Fahrwerk

Der Audi A1 Citycarver im Test: Sportlicher Mini-SUV mit Problemen

Neu-Ulm / Lesedauer: 6 min

Der „Citycarver“ ist die SUV-Variante des Audi A1 - in unserem Test fragen wir nach seiner Daseinsberchtigung
Veröffentlicht:03.07.2022, 20:38
Aktualisiert:03.07.2022, 20:58

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Mit dem „Citycarver“ bietet Audi eine Variante des A1 mit höher gelegtem Fahrwerk. 5,5 Zentimeter sitzt der Fahrer im Citycarver über dem normalen A1. Der Ingolstädter Hersteller geht damit den Trend weiter, bei dem derzeit von allen gängigen Modellen höher gelegte „SUV-Varianten“ angeboten werden. Allerdings erhalten die bei Audi in der Regel den Zusatz „allroad“. So zum Beispiel bei A4 und A6.

Beim A1 fehlt aber deren Allrad-Antrieb, deshalb hat sich Audi das offenbar nicht getraut und nannte den A1 SUV „Citycarver“. Englisch für einen Stadtkurver“. Dass das ein Holzweg ist, zeigt nicht nur unser Test, sondern vielleicht auch der Umstand, dass Audi den Citycarver über die firmeneigene Homepage mittlerweile als „A1 allstreet“ anbietet.

Das Testmodell

Als Testwagen hat Audi uns einen A1 citycarver 35 tfsi mit Automatikgetriebe zur Verfügung gestellt. Der hat mit 150 PS ganze 40 PS mehr als das Basismodell 30 tfsi. In diesem Test kümmern wir uns vor allem um die Testwerte dieses Autos, gleichen sie aber mit dem Basismodell ab.

Kosten

Für das Basismodell verlangt Audi derzeit 23200 Euro. Das sind 1800 Euro mehr als der A1 ohne höher gesetztes Fahrwerk kostet. Für die Variante mit 150-PS Motor, die wir getestet haben, fallen mindestens 28300 Euro an. Bei diesen Zahlen wird es aber in der Regel nicht bleiben, Audi bietet für den A1 eine ganze Bibliothek an Zusatzausstattung an. Auch für einige Selbstverständlichkeiten fällt schon Aufpreis an.

Für eine Klimaautomatik schlagen zum Beispiel 400 Euro zu Buche. Unser Testwagen kostet mit jeder Menge Ausstattung 39.600 Euro. Vom preiswerten Kleinwagen ist der Citycarver also weit entfernt. Gebraucht gibt es den Citycarver ab etwa 20000 Euro zu kaufen. Dann aber ohne Automatikschaltung.

Optik

Das Design des Citycarvers mutet von außen modern an. Eine aggressive Front soll ihm laut Marketing ein „maskulineres“ Aussehen geben. Davon abgesehen, wie sinnvoll solche Kategorien sind, hilft das sicher, dass der A1 hier durchaus überzeugt. Klare Linien und spannende Formen machen das Auto zu einem Hingucker. Das sehr gelbe Pythongelb des Testwagens überzeugt uns dagegen eher weniger.

Innen kommt der Citycarver größtenteils mit einer modernen, etwas eckigen Ausstattung daher. Das Armaturenbrett besteht zwar mehrheitlich aus Kunststoff, wirkt aber recht hochwertig. Dominiert wird es von einem ausreichend großen Display für die Funktionen. Das ist natürlich nicht in der Basisvariante enthalten, die hat hier nur eine Plastikablage. 1510 Euro kostet allein das Display mit Navigationsfunktion.

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Fahrwerk und Motor

Dass die 150 PS den gut 1200 Kilogramm schweren A1 mühelos anschieben, zeigt schon der erste Tritt aufs Gaspedal. 8,3 Sekunden braucht er, um auf 100 km/h zu beschleunigen. Insbesondere, wenn man den optionalen Dynamikmodus anschmeißt, wird aus dem Citycarver ein recht sportliches Auto. Dazu trägt auch das recht harte Fahrwerk bei, das in Kurven zwar schnell zum Quietschen kommt, aber Fehler recht gutmütig verzeiht.

Auch jenseits der 200 km/h liegt der Wagen sicher und ruhig auf der Straße. Weiter als 218 km/h ließ sich der Testwagen auf der Ebene nicht beschleunigen. Bei normalen Reisegeschwindigkeiten zwischen 80 und 140 km/h ist der Motor im Innenraum angenehm leise, beim Beschleunigen im Dynamikmodus lässt er den kernigen Sound der Audi-Motoren nicht vermissen.

Assistenz-Systeme

Ganz zeitgemäß gibt es für den Audi eine ganze Reihe, die aber alle Aufpreis kosten. Positiv ist der Adaptive Geschwindigkeitsassistent aufgefallen, der Geschwindigkeit und Abstand zum Vordermann sehr zuverlässig regelt und dabei nicht zu hart bremst. Negativ dagegen der Spurhalteassistent, der greift deutlich zu spät ein und reißt dann ordentlich am Lenkrad. Bei den Insassen sorgte das eher für Panik als für Sicherheit.

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Die kamerabasierte Erkennung von Geschwindigkeitstafeln kostet 200 Euro und sorgt für nicht mehr als die Einblendung der letzten Tafel ins Cockpit. Eine automatische Anpassung des Tempomaten, wie sie etwa Ford anbietet, gibt es nicht. Gewünscht hätten wir uns eine Rückfahrkamera, der A1 bietet nur wenig Übersicht nach hinten.

Platzangebot

Für einen Kleinwagen bietet der A1 Citycarver recht viel Platz. Mit vier Metern Länge ist der A1 auch eher einer der längeren Vertreter seiner Klasse. Das macht sich in ausreichend Fußraum bemerkbar. Nur für Menschen über 1,80 wird’s im Fond auf Dauer etwas eng.

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Die gut 300 Liter Kofferraum, die der Citycarver bietet, sind genug für eine dreiköpfige Familie im Alltag. Auch kein größerer Einkauf findet ohne puzzeln Platz. Im Urlaub müsste vermutlich einges an Gepäck auf die Rückbank. Wenn dort noch Kind Nummer zwei hin soll, ist das eher unmöglich.

Verbrauch

Laut Audi soll der 35 tfsi 5,2 Liter Benzin auf 100 Kilometern brauchen. Das ist utopisch. Selbst mit 120 km/h auf der Autobahn zeigt der Bordcomputer noch einen Verbraucht von mindestens 5,8 Litern. In unserem gesamten Test braucht der Citycarver 7,2 Liter. Für einen Kleinwagen ist das unterirdisch schlecht und nicht mehr zeitgemäß. Die vom Namen her suggerierte Verwendung als Stadtauto würde den Verbrauch sogar noch weiter steigern und das in Gebieten mit guter eher ÖPNV-Anbindung.

Multimedia

Ein digitales Cockpit hat der Citycarver serienmäßig. Das ist schön aufgeräumt und bietet nach kurzer Gewöhnungsphase alle wichtigen Informationen auf einen Blick. Ohne Aufpreis gibt es dazu aber nur ein Radio, das vom Lenkrad bedienbar ist. Für die 1510 Euro, die das Multimedia-System mit Display kostet, gibt es dann eine Vollintegration für Smartphones.

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Nutzer können das Smartphone entweder via Bluetooth mit dem Multimedia-Interface (MMI) des Audi verbinden, oder via WLAN oder USB. Neben dem Audi-eigenen MMI stehen auch Googles Android Auto und Apples CarPlay zur Verfügung. Die Einrichtung der beiden letzteren ist recht unkompliziert, dagegen dauert es eine ganze Weile und viele Registrationsprozesse bis Audis MMI mit dem Smartphone kommuniziert. Sogar eine Identifikation des Fahrers über eine spezielle App ist dafür notwendig.

Steht die Verbindung einmal, liefert das Soundsystem einen leicht basslastigen, aber dafür schön satten Sound. Das Multimedia-Display liefert eine grafisch saubere Oberfläche, die nicht zu sehr ablenkt und leicht erschließbar ist. Highlight ist die Satellitenkarte des Navis, die sich zwischen den digitalen Instrumenten des Cockpits einblenden lässt.

Zielgruppe

Man muss schon ein eingefleischter Audi-Fan sein, um sich für gerade dieses Auto zu entscheiden. Wer den Citycarver wählt, weil er höher sitzen möchte, findet bei der Konkurrenz günstigere Modelle mit mehr Platz. Auch im Premiumsegment. Für einen Cityflitzer braucht der A1 zu viel Sprit und ist fast ein bisschen zu groß.

Fazit

Der Citycarver ist definitiv ein Auto, das Spaß macht. Mit dem 150-PS-Motor und dem harten Fahrwerk wirkt der Citycarver beweglich und dynamisch. Wenige Kleinwagen lassen sich auch bei hohen Geschwindigkeiten so gut kontrollieren. Außerdem ist der kleine SUV ein recht hübsches Auto.

Leider war es dann auch auf der positiven Seite. Der Citycarver braucht deutlich zu viel Benzin und kostet zu viel, um wirklich attraktiv zu werden. Zudem ist das Konzept eines gut motorisierten Kleinwagens, der durch Städte kurven soll, in Zeiten von Mobilitätswende und E-Autos überholt.