Carolin Hoffmann baut ein Waisenhaus

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Carolin Hoffmann mit den Waisenkindern aus Ghana. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Bopfingen-Ries

Verunsichert haben die drei Kinder mit ihren großen dunklen Augen Carolin Hoffmann angesehen. Esther, Prince und Henry waren von ihrer Mutter weggegeben worden und standen jetzt vor der Tür des Waisenhauses „Home for Hope“ in Gomoa Tarkwa im Süden Ghanas. Dort leben die sieben-, elf- und zwölfjährigen Geschwister seither gemeinsam mit 34 anderen Heimkindern, begleitet von einer angestellten Heimmutter, die alle „Ma“ rufen und wechselnden Helferinnen aus Deutschland.

Die sechs Monate, die Carolin Hoffmann aus Westhausen nach dem Abitur mit der Austauschorganisation „Experiment“ in Ghana verbracht hat, gehören für sie zu den intensivsten ihres Lebens. „Ich habe den Wert der Dinge schätzen gelernt“, sagt die 20-Jährige und meint: Essen, Strom, Wasser und Bildungschancen. Alles in Deutschland selbstverständlich, für die Waisenkinder, die in einer verfallenen Baracke leben und sich das Waschwasser von einem dreckigen Tümpel holen, nicht.

Kinder lieben das „Fliegerlied“

Die Kinder morgens waschen und anziehen, Kochen und das Essen zur Dorfschule bringen, Jamswurzeln und Bohnen einkaufen, mit einem Handfeger den Boden kehren: Alles Aufgaben, die Carolin Hoffmann und zwei weitere freiwillige Helferinnen erledigten. Natürlich spielten und lachten sie auch mit Esther, Prince, Henry und den anderen Kindern, trösteten sie, feierten Feste und tanzten ausgelassen zum „Fliegerlied“: Der Faschingsschlager tönte aus einem CD-Spieler, den Carolin Hoffmann aus Deutschland mitgebracht hatte. „Das wollten alle Kinder ständig hören“, lacht sie.

Neben der täglichen Arbeit widmeten sie sich dem großen Projekt, ein neues Waisenhaus zu bauen: „Der Rohbau steht schon“, sagt Carolin Hoffmann, die dafür unter anderem Baumaterial im Steinbruch gekauft, Maschinen organisiert und selbst mit Hand angelegt hat, stolz. Damit es jetzt weitergehen kann, ist vor allem Geld nötig. Deshalb trommelt Carolin Hoffmann mit Unterstützung der katholischen Kirchengemeinde Westhausen um Spenden. Diese werden auch dringend gebraucht, damit die Kinder die Dorfschule besuchen kann und die „Ma“ ihren kleinen Lohn bekommt.

Im September fliegt Carolin Hoffmann wieder für einige Wochen nach Ghana. Dann möchte sie den Hausbau weiter voranbringen und viele Menschen wieder treffen, die ihr ans Herz gewachsen sind. Anschließend will sie studieren: „Auf jeden Fall etwas im sozialen Bereich“, sagt sie: „Am liebsten in der Entwicklungshilfe.“

Am heutigen Samstag verkauft Carolin Hoffmann ab 9 Uhr Kuchen zugunsten des Waisenhauses im Ellwanger „Kaufland“. Spenden für das Waisenhaus nimmt das katholische Pfarramt Sankt Mauritius Westhausen entgegen. Infos gibt es unter Telefon 07363 /3676, E-Mail hoffmanncarolin@freenet.de oder unter www.facebook.com/ProjektHomeForHopeGhana.

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