Dicke Luft beim Pumpwerk Bleichroden

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 Der Tannhausener Gemeinderat hat überraschend die Lösung für das Geruchsproblem verworfen, die die Gemeindeverwaltung präferier
Der Tannhausener Gemeinderat hat überraschend die Lösung für das Geruchsproblem verworfen, die die Gemeindeverwaltung präferiert hätte. (Foto: Rimkus, Alexandra)
Jürgen Blankenhorn

Anders als geplant ist die Abstimmung zum Tagesordnungspunkt „Geruchs- und Korrosionsprobleme am Abwasserpumpwerk Bleichroden“ verlaufen. Nachdem das beauftragte Planungsbüro Stadtlandingenieure die Problematik und verschiedene Lösungsvorschläge in einer Präsentation vorgestellt hatten, ist die von der Verwaltung bevorzugte Paketlösung abgelehnt worden. Stattdessen haben sich die Räte für eine günstigere Alternative ausgesprochen.

Chemische Reaktion sorgt für schlechten Geruch

Schon seit geraumer Zeit war am Pumpwerk Bleichroden vor allem in den Sommermonaten ein Geruch nach faulen Eiern festgestellt worden. Ein Molchvorgang, also die Inspektion und Reinigung der Druckleitung zwischen Riepach und dem Pumpwerk, brachte anfänglich eine deutliche Verbesserung. Im Laufe der Zeit verstärkte sich die Geruchsbelästigung jedoch wieder. Das beauftragte Ingenieurbüro Stadtlandingenieure stellte mehrere mögliche Ursachen fest. Einer wäre der lange Fließweg mit zum Teil sehr flachen Leistungsabschnitten. In Verbindung mit einem sehr flachen Leistungsabschnitt, Unterbögen und einer geringen häuslichen Schmutzwassermenge würden durch die erhöhte Aufenthaltsdauer chemische Reaktionen begünstigt. Die Folge: Die Abwässer beginnen zu faulen, entlang der Rohrwandung entsteht ein Biofilm und durch die Bakterien bildet sich Schwefelwasserstoff. Neben Gefahren für die Gesundheit würden dadurch auch Materialien wie Beton und Stahl angegriffen.

Um die Ausgasung einzudämmen, wurden verschiedene Möglichkeiten vorgeschlagen. Neben dem Einbau einer Molchstation in die Druckleitung sowie einer Einpressvorrichtung (Kosten 13 000 Euro) wurde beim Pumpwerk Riepach noch der Einbau einer Zwangsentlüftung, eine Anpassung des Schaltspiels mittels einer Verkleinerung des Pumpensumpfes und die Nachrüstung mit einem Spülrohr empfohlen (Kosten 12 000 Euro). Beim Pumpwerk Bleichroden soll neben der Zwangsentlüftung zusätzlich noch der Einlauf der Druckleitung unter Wasser gelegt werden (Kosten 20 000 Euro).

Gemeinderat stimmt gegen Verwaltung

In der anschließenden angeregten Diskussion spaltete sich der Gemeinderat in zwei Lager, da das Ingenieurbüro den Erfolg der einzelnen Maßnahmen nicht separat ausweisen konnte. Dass der bereits erfolgte Molchvorgang relativ erfolgreich war und dass das Geruchsproblem nur im Sommer auftrat, irritierte einige Räte. Daher votierten sie in der ersten Abstimmung mit fünf Ja- und fünf Nein-Stimmen bei einer Enthaltung gegen die von der Verwaltung präferierte Paketlösung zum Gesamtpreis von 45 000 Euro.

Der daraufhin umformulierte zweite Antrag, vorerst nur eine Molchstation in das Pumpwerk Riepach einzubauen, dies ein Jahr lang zu beobachten und dann nach dem Sommer bei Bedarf nachzubessern, wurde bei fünf Ja- und drei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen angenommen. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 13 000 Euro.

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