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Alltagsfragen im Check

Kaum ein Autofahrer kennt diese Regel für deutsche Autobahnen - mit Folgen

Wissen / Lesedauer: 2 min

Die wenigsten Autofahrer kennen wohl die 20-Sekunden-Regel. Dabei kann Unwissenheit in diesem Fall teuer werden. Doch was genau steckt hinter diesen 20 Sekunden?
Veröffentlicht:26.01.2024, 10:50

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Die meisten Autofahrer kennen das Dilemma auf der Autobahn: Links fahren die 180 km/h-Raser, die hektisch die Lichthupe betätigen, weil ihr Vordermann „nur“ mit 140 km/h unterwegs ist. Rechts sind die LKWs unterwegs und bieten mit ihrer maximal erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h das krasse Kontrastprogramm.

Wer weder zum Rasen noch zum Schleichen neigt, für den ist die Mittelspur wohl die bequemste Option auf der Autobahn – wäre da nicht das Rechtsfahrgebot.

Das soll die 20-Sekunden-Regel besagen

Doch davon soll es eine Ausnahme geben: die sogenannte 20-Sekunden-Regel. 

Sie soll besagen: Wenn Autofahrer außerorts auf mindestens dreispurigen Straßen die rechte Spur vor dem nächsten Überholvorgang deutlich länger als 20 Sekunden befahren könnten, müssen sie nach rechts wechseln. Fahren rechts hingegen wiederholt Autos, dürfen sie die Mittelspur dauerhaft befahren.


Zahlreiche Nachrichten-Portale und auch der ADAC verweisen auf diese Regel. Laut ADAC soll sie verhindern, dass Autofahrer in jede freie Lücke hüpfen müssen und gefährliche Schlängelfahrten unternehmen.

Straßenverkehrsordnung bleibt vage

Müssen Autofahrer auf der Autobahn jetzt wirklich das Zählen anfangen? Ein Blick in die Straßenverkehrsordnung (StVO) zeigt: Die 20-Sekunden-Regel gibt es gar nicht. Zumindest nicht direkt – es ist kompliziert.

Laut StVO dürfen Autofahrer die Mittelspur dauerhaft befahren, wenn rechts „hin und wieder“ Fahrzeuge unterwegs sind. Eine vage Formulierung, von 20 Sekunden ist aber nicht die Rede.

Gibt es die Regel? Es ist kompliziert!

Auf Nachfrage antwortet das Bundesverkehrsministerium zu diesem Wirrwarr: „Die StVO ist eine Regelung zur Gefahrenabwehr, in der Einzelfälle nicht geregelt werden. Die Auslegung von Einzelfällen ist daher Gerichten überlassen.“

Und dort hat die 20-Sekunden-Regel auch ihren Ursprung: Im Jahr 1968 entschied das Oberlandesgericht (OLG) Celle, dass Autofahrer zum Einscheren auf die rechte Spur verpflichtet sind, wenn sie dort 20 Sekunden mit dem gleichen Tempo weiterfahren könnten. 

Doch 21 Jahre später bestätigte das OLG Düsseldorf diese Entscheidung nicht. Die vom OLG Celle aufgestellte Regel gelte nur für zweispurige Straßen. Bei drei Spuren sei dagegen „die Dauer des möglichen Weiterfahrens mit gleicher Geschwindigkeit (...) erheblich größer zu bemessen“.

„Schtimmt dees?“

„Schtimmt dees?“

Hier finden Sie noch mehr kuriose Behauptungen und Alltagsmythen im Check. Mal stimmen sie, mal sind sie reiner Unsinn.

Also, zusammengefasst: Die 20-Sekunden-Regel ist nicht in der StVO verankert. Im Streitfall entscheiden Gerichte und bewerten den Einzelfall. Dafür können sie die 20-Sekunden-Regel heranziehen, sie sind aber vor allem bei abweichenden Umständen nicht daran gebunden.

Bußgeld und Punkte in Flensburg drohen

Was Sie ungeachtet dessen wissen sollten: Gefährden Autofahrer durch ein Verweilen auf der Mittelspur den Verkehr, drohen Bußgelder bis 80 Euro und ein Punkt in Flensburg. Vielleicht lohnt es sich im Zweifel also doch mal, das Zählen anzufangen. 

Die 20-Sekunden-Regel soll besagen, wann Autofahrer die Mittelspur dauerhaft befahren dürfen. Doch es ist kompliziert.
Die 20-Sekunden-Regel soll besagen, wann Autofahrer die Mittelspur dauerhaft befahren dürfen. Doch es ist kompliziert. (Foto: David Weinert, Sebastian Winter)