Erster Teil der Kolumne aus Westhausen: Über den Prozess des Schreibens und Tabuthemen

So viele Bücher wie auf diesem Bild hat Juliana Holl natürlich noch nicht geschrieben, schließlich ist sie noch keine 18 Jahre alt – An ihrem insgesamt dritten Buch aber arbeitet sie bereits. Und an den Themen ihrer eigenen Kolumne „Julys Fokus“. (Foto: Frank Rumpenhorst/dpa / Grafik: Weinert)
Freie Autorin

Tja, ich schätze, das wird eine längere Geschichte. Mein Name ist Juliana Holl und ich wohne in Westhausen. Lesen war und ist schon immer meine Leidenschaft gewesen, bereits im Kindesalter habe ich Bücher nur so verschlungen. Auch in der Schule war Deutsch schon immer eines meiner Lieblingsfächer. Wo andere bei einem Aufsatz eine Seite abgegeben haben, habe ich meinen Lehrern schon immer mehrere Seiten vollgeschrieben. Mit 13 Jahren habe ich die erste Seite von meinem Debüt-Roman geschrieben. „It´s Time to Fly“ ist ein Jugendroman über die erste große Liebe, Herzschmerz und Pferde.

Veröffentlichen war nie der Wunsch

Eigentlich wollte ich das nie veröffentlichen, aber nachdem meine Freundinnen mich davon überzeugt hatten, dass das gut sei, habe ich es gewagt. Mein zweites Buch „Die Welt durch seine Augen – tätowiert für dein Leben“ wurde Mitte März über den Verlag KDP-Amazon veröffentlicht.

Ich habe versucht, ein ernstes und wichtiges Thema in eine Geschichte zu verpacken. Wovon ich rede, ist das „Anderssein“, aus der Gesellschaft rausstechen, nicht mit dem Strom schwimmen. Hier geht es um Autismus. Mittlerweile bin ich fast 18 Jahre alt und schreibe gerade an meinem dritten Buch, wieder ein Roman, wieder ist mir das Thema wichtig.

Themen, die man von einer 17-Jährigen eher weniger erwarten würde. July setzt den Fokus zum Teil auch dahin, wo's wehtut. (Foto: pv/Fey)

Ich habe den Eindruck, dass irgendwie totgeschwiegen wird: Suizid. Ich bin der Meinung, dass es viel zu wenig Aufklärung über dieses so wichtige Thema gibt. Warum lernt man in der Schule die Krankheiten Krebs, Diabetes und das Down-Syndrom kennen, warum aber erfährt man kaum etwas über psychische Erkrankungen?

Es scheint, als sei dieses Thema ein Tabuthema. Keiner mit einem gebrochenen Bein wird schräg angeschaut. Wenn man aber sagt, dass man Depressionen hat oder an sonstigen psychischen Erkrankungen leidet, verhält es sich anders. Ich finde es unheimlich wichtig, dass dieses Thema thematisiert wird und Aufklärung geschaffen wird.

Genauso wie über Sexualität aufgeklärt wird, sollte über psychische Erkrankungen Aufklärung stattfinden. Ich meine, wie soll man reagieren und helfen können, wenn man nicht weiß, was Anzeichen für seelische Leiden sind? Wie soll ich eine Depression erkennen, wenn ich nicht weiß, welche Symptome dafür sprechen?

Wie kommt das Wort aufs Papier?

Um aber auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Mit 13 Jahren habe ich meine erste Seite meines Buchs geschrieben. Allerdings schreibt man ein Buch nicht von heute auf morgen. Manchmal bekommt man wochenlang keinen einzigen Satz aufs Papier – an anderen Tagen wiederum fliegen die Wörter nur so durch die Luft.

An „It´s Time to Fly“ habe ich insgesamt drei Jahre geschrieben. Ganz am Anfang steht natürlich immer die Ideenfindung. Um was soll es eigentlich gehen? Welche wichtige Aussage möchte ich den Lesern mit auf den Weg geben? Welche Charaktere sollen in dem Werk vorkommen? Was wird ihre Aufgabe sein? Machen die Personen innerhalb der Geschichte einen Wandel durch?

All das sind Fragen, die ich mir ganz am Anfang stelle. Erst dann beginnt der eigentliche Schreibprozess. Und dieser ist immer ganz individuell. Oftmals habe ich eine Idee im Kopf, doch die Formulierung fehlt noch. Manchmal wache ich mitten in der Nacht auf und habe DIE Idee.

Die schreibe ich mir sofort auf. Bei mir ist es keineswegs so, dass ich bei Seite eins anfange und dann chronologisch weiterschreibe. Bei meinem neuen Roman „Million Faces – jeden Tag ein anderes Gesicht“ ist beispielsweise der Anfang und das Ende schon fertiggestellt.

Der Mittelteil allerdings fehlt noch. Wenn ich mich gerade glücklich und gut fühle, kann ich keine traurige oder anderweitig emotionale Szene schreiben. Deshalb ist es für mich gar nicht möglich, der Reihe nach ein Buch zu schreiben. Ich bin schon oft gefragt worden, ob ich da nicht durcheinanderkomme und ganz ehrlich? Ja, ich komme manchmal durcheinander und muss dann nochmal das vorherige Kapitel lesen.

Den Leser mitnehmen

Mir ist es extrem wichtig, das Lesen nicht nur eine nette Freizeitbeschäftigung ist und nebenher geschieht. Meine Leser sollen etwas fürs Leben mitnehmen. Aus diesem Grund spreche ich solche Themen wie Autismus oder Suizid an. Mein Wunsch ist es, dass meine Bücher etwas verändern, dass sie vielleicht sogar den Leser verändern, ein neues Bewusstsein schaffen. Denn ein gutes Buch endet bekanntlich nicht mit der letzten Seite, sondern begleitet einen ein Leben lang.

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