Sonnencreme

Viele Menschen verwenden Sonnencreme falsch - 9 Fakten, die Sie kennen sollten

Panorama / Lesedauer: 7 min

Wann sollte ich Sonnencreme benutzen, wie viel und warum eigentlich? Kann ich die Tube aus dem letzten Jahr noch benutzen? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Sonnenschutz und UV-Strahlung.
Veröffentlicht:08.08.2022, 07:00
Aktualisiert:08.08.2022, 07:01

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Sommer, Sonne, Sonnenbrand: Leider gehört dieser Dreiklang oft zusammen. Doch man kann sich gegen die unschönen und gefährlichen Folgen von Sonnenstrahlen schützen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Sonnenschutz und Sonnencreme.

1. Warum brauchen wir eigentlich Sonnencreme?

Ohne die schützende Ozonschicht in der Atmosphäre wäre auf der Erde kein Leben an Land möglich. Sie hält einen Großteil der UV-Strahlen der Sonne ab, die Zellen schädigen und unser Erbgut zerstören können. Trotzdem dringt ein Teil von ihnen auf den Boden durch und kann Sonnenbrände und Hautkrebs sowie vorzeitige Hautalterung verursachen.

In Europa kamen die ersten Sonnencremes in den 1920er und 1930er Jahren auf den Markt. Sie waren das Resultat eines gesellschaftlichen Wandels: Zum einen arbeiteten die Menschen durch die Industrialisierung häufiger in Büros und Fabriken, also drinnen, im Gegensatz zu Bauern und anderen Berufen, die sich viel draußen aufhielten.

Zum anderen konnten sich mehr Menschen einen Urlaub am Meer oder in den Bergen leisten. Auch die Mode wurde freizügiger. Dadurch stieg das Risiko, einen Sonnenbrand auf der unvorbereiteten Haut zu bekommen, durch die höhere UV-Strahlung deutlich an. Das dürfte auch zu den Gründen gehören, warum sich die Hautkrebsrate in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht hat.

2. Worauf sollte ich beim Eincremen achten?

Die meisten Menschen verwenden zu wenig Sonnencreme . Darauf weisen Forscher immer wieder hin. Den versprochenen Lichtschutzfaktor leisten die Produkte aber nur, wenn sie ausreichend dick auf die Haut aufgetragen werden.

Zudem sollte man sich 20 bis 30 Minuten vor dem Verlassen der Wohnung eincremen , damit der Schutz seine volle Wirkung entfalten kann. Auch ein regelmäßiges Nachcremen mindestens alle zwei Stunden ist wichtig, insbesondere auch nach dem Baden und Abtrocknen. Das Nachcremen verlängert allerdings nicht die Zeit, die man sich maximal der Sonne aussetzen sollte.

3. Wann sollte ich mich eincremen?

Bei der Kraft der Sonne und ihrer UV-Strahlung sollte man sich nicht vom Temperaturempfinden blenden lassen. Auch bei einem bewölkten Himmel dringen UV-Strahlen durch , die das Erbgut der Zellen schädigen und damit Krebs auslösen können.

Der Deutsche Wetterdienst und das Bundesamt für Strahlenschutz bieten deswegen einen UV-Index an, der die Gefährlichkeit der Strahlung anzeigen soll.

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4. Welchen Lichtschutzfaktor sollte ich verwenden?

Der Lichtschutzfaktor gibt Auskunft darüber, wie lange die Creme die sogenannte Eigenschutzzeit verlängert , also die Zeit, die sich jemand ungeschützt in der Sonne aufhalten kann. Beträgt die Eigenschutzzeit zum Beispiel 10 Minuten, verlängert eine Creme mit Lichtschutzfaktor 20 die Zeit auf 200 Minuten (10 mal 20).

Die Eigenschutzzeit hängt vom Hauttyp ab. Menschen mit hellen Hauttypen haben in der Regel eine kürzere Eigenschutzzeit und damit ein höheres Risiko, einen Sonnenbrand zu erleiden, als Menschen mit dunkleren Hauttypen. Vorgebräunte Haut aus dem Solarium schützt allerdings nicht. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass die Ernährung maßgeblich vor UV-Strahlung schützen kann.

Für Erwachsene wird ein Lichtschutzfaktor von mindestens 20 und für Kinder von mindestens 30 empfohlen. Am Meer und im Gebirge sollte ein Lichtschutzfaktor von 50 gewählt werden.

In Ländern wie Australien und Neuseeland sollte tatsächlich jeder eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor benutzen. Aufgrund des Ozonlochs ist die UV-Strahlung dort deutlich intensiver als in Europa.

5. Welche Sonnencreme sollte ich verwenden?

Die meisten Sonnenschutzprodukte halten, was sie versprechen. Das geht aus einer Untersuchung der Zeitschrift « Stiftung Warentest » hervor (Ausgabe 8/2022). Von 20 getesteten Cremes, Lotionen und Sprays bieten demnach 16 einen zuverlässigen Schutz. Vier Produkte fielen in Sachen UV-Schutz jedoch durch - drei von ihnen Naturkosmetika.

Überzeugen konnte die Tester damit nur eine einzige Naturkosmetik-Sonnencreme: die «Sensitiv Sonnenmilch» von Alverde (dm). Sie ging mit der Note 1,4 aus dem Test hervor, knapp hinter dem Testsieger, der «Ambre Solaire Hydra 24h Sonnenschutz-Milch» von Garnier (Note 1,3).

Insgesamt bewertete «Stiftung Warentest» neun Produkte als sehr gut. Günstige und teure Produkte finden sich darunter gleichermaßen: Während die «Cien Sun Sonnenmilch» von Lidl 1,12 Euro pro 100 Milliliter kostet, sind es bei der «Sun Sensitive Gel-Creme» von Cetaphil 22 Euro.

6. Kann ich Sonnencreme aus dem letzten Jahr verwenden?

Mit der angebrochenen Sonnencreme aus dem vergangenen Sommer reibt man sich im Zweifel lieber nicht mehr ein. Das rät der Hautarzt und Experte der Deutschen Krebshilfe, Eckhard Breitbart. Denn Sauerstoff führe zu Oxidation und dieser Vorgang führe dazu, dass sich die Inhaltsstoffe verändern und damit die Schutzfunktion nicht mehr korrekt aufrechterhalten könne.

Wie lange man eine Sonnencreme nach dem Öffnen maximal nutzen sollte, steht auf der Tube oder der Dose: Das entsprechende Symbol ist eine geöffnete runde Dose, in der zum Beispiel die Angabe «12 M» steht. Das bedeutet: zwölf Monate. Danach sollte man sie entsorgen.

Um nicht den Überblick zu verlieren, wann genau man nun eine Sonnencreme geöffnet hat, empfiehlt es sich, das Datum des Öffnens mit wasserfestem Filzstift auf die Tube zu schreiben.

7. Schützt Sonnencreme vor Krebs?

Während Sonnencremes bei richtiger Anwendung sehr wirksam gegen Sonnenbrände sind, ist die Studienlage in der Vorbeugung von Krebs weniger eindeutig. Das gilt insbesondere beim malignen Melanom, der zwar selten ist, aber auch die meisten Todesfälle beim Hautkrebs verursacht.

In Deutschland erkranken aktuell jährlich mehr als 200.000 Menschen neu an Hautkrebs. Mehr als 20.000 davon leiden am gefährlichen malignen Melanom, dem sogenannten "Schwarzen Hautkrebs". Rund 3.000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen von Hautkrebs. Experten gehen davon aus, dass die Zahlen durch den Klimawandel weiter steigen werden.

Frauen erkranken im Schnitt früher an Hautkrebs als Männer, Menschen mit heller Haut oder vielen Leberflecken sind stärker gefährdet.

Ausgiebiges Sonnenbaden sollte deswegen auch mit Sonnencreme vermieden werden. Sonnencreme sollte nur als Ergänzung zu den grundsätzlichen Regeln beim Sonnenschutz eingesetzt werden : Sich mittags zwischen 11 und 15 Uhr möglichst nicht draußen aufhalten, Schatten suchen, lange Kleidung tragen, Sonnenhut und Sonnenbrille nicht vergessen.

Wie stark Sonnenstrahlen auf der Haut wirken, zeigt eindrucksvoll das Bild eines 69-jährigen Mannes im "New England Journal of Medicine", der 28 Jahre lang Lastwagen gefahren ist. Die linke Seite seines Gesichts ist durch die Sonne sehr viel stärker gealtert als die rechte.

8. Warum ist Sonnenschutz gerade bei Kindern so wichtig?

Die Haut vergisst nichts. Mit jedem Sonnenbrand steigt das Risiko, später Hautkrebs zu bekommen. Bei Sonnenbränden in der Kindheit ist das Risiko dafür besonders hoch.

Zudem ist die Haut von Babys und Kleinkindern besonders empfindlich . Direkte Sonneneinstrahlung sollte daher im ersten Lebensjahr unbedingt vermieden werden.

9. Wie wirkt sich Sonnencreme auf die Umwelt aus?

Beim Baden gelangen große Mengen Sonnenschutzmittel in Gewässer - Schätzungen zufolge bis zu 14.000 Tonnen weltweit allein im Meer. Die UV-Filter und Nanopartikel können Korallen, Muscheln, Delfinen, Fischen und anderen Wasserbewohnern schaden .

Insbesondere der chemisch-organische Filter Oxybenzon könnte das Erbgut der empfindlichen Korallen schädigen. Mancherorts ist deswegen der Verkauf von Sonnencremes mit Oxybenzon und Octinoxat verboten.

Neben Oxybenzon steht mit Octocrylen ein weiterer chemisch-organischer Filter in der Diskussion. Er soll Studien zufolge Wasserflöhen, Wimperntierchen und Zebrafischen zusetzen, indem er sich unter anderem auf deren Hormonhaushalt auswirkt. Zudem wird der wasserunlösliche Stoff nur schwer abgebaut und könnte sich deshalb in Organismen anreichern.

Als Reaktion auf die möglichen Umweltrisiken chemischer UV-Filter bieten immer mehr Hersteller «korallensichere» oder «rifffreundliche» mineralische Sonnenschutzmittel an. Diese enthalten Zink- oder Titandioxid - auf der Haut wirken die Partikel wie kleine Spiegel, die das UV-Licht reflektieren. Um das störende «Weißeln» vieler dieser Produkte zu minimieren, versuchen einige Hersteller, die mineralischen Pigmente zu verkleinern und setzen auf Partikel in Nanogröße. Wie spanische Forscher aber 2014 zeigten, führen diese Nanopartikel als Katalysatoren dazu, dass Sonnenlicht aus Wasser das hochreaktive Wasserstoffperoxid erzeugt. Dieses könne Kleinstlebewesen schädigen.

Mittlerweile wird an Alternativen geforscht , bei denen Verbindungen aus Algen, Seetang und anderen Meerestieren als UV-Filter fungieren. Doch es wird noch dauern, bis diese marktreif sind.