Saur denkt noch lange nicht ans Aufhören

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Thomas Saur bewirbt sich in Wört um seine vierte Amtszeit.
Thomas Saur bewirbt sich in Wört um seine vierte Amtszeit. (Foto: Rimkus)
Schwäbische Zeitung

Am Donnerstag, 11. Oktober, wird sich Thomas Saur bei einer Kandidatenvorstellung im Bürgersaal des Wörter Rathauses als einziger Bewerber um den Bürgermeisterposten präsentieren. Beginn dieser Veranstaltung ist um 19 Uhr.

Die Wörter sind am Sonntag, 14. Oktober, aufgefordert, einen neuen Rathauschef zu wählen. Einziger Kandidat ist Amtsinhaber Thomas Saur. Der 55-jährige Diplom-Verwaltungswirt hat den Bürgermeisterposten in Wört bereits seit 24 Jahren inne und will unbedingt in seine vierte Amtszeit starten. Amtsmüdigkeit kennt Saur nicht. Alexandra Rimkus sprach mit ihm über seine Arbeit und über Projekte, die er in der Gemeinde gerne noch umsetzen möchte.

Herr Saur, Sie sind jetzt seit 24 Jahren im Amt, machen den Job als Wörter Bürgermeister seit dem 1. Januar 1995. Hand aufs Herz? Spüren Sie wirklich keine Amtsmüdigkeit?

Überhaupt nicht. Die Arbeit in Wört macht mir nach wie vor großen Spaß. Ich gehe wirklich gerne ins Geschäft, jeden Tag. Daran hat sich in 24 Jahren nichts geändert.

Auch wenn es immer mal wieder Gegenwind gibt? Mittlerweile ist ja bei sehr vielen Vorhaben Bürgerbeteiligung gefragt...

Als Bürgermeister kann man es nicht allen recht machen, selbst wenn man es möchte. Man muss in dieser Position auch mal ein diplomatisches Nein vertreten können, das gehört zum Job dazu. Sonst bräuchte man uns nicht. Im Übrigen finde ich es großartig, dass ich in Wört sowohl im Gemeinderat, aber auch in der Bürgerschaft Menschen habe, die mitdenken und sich konstruktiv einbringen. Ich bin der Letzte, der seine Position, seine Meinung immer durchsetzen muss.

Als Sie vor acht Jahren für eine dritte Amtszeit angetreten sind, haben Sie als wichtigste Wörter Zukunftsprojekte den Rathausneubau und den Bau einer Wohnanlage für Senioren genannt. Beide Vorhaben wurde zwischenzeitlich umgesetzt. Zufrieden mit dem Ergebnis?

Ja, absolut. Wir haben den Bau des neuen Rathauses 15 Jahre lang geplant. Das war eine lange Zeit, aber die intensive Vorarbeit hat sich gelohnt. Wir haben eine Ortsmitte, ein richtiges Zentrum, geschaffen, mit Rathaus, Bank, Bibliothek, Arztpraxis und Einkaufszentrum. Das hätte man nicht besser machen können. Wir haben dafür 4,7 Millionen Euro investiert, fast ohne Zuschüsse vom Land oder Bund. Das ist schon eine bemerkenswerte Leistung.

Und die Seniorenwohnanlage? Sind Sie auch da zufrieden? Geplant war ursprünglich eine Senioren-WG, die dann aber nicht zustande gekommen ist.

Das stimmt. Aber auch dieses Projekt hat sich am Ende gut entwickelt und es war auch richtig, dass wir es in Angriff genommen haben. Wir bieten dort jetzt barrierefreies Wohnen, was sehr gut angenommen wird. Dazu werden hier Menschen betreut, die eine Intensivpflege brauchen. Im Übrigen wird uns das Thema altersgerechtes Wohnen auch in Zukunft beschäftigen. Nicht umsonst achten wir bei unseren zukünftigen Baugebieten darauf, dass dort auch barrierefreie Wohnungen entstehen. Der Bedarf ist da, wir müssen für ein entsprechendes Angebot sorgen.

Wört steht derzeit glänzend da. Das kann man festhalten, ohne zu übertreiben. Die Gemeinde ist seit 2004 schuldenfrei, finanziell spielt Wört ganz vorne mit – nicht nur im Kreis, sondern im gesamten Bundesland. Bleibt das in Zukunft so?

Wenn es nach mir geht, halten wir diesen Kurs (lacht). Aber im Ernst. Man weiß nie, was passiert. In der Welt, aber auch in Deutschland, gibt es derzeit gewisse Unsicherheiten. Das kann sich auch auf Wört auswirken.

Inwiefern?

Unsere Einnahmen hängen zu einem ganz großen Teil von den Gewerbesteuern ab. Und in Krisenjahren, wie 2007 und 2008, erleben wir hier natürlich auch deutliche Einbrüche. Wir konnten die Zeit damals allerdings gut überbrücken, weil wir ausreichend Rücklagen gebildet hatten.

Sicherheit hat für Sie schon Priorität, oder?

Als echtr Schwob mecht ma bloß Schulda, wenn ma baut. (lacht) Wobei, zugegeben: Das kann nicht jeder Bürgermeisterkollege so halten. Wir profitieren natürlich von unserer sehr guten finanziellen Ausstattung und davon, dass wir mit TE Connectivity einen großen Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler am Ort haben.

Vor acht Jahren hieß es, dass Wört 1420 Einwohner und 1200 Arbeitsplätze hat.

Heute sind es 1500 Einwohner/innen und 1500 Arbeitsplätze. Das ist eine ganz erfreuliche Entwicklung.

Das heißt aber auch, dass Sie mehr Menschen Wohnraum und Bauplätze anbieten müssen?

Die Erschließung neuer Baugebiete wird tatsächlich eine unserer vornehmlichen Aufgaben in den kommenden Jahren sein. Die Gemeinden werden gerade in ihrer baulichen Entwicklung politisch stark reglementiert, aber ich sehe für uns doch gute Chancen, auch künftig noch wachsen zu können. Wir werden uns weiter darum bemühen müssen, da wir durch innerörtliche Verdichtung kaum noch Erweiterungsmöglichkeiten haben. Viele bestehende Baulücken wurden bei uns bereits geschlossen.

Welche Zukunftsaufgaben warten außerdem noch?

Es wird vor allem darum gehen, die gute, intakte Infrastruktur von Wört zu erhalten. Baulich werden wir uns um unsere Schule kümmern müssen. Da steht eine Generalsanierung an. Und natürlich wollen wir den Rundweg um den Dorfmühlweiher fertigstellen. Da haben die Arbeiten begonnen und sollen nach Möglichkeit im Sommer 2019 abgeschlossen und dann mit einem großen Fest gefeiert werden. Ich würde mir wünschen, dass aus dieser Einweihungsfeier so eine Art Gemeindefest wird, das dann in regelmäßigen Abständen gefeiert werden kann. Denn das fehlt uns derzeit in Wört.

Sie haben doch schon den Fasching!

Stimmt. Was unsere Vereine und Clubs da an Programm aufbieten, ist natürlich gigantisch. Wenn wir eine Veranstaltung mit ähnlicher Strahlkraft im Sommer hinbekämen, wäre das klasse.

Wie sieht es aus mit Breitband? Das Thema beschäftigt aktuell viele Gemeinden im Ostalbkreis.

Um dieses Thema haben wir uns frühzeitig gekümmert. Unser Hauptort hat als einer der ersten einen Glasfaseranschluss bekommen. Das nahm seinen Anfang bereits 2005, als Gasleitungen verlegt wurden. Damals wussten viele noch gar nicht was Glasfaser eigentlich ist. Im nächsten Jahr werden nun auch unsere Teilorte Dürrenstetten, Konradsbronn und Schönbronn ans Breitbandnetz gehen. Danach fehlen dann nur noch kleinere Wohnplätze und Gehöfte, für die wir uns eventuell andere technische Lösungen überlegen müssen.

2010 wurden Sie von den Wörtern mit über 95 Prozent Zustimmung gewählt, 500 Stimmen wurden für Sie abgegeben. Was wünschen Sie sich für die Wahl am 14. Oktober?

Vor allem hoffe ich auf eine gute Wahlbeteiligung. 40 Prozent plus x wäre mein Wunsch. Wenn es für mich dann wieder eine breite Zustimmung gibt, wäre das schön.

Wird die vierte Amtszeit auch Ihre letzte Amtszeit sein?

Das kann ich derzeit nicht sagen. Wenn es mir weiter so gut geht, wie jetzt, meine Familie weiter hinter mir steht und ich auch im Gemeinderat und der Verwaltung den Rückhalt spüre, gibt es eigentlich keinen Grund, aufzuhören. Ich bin dankbar für die knapp 24 vergangenen Jahre in Wört. Es gibt für mich wirklich nichts Schöneres, als in dieser Gemeinde als Bürgermeister arbeiten zu dürfen.

Am Donnerstag, 11. Oktober, wird sich Thomas Saur bei einer Kandidatenvorstellung im Bürgersaal des Wörter Rathauses als einziger Bewerber um den Bürgermeisterposten präsentieren. Beginn dieser Veranstaltung ist um 19 Uhr.

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