Sammelsurium nostalgischer Alltagsdinge

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 Karl Walter inmitten seinem Sammelsurium nostalgischer Alltagsdinge in seiner Scheune in Stimpfach.
Karl Walter inmitten seinem Sammelsurium nostalgischer Alltagsdinge in seiner Scheune in Stimpfach. (Foto: Josef Lehmann)

Es ist noch gar nicht lange her, da sind sie aus unserem Leben nicht wegzudenken gewesen: Volksempfänger, Telefon mit Wählscheibe, Musikkassetten, Fahrräder ohne Gangschaltung, BMX und BTX. Manche Dinge haben sich jahrzehntelang gehalten und wecken nostalgische Erinnerungen, andere sind schnell in Vergessenheit geraten und muten heute skurril an. Ihnen allen widmet Karl Walter aus Stimpfach sein Museum.

Bei Walter sind solche Dinge gut aufgehoben. Seit Jahren betreibt er ein kleines „Café-Rad-Nostalgie-Museum“ in der Scheuer des ehemaligen elterlichen Bauernhofs in der Hirtenstrasse 5 und er ist dabei, seine Sammlung ständig zu erweitern. Waren es anfangs nur Motorräder, allen voran seine legendäre Kawasaki Z 900 aus dem Jahr 1975, genannt „Frankensteins Tochter“, so belegt das Sammelsurium von Alltagsgegenständen aus der Vergangenheit inzwischen zwei weitere Etagen.

In jeder Ecke, an vielen Wänden lässt sich etwas entdecken: Vom alten DDR-Stromzähler, Marke Josef Stalin, bis zum Heiligenbild aus den 50er-Jahren, vom Stiefelspanner aus der Kaiserzeit bis zur historischen Anker-Nähmaschine. Was mancherorts bei Haushaltsauflösungen entsorgt wird, bekommt bei Walter einen Ehrenplatz. Die Ausstellung wächst kontinuierlich. Freunde, Bekannte, Nachbarn überlassen ihm ihre Kostbarkeiten, darunter Kurioses wie ein geflochtener, 400 Jahre alter Seilzug aus einer Kirche, ein „Vaterland“-Fahrrad mit linker Handbremse, alte Pflüge und eine Wäschepresse, die er noch zum Mosten nutzt.

Größte Biergarnitur an der Jagst

Im kleinen Museumsgarten finden sich von Walter selbst kreierte Exponate. Aus Schrott, Kurbelwellen, Sauerstoffflaschen wurden Lampen, Tische und allerlei Zierrat. „Man kann aus allem etwas machen“, ist seine Philosophie. Legendär ist die große Biergarnitur. Mit acht Metern Länge hat die Sitzbank Platz für 14 Stimpfacher pro Seite. Der 1,8 Tonnen schwere Tisch bricht auch unter 780 Halben nicht zusammen. Nach Walters Meinung hat er die größte Biergarnitur links und rechts der Jagst.

Vor allem Biker und Radtouristen schauen vorbei und genehmigen sich ein Glas von seinem legendären roten Most. Sonntags gibt es auch Kaffee und Kuchen, selbst gebacken von Walters Nachbarin, die dafür mit Eiern seiner sechs glücklichen Hühner und Gänse entlohnt wird. Aber auch Gruppen besuchen sein Museum, wie letztens Bewohner eines Altenheims und Oldtimerclubs.

Und was waren BMX und BTX noch mal gleich? Ein Fahhrad und ein Computerprogramm. Ein BMX-Bonanza-Rad (Bicycle Motocross) aus den 60er Jahren und sogar ein seltenes Bonanza-Moped hat Walter in seinem Fundus. Einen Computer mit BTX (Bildschirmtext) dagegen nicht, die sind ihm zu jung.

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