Leserbrief

Leserbrief zur Klinik-Schließung: „Argumente für Verlegung folgen dem Verstand“

Spaichingen / Lesedauer: 2 min

„Der Kampf zwischen Herz und Kopf: wer kennt ihn nicht? Der Kampf für den Erhalt des Krankenhauses Spaichingen wird mit Herzblut geführt. Dafür zolle ich den Akteuren große Achtung."
Veröffentlicht:28.02.2019, 16:01
Aktualisiert:22.10.2019, 12:00

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„Der Kampf zwischen Herz und Kopf: wer kennt ihn nicht? Der Kampf für den Erhalt des Krankenhauses Spaichingen wird mit Herzblut geführt. Dafür zolle ich den Akteuren große Achtung.

Die Argumente für die Verlegung der stationären Betten folgen dem Verstand. Verantwortliche Entscheider dürfen nicht nach ihren Gefühlen entscheiden, sondern nach dem Verstand.

Auch ich würde mir ein kleines feines Krankenhaus in Spaichingen wünschen, so wie es früher einmal war. Das ist es schon lange nicht mehr. Es ist über die Jahre schon erheblich geschrumpft. Nicht, so wie uns die Verschwörungstheorien Glauben machen wollen, weil die Bösen es darauf angelegt haben, sondern weil der Kreis Tuttlingen denselben Entwicklungen unterliegt, wie sie woanders auch ablaufen: Spezialisierung und Zentralisierung. Tuttlingen ist in der Landschaft auch noch ein kleines Krankenhaus.

Auch ich habe Angst, nicht rechtzeitig ambulante Behandlung zu bekommen, wenn ich sie brauche. Darum geht es aber bei der Bettenverlegung nicht.

Auch ich würde für eine geplante Behandlung in ein Krankenhaus gehen, das genau auf meinen Bedarf spezialisiert ist. Das ist die Abstimmung, die tagtäglich schon läuft.

Auch ich wünsche mir, im Alter in einer Klinik als Mensch behandelt zu werden, nicht als Nummer. Wenn das in anderen Häusern als Spaichingen verloren gegangen ist, dann braucht das dort wieder einen hohen Stellenwert.

Auch ich bekomme als Oberärztin laufend Anfragen und Einladungen zu einem Stellenwechsel. Das spiegelt die Realität des Ärztemangels wider, in der wir schon stecken. Diesen Ärztemangel erleben wir nicht nur bei den Hausärzten, die immer mehr fehlen, sondern eben auch in den Kliniken.

Da nutzen weder Wut noch Augen verschließen: davon bekommen wir weder mehr Ärzte noch mehr Pflegekräfte. Im Gegenteil.

Alle Chefärzte des Klinikums in Tuttlingen , alle Ärztinnen der Altersmedizin, die Personalvertreter und viele andere sprechen sich dringend für den vom Landrat und der Klinikleitung vorgeschlagenen Weg aus. Es ist eine Frage des Respekts, diese internen Einschätzungen sehr ernst zu nehmen. Es ist auch eine Frage des Respekts, die Ärzte und Pflegekräfte einfach ihre medizinische Arbeit machen zu lassen, unter so guten Rahmenbedingungen wie nur möglich. Das kommt langfristig uns allen zugute.“

Dr. Gabriele Polzer

Spaichingen