Geheimniskrämerei

„Für diese Geheimniskrämerei haben Kunden kein Verständnis“

Panorama / Lesedauer: 2 min

„Für diese Geheimniskrämerei haben Kunden kein Verständnis“
Veröffentlicht:31.03.2016, 18:22
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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Die Bahn sperrt wegen notwendiger Bauarbeiten kurzfristig eine der wichtigsten Verbindungen des Landes. Andreas Herholz sprach darüber mit Karl-Peter Naumann (Foto: Pro Bahn), Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn.

Drohen den Bahnkunden Chaos und Verspätungen weit über diese Strecke hinaus?

Wenn Investitionen und Bauarbeiten notwendig sind, um das Schienennetz wieder zu erneuern, muss das gemacht werden. Die Bahn hatte dies Anfang des Jahres für die Strecke von Hannover nach Göttingen angekündigt. Neu ist, dass jetzt die Baumaßnahme bis Kassel erweitert wird. Die Bahn hätte darüber früher informieren müssen. Der Konzern wusste seit etwa zwei Wochen, dass die Strecke gesperrt wird. Im Internet war bereits darauf hingewiesen worden, dass es zu Verspätungen kommen wird. Außerdem sind Sparpreisangebote für die Verbindung gestrichen worden. Die Art und Weise des Managements und der Information der Kunden ist sicher nicht preisverdächtig. Der angekündigte Ersatzfahrplan lässt auch noch auf sich warten. Kunden erwarten eine ehrliche und frühzeitige Information. Für diese Geheimniskrämerei haben die Kunden kein Verständnis.

Eine Sperrung ausgerechnet zur Hannover Messe wirkt nicht besonders gut überlegt?

Wenn man nicht jetzt mit den Bauarbeiten beginnen würde, käme man womöglich später in die Pfingstferien oder die Sommer-Urlaubszeit. Das wäre noch problematischer. Da hat man sich wohl für das kleinere Übel entschieden. Wir erwarten jetzt, dass gebuchte Tickets ohne Probleme und ohne Stornierungskosten zurückgegeben werden können. Das muss auch für Sparpreistickets gelten.

Muss es denn unbedingt eine Vollsperrung sein?

Darüber lässt sich streiten. Wenn man während des laufenden Betriebes unter dem rollenden Rad baut, dauert es natürlich länger als zwei Wochen. Wenn auf einem Gleis gebaut wird, kann der ICE nicht auf dem anderen Gleis mit Tempo 250 vorbeifahren. Das wäre auch mit deutlichen Einschränkungen verbunden. Da stellt sich die Frage, ob man nicht besser zwei Wochen lang eine Katastrophe erträgt als viele kleine Katastrophen über mehrere Monate.