RKI schlägt Alarm
RKI schlägt Alarm: Bereits 640 Hitzetote in Deutschland in diesem Jahr
Deutschland / Lesedauer: 4 min

Hohe Temperaturen haben in Deutschland in diesem bereits Jahr Hunderte Tote gefordert, sagt das Robert Koch-Institut (RKI).
Die Wissenschaftler teilten mit: „Aufgrund der hohen Wochenmitteltemperatur (21,5 Grad Celsius) in Kalenderwoche 25 (19.-25.6.2023) gehen Auswertungen mittlerweile von bereits ~640 hitzebedingten Todesfällen in diesem Sommer aus.“
Wöchentlicher Bericht im Sommer
Weil „Hitzeperioden in Deutschland regelmäßig zu einem Anstieg der Mortalität führen“, ist auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts der Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität zu finden. Dieser Bericht wird während des Sommers 2023 (Juni bis September) wöchentlich aktualisiert.
2022 hat es laut RKI „eine hitzebedingte Übersterblichkeit von rund 4500 Sterbefällen“ gegeben. Die Zahlen decken sich mit jenen der Weltgesundheitsorganisation WHO.
Die Deutsche Presseagentur hatte Ende vergangenen Jahres unter Berufung auf die WHO gemeldet, dass im Jahr 2022 „mindestens 15.000 Menschen aufgrund der Hitze in Europa gestorben“ seien. Unter den Toten seien „rund 4500 Todesfälle in Deutschland und fast 4000 in Spanien“.
In dem Bericht hieß es weiter, dass die „geschätzte Gesamtzahl noch zunehmen dürfte, wenn mehr Länder ihre übermäßigen Todesfälle durch Hitze melden“. Das sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge anlässlich der in Ägypten begonnenen Weltklimakonferenz COP27 im November 2022, so die dpa.
In diesem Zusammenhang überrascht ein Bericht des spanischen Nationalen Statistikinstituts (INE), der am 27. Juni 2023 veröffentlicht wurde. Auch die Tagesschau berichtete und titelte: „Spanien meldet 355 Hitzetote für vergangenes Jahr“.
In dem Bericht des INE heißt es, dass in den Sommermonaten zwischen Mai und August 2022 insgesamt 157.580 Menschen starben. Das waren 26.849 mehr als im Jahr 2019. 122 von ihnen erlitten laut INE einen Hitzschlag, bei weiteren 233 Fällen gibt das INE „Dehydrierung“ als Todesursache an.
Wie ermittelt das RKI die Zahl der Hitzetoten?
Viele der zusätzlichen Todesfälle seien zudem „auf vorherige chronische Erkrankungen“ wie Bluthochdruck, Diabetes und Demenz zurückzuführen. Diese würden das Sterberisiko bei extremer Hitze zwar erhöhen. Als Hitzetote zählen sie in der offiziellen spanischen Statistik aber nicht.
In Deutschland wird die Zahl der Hitzetoten nach RKI-Angaben so ermittelt: „In einigen Fällen, zum Beispiel beim Hitzeschlag, führt die Hitzeeinwirkung unmittelbar zum Tod, während in den meisten Fällen die Kombination aus Hitzeexposition und bereits bestehenden Vorerkrankungen zum Tod führt.“
Daher werde „Hitze auf dem Totenschein normalerweise nicht als die zugrunde liegende Todesursache angegeben“. Stattdessen müssten „statistische Methoden angewendet werden, um das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle abzuschätzen“.
Und weiter: „Das hier verwendete Modell zur Schätzung hitzebedingter Sterbefälle kombiniert Mortalitätsdaten des Statistischen Bundesamtes und Temperaturmessungen des Deutschen Wetterdienstes.“ Aufgrund dieser Berechnung kommt die Zahl von bislang 640 Hitzetoten im Jahr 2023 zustande.
Ernstzunehmende Bedrohung für die Gesundheit
Eine Auswertung des Robert Koch-Instituts, des Deutschen Wetterdienstes und des Umweltbundesamts der Zahlen der Hitzetoten in den Sommermonaten 2018 bis 2020 ergab laut Tagesschau, dass es in den untersuchten Zeiträumen „zu Tausenden hitzebedingter Sterbefälle“ gekommen sei.
Demnach gab es den Schätzungen zufolge 2018 etwa 8700 hitzebedingte Sterbefälle, 2019 etwa 6900 und 2020 etwa 3700 Hitzetote.
Zudem sei zum ersten Mal seit Beginn des Untersuchungszeitraums im Jahr 1992 eine Übersterblichkeit aufgrund von Hitze in drei aufeinanderfolgenden Jahren aufgetreten. „Hitzeereignisse“, so die Forscher weiter, seien „weiterhin eine ernstzunehmende Bedrohung für die Gesundheit der Menschen in Deutschland“.
In der Studie, die 2022 in voller Länge im Ärzteblatt veröffentlicht wurde, steht aber auch:
Im Jahr 2021 kam es nicht zu einer signifikant erhöhten Übersterblichkeit aufgrund von Hitze. Im Vergleich der letzten drei Dekaden beobachten wir insgesamt einen leichten Rückgang des Effekts von hohen Temperaturen auf die Mortalität.
Luftige Kleidung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr
In der Studie heißt es zudem, dass „im Allgemeinen dieselbe Wochenmitteltemperatur in der Dekade 2012–2021 weniger stark auf die Mortalität einwirkte als etwa in der Dekade 1992–2001.“ Dies könne „als Hinweis auf eine gewisse Anpassung der Bevölkerung an wiederkehrende Hitzeperioden interpretiert werden“.
Die für die Studie analysierten Daten würden zwar „keine Rückschlüsse auf die Ursachen dieser begrenzten Anpassung“ erlauben. Aber, so die Forscher: „Denkbar sind zum Beispiel individuelle Verhaltensänderungen durch stärkere Sensibilisierung wie etwa das Tragen luftiger Kleidung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr oder das Aufsuchen schattiger oder klimatisierter Räume“.
