beugen und die Cityflitzer zusehends aufs Altenteil schieben, hält Toyota dem Segment tapfer die Treue – und baut noch einmal einen Aygo. Und das sogar, obwohl die bisherigen Partner Peugeot und Citroen ausgestiegen sind. Entwickelt und gezeichnet in Europa und sogar innerhalb der EU gebaut, soll er ab sofort all jene Kunden einsammeln, die bei VW keinen Up, bei Opel keinen Karl und bei Ford keinen Ka mehr kaufen können.

Wobei das mit dem Begriff Kleinwagen auch beim Aygo neuerdings so eine Sache ist. Zwar bleibt er der Benjamin im Modellprogramm, geht aber beim Generationswechsel trotzdem gewaltig aus dem Leim. Mittlerweile auf der Plattform des großen Bruders Yaris konstruiert, wird er stolze 24 Zentimeter länger und streckt sich nun auf 3,70 Meter. Der Radstand wächst immerhin um neun Zentimeter und verspricht so etwas mehr Beinfreiheit für die Hinterbänkler; bei zwölf Zentimetern mehr Breite müssen die Insassen nicht mehr ganz so eng auf Tuchfühlung gehen. Zudem legt der Kofferraum um 60 Liter zu und fasst nun mit 269 Litern genügend Taschen oder Tüten zumindest für einen Kurzurlaub oder einen Großeinkauf.

Zum Crossover geadelt

Aber der Aygo wächst nicht nur, sondern geht auch mit der Mode: Eine zweifarbige Lackierung, ein kantiges Design und rustikal anmutende Anbauteile machen den Mini zum Möchtegern-SUV. Mit einem X im Namenszug zum Crossover geadelt, stemmt er sich damit gegen die Vorstellung vom x-beliebigen Kleinwagen.

Auch innen macht der Aygo X einen aufgefrischten Eindruck, leistet sich zwar harte und bisweilen auch scharfkantige, dafür aber immerhin zweifarbige Kunststoffe und einen großen Touchscreen in der Mittelkonsole. Hinter dem Lenkrad allerdings gibt’s zwar ebenfalls ein digitales, sogar farbiges Display, der Tacho allerdings arbeitet aus Kostengründen weiter analog.

Überhaupt die Kosten: Während Toyota sonst nicht müde wird, das Hohelied des Hybridantriebs zu singen, reicht es beim Aygo nur für Hausmannskost unter der Haube: Einziger Antrieb ist deshalb ein asthmatischer Dreizylinder, der sich so ganz ohne Lader mit 72 PS und 93 Nm bescheiden muss. Entsprechend verhalten sind die Fahrleistungen, für den 1,0-Liter – egal ob jetzt als Handschalter oder mit stufenloser Automatik: Von null auf 100 dauert es gute 15 Sekunden und auch bei Vollgas sind keine 160 km/h drin. Das will vor den Toren der Stadt nicht ganz zum überraschend erwachsenen Fahrgefühl passen, dem das Plus bei Radstand und Spurweite mindestens genauso gut tut wie die steifere Plattform des großen Bruders. Was hilft ihm diesseits des Ortschilds der Wendekreis von kaum mehr als neun Metern, wenn er schon an der Auffahrt im Parkhaus fast verhungert, vom Ampelsprint ganz zu schweigen?

Das Wachstum kostet

Zwar stemmt sich Toyota mit dem Aygo X tapfer gegen den Trend und hält dem Kleinwagen die Treue. Doch lassen sich die Japaner diese Einstellung auch ordentlich bezahlen. Genau wie das deutliche Wachstum. Gab es den Vorgänger mit ein bisschen Geschick auch als Neuwagen schon knapp unter 10 000 Euro, werden auf dem Papier jetzt mindestens 15 390 Euro fällig.