Der extreme Sommer hatte Folgen für den Wald: Circa 30 Prozent des Gesamtholzeinschlages im Ostalbkreis waren Käferholz.
Der extreme Sommer hatte Folgen für den Wald: Circa 30 Prozent des Gesamtholzeinschlages im Ostalbkreis waren Käferholz. (Foto: R. Rasemann)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Zur Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Waldbauverein Ries (FBG Ries), der aktuell 179 Mitglieder mit insgesamt 538 Hektar Wald angehören, konnte der Vorsitzende Michael von Thannhausen zahlreiche Mitglieder und Gäste in Nordhausen begrüßen.

In seinem Rechenschaftsbericht ging der Vorsitzende auf die Aktivitäten im abgelaufenen Jahr ein. Das Jahr 2018 sei für den Wald wegen der extremen Wetterverhältnisse im Sommer „ein sehr schwieriges Jahr mit enormem Käferbefall“ gewesen. Darüber hinaus ging von Thannhausen auf den Rechtsstreit zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Bundeskartellamt ein. Dabei war es um die gemeinsame Vermarktung von Nadelstammholz des Staatswaldes und des Privatwaldes gegangen.

Nachdem ein kartellrechtliches Verfahren im Juni 2018 durch den Bundesgerichtshof zurückgewiesen wurde, habe das Ministerum Ländlicher Raum nun einen Lenkungsausschuss einberufen, der das Umsetzungsprojekt „Forstorganisation 2019“ begleiten wird. Dies sei ein „richtiger Schritt“, erklärte Michael von Thannhausen. Noch stehe die Entscheidung des Ministerrates zwar aus. Aber man könne davon ausgehen, dass es zu einer „strikten Trennung“ von Staatswald und Privatwald kommen werde. Damit sei das Einheitsforstamt „Vergangenheit“. Der Staatswald werde in eine Anstalt des öffentlichen Rechts überführt. Für den Privat-, Kommunal- und Körperschaftswald mit einer Größe von rund 38 000 Hektar werde die Zuständigkeit für die Forsthoheit sowie die Beratung und Betreuung indes weiter beim Landkreis verbleiben. Die neue Struktur solle zum 1. Januar 2020 gelten, informierte der FBG-Vorsitzende die Mitglieder. Nach derzeitiger Planung werden zwei bis drei Forstaußenstellen mit insgesamt 19 Revierleitern für die Betreuung zuständig sein. Ein Holzverkauf über die Forstaußenstellen bleibe für alle Holzsortimente als Folge der Kartellklage untersagt.

30 Prozent Käferholz

Forstdirektor Reinhold Elser zeigte anschließend die Herausforderungen des Klimawandels für die Waldbesitzer auf. Die Temperaturen sind im Durchschnitt in den vergangenen Jahren um ein bis zwei Grad gestiegen. Dies habe zu Extremwetterereignissen geführt. Insgesamt 36 Tropentage im Sommer (am Tag über 30 Grad, nachts nicht unter 20 Grad Celsius) hätten für den Wald gravierende Folgen mit einem starken Käferbefall gehabt.

Circa 30 Prozent des Gesamtholzeinschlages im Ostalbkreis von 250 000 Festmetern war Käferholz. Ab April/Mai müssten die Bestände trotz der derzeitigen nassen Witterung dringend auf Käferbefall überprüft werden, postulierte Elser. Laut Waldzustandsbericht habe sich der Gesamtzustand der hiesigen Wälder weiter verschlechtert. Der Umbau des Waldes in stabile Bestände müsse zwingend weiter fortgeführt werden, mahnte der Forstdirektor. Die Fichte sollte nur noch auf für sie geeigneten Flächen angepflanzt werden. Ein Ausweichen auf Tanne, Douglasie und Eiche sei ratsam.

Elser kam auch auf den giftigen Eichenprozessionsspinner zu sprechen, der sich 2018 weiter ausgebreitet habe. Eine flächendeckende Bekämpfung werde derzeit überlegt und unter wissenschaftlicher Beteiligung geprüft.

Fahrwege: Eingriff in die Natur

Ein weiteres Thema von Elser waren Fahrwege und Maschinenwege, die zur Bergung des Rohstoffes Holz nötig seien, gleichwohl aber auch massive Eingriffe in die Natur darstellten, die ausgeglichen werden müssen. Grundsätzlich solle bei allen Wegebaumaßnahmen im Wald natürliches Material aus Steinbrüchen und Kieswerken verwendet werden, sagte Elser. Unter bestimmten Bedingungen könne auch produktzertifiziertes Recyclingmaterial und Bodenaushub verwendet werden. Dem Amt für Naturschutz beim Landratsamt sei so ein Vorhaben anzuzeigen. Das Land fördere unter bestimmten Bedingungen den Ausbau und die Instandsetzung von Waldwegen.

Der Vertreter von der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Schwäbischer Limes berichtete der Versammlung, dass die Preise auf dem Holzmarkt wegen des Überangebotes vor allem an Käferholz, auch aus den Nachbarländern, drastisch gesunken seien. Insgesamt habe die Geschäftsstelle im abgelaufenen Jahr rund 60 000 Festmeter Holz vermarktet.

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