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Eva Padberg: „Für mich ist jeder Unicef-Helfer ein Held“

Panorama / Lesedauer: 5 min

Die Botschafterin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen findet das Glück in kleinen Momenten
Veröffentlicht:26.02.2016, 19:14

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Eva Padberg war für die Unicef-Aktion „Jugendliche übernehmen die Schwäbische“ im Medienhaus in Ravensburg zu Gast. Im Interview mit Paula Halder spricht das Model über ihr Faible für die Provence, den Reiz ihrer Wahlheimat Berlin und darüber, was ihr Mann demnächst im Ravensburger Musikclub Douala macht.

Wo möchten Sie gerne leben?

In der Provence. Es ist wunderschön da. Man atmet die Luft der Künstler. Man ist in eine andere Zeitzone versetzt. Jeglicher Stress fällt ab und man hat das Gefühl, dass einem nichts Böses passieren kann, irgendwie. Es ist der Himmel auf Erden. Und das Essen ist gut und der Wein.

Sie sagen oft, dass Berlin die perfekte Mischung aus Heimat und New York ist. Was ist für Sie an Berlin so besonders?

Ich mag an Berlin, dass es eine sehr junge, lebendige Stadt ist. Als wir nach Berlin gezogen sind, war das für mich endlich eine Stadt in Deutschland, in der ich nach New York auch das Gefühl hatte, dass sie irgendwie international ist. Ich mag es immer noch, auf den Straßen die unterschiedlichsten Sprachen zu hören. Berlin ist Multikulti.

Was ist für Sie Glück?

Ganz kleine Momente. (Ihr Handy vibriert) Ungestört sein von Mobilfunkanrufen. Liebe Menschen: meine Familie, mein Mann, Freunde. Dass sich der Moment perfekt zusammenfügt. Die Leute, der Ort, das Wetter.

Ihre liebsten Romanhelden?

Die Frau des Zeitreisenden. Weil sie so unglaublich geduldig war. Ich glaube nicht, dass ich so tolerant und so uneigennützig sein könnte.

Ihre Lieblingsgestalten in der Geschichte?

Mary, Queen of Scots. Sie hat jahrelang in Gefangenschaft gelebt, hatte eine dramatische Liebesgeschichte und wurde hingerichtet. Mich hat sie beflügelt und inspiriert. Auf unserem letzen Album „Smoke“ habe ich ihr dann auch den Titel „Headless Queen“ gewidmet.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Die Leute, die im Hintergrund agieren. Jeder einzelne Unicef-Arbeiter, der in Krisengebieten sein Leben aufs Spiel setzt, um anderen zu helfen.

Ihr Lieblingsbuch?

Meistens das, was ich gerade lese. Momentan ist das „Kaltblütig“. Ansonsten alles außer Biografien.

Sie lesen keine Biografien, aber haben eine über sich selbst geschrieben?

Ja, schlimm. Ursprünglich wollte ich ein Kochbuch schreiben, das wollte aber keiner. Ich wollte vor allem über das Modelbusiness schreiben, deshalb sehe ich es nicht so sehr als Buch über mich. Obwohl, ist es eigentlich ja schon.

Ihr Lieblingsmaler?

Monet. Obwohl mein Mann und ich bei Kunst eher so „Do-it-yourself“ sind. Wir sehen ein Bild, das irgendwie schon cool ist, aber denken uns: Ach, das kriegen wir auch selber hin. Solang es kein Monet ist.

Lieblingsmusiker oder -bands?

Mein Mann und ich werden oft gefragt, ob wir dieselbe Musik hören. Ja, hören wir, größtenteils. Für unser letztes Album haben wir uns zum Beispiel von Nick Cave inspirieren lassen, ohne ihn dabei kopieren zu wollen. Es gibt Alben, die einen von der Stimmung her sehr bewegen. Seins war eines davon. Sonst höre ich auch sehr gern Janet Jackson, Lamb oder F.K.A. Twigs, eine bunte Mischung.

Eigenschaften, die Sie bei einer Frau oder einem Mann am meisten schätzen?

Geduld, Intelligenz, Humor und die Lust am Essen.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Alles zwischen Gärtnern und Kochen.

Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?

Da ich nie wusste, wer oder was ich einmal sein wollte, bin ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Ich wollte schon immer kreativ sein, das bin ich jetzt auf unterschiedlichste Weise.

Ihr Hauptcharakterzug?

Bodenständig. Pragmatisch. Wahrscheinlich vor allem, weil es das komplette Gegenteil zum Modelbusiness ist. Das ist auch das Erste, was die Medien über mich berichten. Inzwischen habe ich das so oft gelesen, dass ich es selbst über mich glaube.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie sehr ehrgeizig und zielorientiert sind. Das sind Eigenschaften, die ich bei mir ein bisschen vermisse.

Ihr größter Fehler?

Ungeduld. Dass ich manchmal erst reagiere, bevor ich nachdenke.

Durch welches Medium informieren Sie sich?

Hauptsächlich online. Twitter, wenn ich etwas schnell wissen will. Zeitungen kaufe ich eher weniger. Schlecht, ich weiß.

Sind Sie oft hier im Süden?

Selten. Manchmal, wenn wir mit der Musik unterwegs sind. Mein Mann ist im Mai hier in Ravensburg im Douala. Wir haben aber auch Freunde, die hier aus der Region kommen und uns in Berlin besuchen.

Ihr Motto?

Denken hilft.

Die Gesprächspartnerin:

Eva Padberg arbeitet als Model bereits in zahlreichen Modemetropolen der Welt, darunter Tokio, New York und Paris. Ursprünglich stammt sie aus Thüringen, heute lebt die 36-Jährige mit ihrem Mann Niklas Worgt in Berlin. Die beiden schreiben und produzieren Songs unter dem Pseudonym Dapayk & Padberg .

Außerdem ist Padberg oftmals als Moderatorin und Schauspielerin zu sehen.

Die Autorin:

Paula Halder (16) geht in die elfte Klasse des Hans-Multscher-Gymnasiums in Leutkirch. Das Interview mit Unicef-Botschafterin Eva Padberg wollte sie führen, weil sie sich für die Welt der Laufstege und Designer interessiert. Für Paula war es das erste Interview überhaupt. Ihre Gesprächspartnerin Eva Padberg empfand sie als überraschend normal.

Zu den Fragen:

Das Interview orientiert sich größtenteils an einem Fragebogen des französischen Schriftstellers Marcel Proust (1871-1922). Zu seiner Zeit war diese Art der Fragestellung ein beliebtes Gesellschaftspiel, das dazu dienen sollte, andere besser kennenzulernen.