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Nach Falschmeldung über Tod

Frontmann der Kastelruther Spatzen: „Ich mag die schöne, heile Welt“

Panorama / Lesedauer: 4 min

Mittlerweile hat Norbert Rier 700 Lieder gesungen. Sein Schlager-Trupp gilt als Inbegriff für volkstümlichen Schlager. Gerade heute findet er das wichtig.
Veröffentlicht:26.11.2023, 07:00
Aktualisiert:26.11.2023, 10:39

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Er singt in mehr als 700 Liedern über Heimat, Glück, Zufriedenheit und Liebe. Norbert Rier, Frontmann der Kastelruther Spatzen, steht für eine heile Welt - im Gegensatz zu den schrecklichen Bildern der realen Welt, die täglich in Nachrichtensendungen erscheinen. Was Rier vor seinen Konzerten in Ulm und Kempten sagt, lesen Sie hier.

Herr Rier, sind Sie es wirklich am Telefon?

Ja. Warum nicht?

Im Internet steht, dass Sie am 21. August 2022 gestorben wären.

Stimmt. Ich hatte ein komisches Gefühl, als ich das lesen musste. In der heutigen Zeit ist man Falschmeldungen ausgeliefert, die irgendjemand aus Gehässigkeit oder Neid verbreitet. (lacht) Aber Sie erleben mich bei bester Gesundheit.

Sie haben mit den Kastelruther Spatzen den Grand Prix der Volksmusik und mehr als 30 Auszeichnungen gewonnen. Stimmt es, dass Ihr erster Produzent den Namen Kastelruther Spatzen gar nicht wollte?

Ja. Die Plattenfirma wollte uns den Namen unbedingt ausreden. Es hieß: „Das klingt nicht gut, Kastelruth kennt niemand.“ Wir sollten auch nicht in Tracht auftreten. Man wollte uns bei Fernsehauftritten in Smokings stecken. Wir haben gesagt, dass der Name und die Tracht für Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit stehen. Wir sind uns immer treu geblieben. Gott sei Dank mit Erfolg.

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Es war vielleicht gut, dass wir nicht den einen großen Hit hatten. Das kann Künstler dazu bewegen, abzuheben. Danach waren viele weg vom Fenster. Wir stehen seit 40 Jahren mit den Füßen auf der Erde.

Sie sind seit 40 Jahren mit der gleichen Frau verheiratet. Das ist ungewöhnlich im Showgeschäft. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

Isabella ist sehr verständnisvoll. Sie kommt damit klar, dass ich oft unterwegs bin. Zu Hause auf dem Hof ist auch viel zu tun. Trotzdem finden wir immer wieder Zeit füreinander. Das gemeinsame Frühstück ist uns sehr wichtig. Wir gehen gerne wandern, ins Kino oder machen es uns vor dem Fernseher gemütlich. Gerne mit einer Flasche Rotwein, einer Kerze und einem Rosamunde-Pilcher-Film. Ich mag diese schöne, heile Welt. Wichtig ist auch, dass wir uns nicht wegen jeder Kleinigkeit streiten. Wenn es mal Streit gibt, können wir offen reden. Das passt. Ich bin auch stolz darauf, dass unsere gesamte Familie so intakt ist, obwohl sie aus Zeitgründen auf vieles verzichten muss.

Norbert Rier, Sänger und Chef der Kastelruther Spatzen.
Norbert Rier, Sänger und Chef der Kastelruther Spatzen. (Foto: Peter Kneffel)

Sie haben mal gesagt, Dankbarkeit sei das Wertvollste, was Ihnen die Eltern mitgegeben haben. Meinen Sie damit Dankbarkeit gegenüber der Familie?

Auch. Es ist wichtig, Dankbarkeit im Alltag zu leben. Dankbar zu sein für Brauchtum, Erntedankfeste, traditionelle Feste, Kirchgänge - das sind wunderbare Dinge. Zur Dankbarkeit gehört auch, bitte und danke zu sagen. Oder dem anderen zu sagen: „Ich gönne dir, was du hast.“ Neid ist eine ganz schlechte Eigenschaft. Es ist wichtig, das Leben zu schätzen und Menschen zu respektieren.

Sie haben Ihren Hof angesprochen. Wird Ihr Sohn Alexander den landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen?

Wir sind in Gesprächen. Ich hoffe, wir kriegen das hin. Der Hof soll in Familienhand bleiben. Ich will dort arbeiten, wenn ich mal in Spatzen-Rente gehe. Ich habe zwei Hobbys als Beruf: die Musik und die Landwirtschaft.

Wir stehen für eine schöne, heile Welt.

Norbert Rier

Gibt es schon einen Termin, wann Sie aufhören wollen?

Nein. So lange es gesundheitlich geht, möchte ich auf der Bühne stehen. Es ist schön, wenn unsere Fans sagen: „Eure Musik hat mir Kraft gegeben!“

Wenn jemand noch nie auf Ihren Konzerten war: Wie erklären Sie diesem Menschen, dass sich ein Besuch lohnt?

Wir leben in einer stressigen, hektischen Zeit. Die Nachrichten im Fernsehen werden von negativen Meldungen geprägt. Die ganzen Kriege sind fürchterlich. Man hat schlimme Bilder im Kopf. Deshalb tut es gut, zwei Stunden die Seele baumeln zu lassen. Abzuschalten. Wir stehen für eine schöne, heile Welt. Wir zeigen im Hintergrund Einblendungen von wunderschönen Landschaftsbildern und Videos von unserem Heimatland Südtirol. Wir sind in unserem Herzen tief mit den Bergen und der Heimat verbunden. Auch mit unseren Liedern. „Eine Brücke ins Glück“ passt gerade gut in die Zeit, weil es darum geht, Verbindungen herzustellen. Die ruhigen Balladen können in dieser Zeit für Entspannung sorgen. Musik kann gerade jetzt Balsam für die Seele sein.