Bunte Streifen erhellten beim Konzert der „Sonografen“ das Kirchenschiff der Schwäbisch Gmünder Johanniskirche.
Bunte Streifen erhellten beim Konzert der „Sonografen“ das Kirchenschiff der Schwäbisch Gmünder Johanniskirche. (Foto: msi)
Miriam Siegfried

Über weitere Sendetermine der insgesamt sieben Aufzeichnungen des Südwestrundfunks informiert die Homepage www.kirchenmusik-festival.de

Beim zweiten Nachtkonzert des Festivals Europäische Kirchenmusik haben „Die Sonografen“ mit Kurt Laurenz Theinert und Fried Dähn ein Aufsehen erregendes Konzert in der Johanniskirche gegeben.

Aus vollkommener Dunkelheit beginnen wellenförmige Ringe über Pfeiler, Wände und Decke des Kirchenschiffes zu mäandern. Dazu erklingt Pfeifen und Rauschen. Beides verdichtet sich zu einer intensiven Performance. Die Künstler hinter dem Spektakel waren zum einen der in Aalen aufgewachsene Lichtkünstler Kurt Laurenz Theinert am „visual piano“ und Cellist Fried Dähn, der zwischen Violoncello und Electric-Cello wechselte. „Computer und Effekte erlauben beim Electric-Cello eine Klangerweiterung“, erläuterte er in einer kurzen Ansprache zu Beginn des Konzerts. Theinert, Fotograf und Lichtkünstler, erklärte mehr über sein selbst erfundenes Instrument und das Zusammenspiel zwischen Licht und Ton: „Es gibt keine technische Kopplungt. Ich denke, die subtilste Art der Interaktion ist die der menschlichen Wahrnehmung.“

So setzte im nächsten Titel zuerst Musik ein, bevor Lichter nach und nach weiße Bahnen über die Wände legten, die den verglühenden Lichtkörpern eines Feuerwerks ähnelten. Beim nächsten Stück dann ein Gittermuster aus Punkten, ein immer bunter werdendes Mosaik aus Lichtpunkten, das sich im Kirchenschiff ausbreitete. Theinert zeigte die ganze Bandbreite seines Instrumentes.

„Visual music“ nennt sich die Verbindung aus Klang und Licht, bei der die Musik über das pure Hören hinaus ausgeweitet wird. Dabei ist die Bandbreite von Experimental-Cellist Dähn ohnehin groß. Auch ohne den Dialog mit Theinerts Lichtpiano ist sein Spagat zwischen Tradition und Moderne beeindruckend. Einerseits Bachs Solo-Suiten, gespielt auf dem klassischen Cello, daneben Eigenkompositionen mit Titeln wie „5ch“, „Furado“ oder „Chords & Circles“, die mal experimentell, mal meditativ, mal angelehnt an Drum’n’Bass eine ganze Bandbreite modernster Klänge umfassen und oftmals – insbesondere in der Verbindung mit den Lichtern – eine ganz eigene, psychedelische Sogwirkung hatten. Das Publikum fand sich in der Mitte der Performance. Immer wieder wurden staunend Köpfe in den Nacken gelegt, um das Gesamtbild aufzunehmen und das virtuose Zusammenspiel besser bestaunen zu können.

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