Schwäbische Zeitung
Redakteurin Virngrund

Die Pfarrkirche Sankt Martin in Zipplingen wird am 14. April Schauplatz eines außergewöhnlichen Konzerts sein. Auf dem Programm stehen musikalische Raritäten von durchaus namhaften Komponisten aus der Region, die erst vor wenigen Jahren im Pfarrhaus von Zipplingen entdeckt wurden und nun erstmals – nach mehr als 200 Jahren – wieder bei einem öffentlichen Konzert gesungen und gespielt werden. Für diese ganz besondere Aufführung konnte mit dem Amerikaner Robert Crowe zudem ein Sänger von internationalem Format verpflichtet werden, der darüber hinaus auch noch einer äußerst seltenen Stimm-Spezies angehört: Crowe ist Sopranist.

Mit dem Zipplinger Konzert, das im Rahmen der Rieser Kulturtage aufgeführt werden wird, soll die „qualitativ hochstehende, aber untergegangene Musikkultur des 18. und 19. Jahrhunderts von Virngrund und Ries“ wieder ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden, wünscht sich Professor Hermann Ullrich von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, der dafür gemeinsam mit seinen Studierenden über ein Jahr geforscht und an dem Programm gearbeitet hat. Unterstützt wurde Ullrich, der seit 1990 mit der Erforschung des aus Unterschneidheim stammenden Mozart-Beethoven-Zeitgenossen Franz Bühler (1760 Unterschneidheim bis 1823 Augsburg) beauftragt ist, dabei erneut von der Unterschneidheimer Franz-Bühler-Stiftung.

„Arie für einen Kastraten“ zählt zu den Höhepunkten

Und so wundert es nicht, dass auch bei dem jetzt anstehenden Konzert vor allem Werke des einstigen Erfolgskomponisten Bühler bei dem Konzert in Zipplingen zu hören sein werden, darunter zum Beispiel das „Lobsinget dem Schöpfer der Welt“ aus dem großen musikalischen Bühler-Drama „Jesus, der Göttliche Erlöser“, das im Jahr 1816 entstanden ist.

Aber auch andere Komponisten werden bei dem Konzert in Zipplingen Würdigung erfahren. So etwa der Heuchlinger Joseph Ohnewald (1781 bis 1856), dessen sehr eingängiges „Magnificat“ aus dem Jahre 1814 zu hören sein wird. „Auch das ist ein Werk, das bei den Forschungen im Pfarrhaus Zipplingen entdeckt worden ist. Man fragt sich, wie das möglich ist“, sagt Ullrich.

Weitere Werke, die bei dem Konzert gespielt werden, stammen unter anderem von Johann Mauritius Schmid (1715 Westhausen bis 1770 Ellwangen), laut Ullrich eine „echte Entdeckung“ und von Franz Joseph Boutellier (1746 Dinkelsbühl bis 1821 Altdorf/Schweiz), der 1764 am Bau der ersten Unterschneidheimer Orgel beteiligt war.

Ein besonderes Highlight wird die „Arie für einen Kastraten“ aus der Feder von Johann Chrysostomus Drexels (1758 bis 1801) sein, Bühlers Amtsvorgänger als Domkapellmeister von Augsburg. Das Stück wurde bereits vor 30 Jahren von Ullrich ausgegraben und rekonstruiert, kam seither aber noch nie zur Aufführung. Der Grund: Es fehlte schlicht ein Sänger, der diesem Werk gewachsen war. Mit dem Amerikaner Robert Crowe habe man nun einen Sopranisten gewinnen können, der dieses Stück, das einst dem berühmten Kastraten Franceso Ceccarelli auf den Leib geschrieben wurde, werkgetreu vortragen kann, freut sich Ullrich. „Crowe ist ein echter Glücksfall. Es gibt weltweit nur sehr wenige ausgebildete Sänger, die dazu in der Lage sind. Mit seiner faszinierenden Sopranstimme ist der Moment für die erste Aufführung nach 1787 gekommen.“

Stücke sind leicht, melodiös und sehr eingängig

Wer nun meint, dass Konzert in Zipplingen sei womöglich nur etwas für eingefleischte Klassik-Fans und -Kenner, der irrt. „Die Stücke, die auf dem Programm stehen, sind allesamt sehr leicht, melodiös und eingängig“, sagt Ullrich. So wie zum Beispiel auch die Gmünder Passionsspiele, die bei dem rund 90-minütigen Konzert in Teilen ebenfalls gespielt werden sollen.

Neben Robert Crowe wirken bei dem Konzert in Zipplingen noch ein Projektchor, bestehend aus Studierenden der PH Schwäbisch Gmünd und Mitgliedern des Chores Sankt Cyriakus in Schwäbisch Gmünd-Bettringen, mit sowie die Streicher und Bläser des Arsatius-Consort unter der künstlerischen Leitung von Professor Georg Brunner von der Hochschule Freiburg. Dabei kommt ein authentisches Instrumentarium zum Einsatz.

Bei einem zweiten Konzert am 15. April um 17 Uhr in der Klosterkirche Mönchsdeggingen werden die Akteure noch durch den Ellwanger Organisten Professor Willibald Bezler verstärkt, der hier an der Barockorgel spielen wird.

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