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Sind Sparprogramme wirklich sparsam?

Panorama / Lesedauer: 5 min

Bei Spül- und Waschmaschinen sind Eco-Programme inzwischen Vorschrift – Warum sie so lange dauern und trotzdem weniger Energie verbrauchen
Veröffentlicht:02.02.2020, 07:00

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Einerseits legen viele Menschen Wert darauf, im Alltag Strom zu sparen, was mit Eco-Programmen an Wasch- und Spülmaschinen möglich ist. Andererseits sollen Wäsche und Geschirr auch sauber werden. Wie sich das vereinbaren lässt und worauf Verbraucher achten sollen, erklären Experten.

Wie sparen die Geräte Strom, obwohl sie viel länger laufen als im Normal- oder Kurzprogramm?

„Wenn Sie mit dem Auto 200 Stundenkilometer schnell unterwegs sind, dann kommen sie schneller ans Ziel als mit 100 Stundenkilometern. Sie verbrauchen aber auch deutlich mehr Sprit. Genauso ist das bei Spül- und Waschmaschinen auch“, sagt Bernd Glassl , Bereichsleiter Haushaltspflege beim Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel. Denn die Reinigungsleistung beim Waschen wird von folgenden vier Faktoren beeinflusst: Zeit, Temperatur, Mechanik und Waschmittel. Sie bilden den sogenannten Sinnerschen Kreis. Da das Erhitzen des Wassers beim Waschen die meiste Energie verbraucht, wird bei Sparprogrammen die Temperatur reduziert. Für das gleiche Reinigungsergebnis muss dann aber ein anderer Faktor erhöht werden, beispielsweise die Zeit.

Was passiert bei einem Kurzprogramm energietechnisch?

Auch wenn es sparsam klingt, die Spül- oder Waschmaschine nur kurz einzuschalten: Das stimmt nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Denn hier muss das Wasser innerhalb kürzester Zeit erhitzt werden, was sehr viel Energie verbraucht.

Wie viel spart man mit dem Eco-Programm bei Spülmaschinen ein?

Das hängt stark von dem verwendeten Gerät ab. „Wenn eine Spülmaschine in allen Programmen sehr effizient arbeitet, spart man im Eco-Programm unseren Tests zufolge gerade mal noch vier Cent pro Spülgang“, sagt Stephan Scherfenberg von der Stiftung Warentest . Bei weniger effizienten Maschinen können es den Testergebnissen nach bis zu 13 Cent pro Spülgang sein. „Aber man leistet auf jeden Fall einen kleinen Beitrag zum Energiesparen“, sagt Stephan Scherfenberg.

Und bei Waschmaschinen?

Wie bei neueren Spülmaschinen ist auch bei Waschmaschinen das Eco-Programm inzwischen meist am Gerät voreingestellt. Und auch hier kommt es stark auf das Gerät an, wie viel man mit dem Programm einsparen kann. „Der Energiebedarf reduziert sich mal um nur zehn Prozent, mal um knapp 60 Prozent“, sagt Bernd Glassl, Bereichsleiter Haushaltspflege beim Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel. Wer ein neues Gerät kauft und es besonders sparsam nutzen möchte, kann sich an den aktuellen Testergebnissen der Stiftung Warentest orientieren.

Gespart wird an der Temperatur. Wird die Wäsche denn trotzdem noch genauso sauber?

„Ja. Gerade um Flecken zu entfernen ist eine längere Waschzeit sogar besser, weil das Waschmittel so besser einwirken kann“, sagt Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel. Das Reinigungsergebnis ist also das Gleiche – egal, ob man ein Kurzprogramm wählt oder ein Eco-Programm. Was viele aber nicht wissen: In einem 60-Grad-Eco-Programm werden die Temperaturen auf bis zu 30 Grad heruntergefahren. Für hygienisch reine Geschirrtücher, Unterwäsche oder Wäsche von Kranken wählt man also besser kein Eco-Programm, sondern einen normalen 60-Grad-Waschgang. „Und das Vollwaschmittel mit Bleiche nicht vergessen, sonst profitiert man von den höheren Temperaturen auch nicht wirklich“, sagt Bernd Glassl. Einmal im Monat sollte die Waschmaschine auf jeden Fall in einem vollen 60-Grad-Programm mit Vollwaschmittel laufen. Denn nur so werden Waschmittelreste, mögliche Keime und unangenehme Gerüche wirklich weggespült.

Und wie hygienisch sind die Sparprogramme bei Spülmaschinen?

„Das Spülergebnis war in unseren Tests genauso sauber wie bei anderen Programmen“, sagt Stephan Scherfenberg von der Stiftung Warentest. Gerade bei stark verschmutztem Geschirr kommen dagegen eher die Kurzprogramme an ihre Grenzen, weil der Dreck nicht lange genug eingeweicht wird. Auch die Spülmaschine sollte etwa einmal im Monat mit einem Standardprogramm laufen. „Hier sind die Temperaturen einfach höher und deshalb werden nur so Fettablagerungen in den Leitungen vollständig abtransportiert“, sagt Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel.

An welchen Programmen orientieren sich die Energielabels?

Da die Geräte im Sparprogramm die geringsten Verbrauchswerte haben, geben die Hersteller diese auch gern auf dem Energielabel an. Wer andere Programme wählt, muss also auch mit einem höheren Verbrauch als dem angegebenen rechnen.

Spült man von Hand sparsamer als mit der Maschine?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Mit der Maschine braucht man im Schnitt 50 Prozent weniger Wasser und 28 Prozent weniger Energie als beim Spülen von Hand. Diese Zahlen stammen aus einer Studie der Universität Bonn, für die das Spülverhalten von 200 Haushalten verglichen wurde. Allerdings kommt die Spülmaschine bei hartnäckigem Schmutz an ihre Grenzen. Und es werden mehr Chemikalien eingesetzt als beim Spülen per Hand.

Umweltfreundlich spülen und waschen

Seit 2017 ist der Einsatz von Phosphat für Spülmaschinentabs und Pulver nur noch in geringer Menge erlaubt. Für Waschmittel gilt das schon länger, weil Phosphat zur Überdüngung von Gewässern führen kann. Doch auch ohne Phosphat haben fast alle Spülmaschinentabs und Pulver im letzten Test der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2017 Kalkbeläge gut bis sehr gut abgehalten.

Spülmaschinentabs sind bequem, das Pulver ist jedoch umweltfreundlicher. Der Grund: Zum einen lässt es sich viel genauer dosieren, wenn beispielsweise nur wenig oder kaum verschmutztes Geschirr gewaschen wird. Zum anderen entfallen die Plastikverpackungen, in welche die Spülmaschinentabs einzeln eingewickelt sind.

Bei Waschmitteln sollte man vor allem auf die richtige Dosierung achten: Sie richtet sich nach der Verschmutzung der Wäsche und nach der Wasserhärte. Die Wasserhärte kann man beim zuständigen Wasserversorger erfragen. Zudem kann man bei Kauf auf konzentrierte Waschmittel achten, also solche, die mit möglichst wenig Pulver pro Waschgang auskommen. Und: Flüssigwaschmittel belasten Kläranlagen und Gewässer wegen ihres höheren Tensidgehaltes dem Umweltbundesamt zufolge stärker als kompakte Pulver. Ein möglichst umweltschonendes Waschmittel erkennt man an der Euroblume, dem europäischen Umweltzeichen. (mar)