Soll einen Nachbarn bekommen: der Regionalmarkt Bengelmann in Unterschneidheim.
Soll einen Nachbarn bekommen: der Regionalmarkt Bengelmann in Unterschneidheim. (Foto: Archiv afi)
Jürgen Blankenhorn

Die spannendste Nachricht ist am Dienstagabend im Gemeinderat Unterschneidheim unter dem Tagesordnungspunkt Bekanntmachungen verlautbart worden: Bürgermeister Nikolaus Ebert informierte den Rat über einen Antrag, der in den benachbarten Kommunen vermutlich für viel Unruhe sorgen wird.

Um den Einzelhandel in Unterschneidheim zu stärken, möchte der Unternehmernehmer Walter Bengelmann in Unterschneidheim neue Verkaufsflächen schaffen. Gebäude für einen Dienstleister und einen weiteren Einzelhändler, am liebsten einen Drogeriemarkt, sollen gebaut werden.

Laut Ebert habe Bengelmann die Verwaltung deshalb um die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens gebeten. In diesem Zuge sollen in Unterschneidheim weitere Flächen für den Einzelhandel ausgewiesen werden.

Ganz oben auf der Liste: ein Drogeriemarkt

Wie Bengelmann am Mittwoch auf Nachfrage der „Ipf-und-Jagst-Zeitung / Aalener Nachrichten“ mitgeteilt hat, sei er bereits „seit geraumer Zeit“ in Verhandlungen mit potentiellen Mietern für die neuen Gebäude, die der Unterschneidheimer Geschäftsmann hier gerne bauen möchte. Ganz oben auf Bengelmanns Wunschliste steht ein Drogeriemarkt.

„Neben der Sicherstellung einer vernünftigen Grundversorgung steigert ein breiteres Warensortiment die Attraktivität des Standorts Unterschneidheim.“ Außerdem wäre ein solcher Markt auch mit Blick auf das in d Nachbarschaft befindliche Alten- und Pflegeheim eine sinnvolle, wünschenswerte Sache, findet Bengelmann.

Laut Bengelmanns Antrag ist die Einzelhandelsentwicklung in Unterschneidheim seit zwölf Jahren rückläufig. Seit 2010 seien in der Gemeinde rund 1200 Quadratmeter an Einzelhandelsfläche verloren gegangen. Mit der Ausweisung neuer Einzelhandelsflächen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Regionalmarkt könne diese Entwicklung nicht nur gestoppt, sondern wieder umkehrt werden, heißt es in dem Antrag.

Tanhausen ging auf Bengelmann-Angebot nicht ein

Auf dem Areal, das Bengelmann ins Auge gefasst hat und das bereits in seinem Besitz ist, könnte zwei Gebäude mit insgesamt rund 1500 Quadratmeter Fläche entstehen. Bengelmann will neben einem Einzelhändler auch Dienstleister ansiedeln. Erste Interessenten gebe es bereits.

Dass er mit seinem Vorstoß nicht auf ungeteilte Begeisterung stößt, ist Bengelmann bewusst. Tatsächlich hatte schon die Erweiterung seines bestehenden Regionmarktes um knappe 400 Quadratmeter für viel Wirbel in Bopfingen und vor allem Tannhausen gesorgt. Die Tannhäuser Verwaltung hatte Anfang dieses Jahres sogar „Rechtsmittel“ gegen die erteilte Baugenehmigung für den Unterschneidheimer Einkaufsmarkt eingelegt.

Bengelmann kann den Groll der Tannhäuser nicht nachvollziehen. Er habe der Gemeindeverwaltung vor zwei Jahren angeboten, in Tannhausen – gemeinsam mit den örtlichen Händlern – einen neuen Markt zu bauen. Dafür hätte man ihm nur entsprechende Flächen zur Verfügung stellen müssen. Nach dieser Offerte habe er aber nichts mehr gehört. Tannhausens Bürgermeister Manfred Hase war am Mittwoch außer Haus und für eine Stellungnahme in dieser Sache nicht zu erreichen.

In Unterschneidheim wurde Bengelmanns Vorhaben indes wohlwollend aufgenommen. Bürgermeister Nikolaus Ebert kündigte „Schlüsselgesprächen“ mit Behörden und den Trägern öffentlicher Belange an. Anschließend soll in internen Gremien über den Antrag beraten werden.

Zum Hintergrund

Bereits die geplante Erweiterung des bestehenden Regionalmarktes Bengelmanns, unter anderem um eine Drogerieabteilung, führte bei Antragstellung im Mai 2017 zu kontroversen Diskussionen im Gemeindeverwaltungsverband Tannhausen und den umliegenden Gemeinden.

Schon damals hatte sich die Gemeinde Tannhausen deutlich gegen die Pläne ausgesprochen. Sie klagt aktuell dagegen.

Auch Bopfingens Bürgermeister Gunter Bühler sowie der Bopfinger Gemeinderat hatten sich vor zwei Jahren gegen die Erweiterung ausgesprochen. Bengelmanns aktuelle Pläne dürften in Bopfingen, vor dem Hintergrund des eben erst eröffneten Ipf-Treffs, für neuen Zündstoff sorgen. Tannhausen wie Bopfingen fürchten, dass Kaufkraft nach Unterschneidheim abwandert.

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