Von links: Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, Landrat Klaus Pavel, Kreishandwerksmeisterin Katja Maier, Ehepaar Hamler, Dr. Stefa
Von links: Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, Landrat Klaus Pavel, Kreishandwerksmeisterin Katja Maier, Ehepaar Hamler, Dr. Stefan Scheffold, Roderich Kiesewetter, Joachim Krimmer (Präsident der HWK Ulm) (Foto: Remszeitung)
Nicole Beuther

Ein Blick in die Auftragsbücher all der Handwerksbetriebe genügt, um die Aussage zu treffen, dass es den meisten von ihnen richtig gut geht.

Diese Aussage stand auch im Mittelpunkt des Neujahrsempfanges der Kreishandwerkerschaft. Doch nicht nur das: Auch jene Betriebe, die zu kämpfen haben, fanden Erwähnung. Und neben all dem Optimismus, der geäußert wurde, drang in den Grußworten auch so manch weitere Sorge durch.

Kreishandwerksmeister Alexander Hamler bezeichnete das zurückliegende Jahr als blühendes Frühjahr für die Betriebe. Das Kfz-Handwerk aber habe zu kämpfen gehabt und auch in den Lebensmittelbetrieben sei es nicht so gelaufen, wie von den Betrieben vorgestellt.

Doch Hamler zeigte sich bei der Begrüßung im Haus des Handwerks in der Leutzestraße insgesamt optimistisch, vor allem mit Blick aufs Bauhandwerk.

Die Sonne, so sagte der Kreishandwerksmeister, scheine weiterhin. Und das Konsumklima sei nach wie vor gut. Und das ist nicht nur seine Sicht der Dinge. Laut Hamler betrachteten im dritten Quartal des vergangenen Jahres 77 Prozent aller Handwerksbetriebe ihre Lage als gut.

Weniger optimistisch zeigte er sich mit Blick auf die Anzahl der Mitarbeiter. „Qualifiziertes Personal ist rar geworden in der heutigen Zeit“, so Hamler, der Landrat Klaus Pavel dafür dankte, dass dieser stets ein offenes Ohr für das Handwerk habe. Sehr oft haben sie sich in den vergangenen Jahren die Frage gestellt, wie die Berufsschulzentren im Ostalbkreis weiter gestärkt werden können.

Auch mit Blick darauf, dass im Bauhandwerk 20 Prozent aller Mitarbeiter

55 Jahre und älter sind, sagte er: „Unsere Anstrengungen in Sachen Ausbildung dürfen nicht nachlassen.“ Erfreut zeigte er sich darüber, dass sich die Berufsfindungstage inzwischen an den drei Berufsschulzentren des Ostalbkreises etabliert haben.

Auch die Politik sieht der Kreishandwerksmeister in der Pflicht. Er dankte für die Ausweitung der Meisterpflicht, „eine langjährige Forderung der Handwerkskammer“. Luft nach oben sieht Hamler beim Breitbandausbau. Und zur Entscheidung für die Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen sagte er: „Wir hätten uns diese Entscheidung schon früher gewünscht.“ Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm (HWK), stieg mit einer Geschichte in sein Leitgrußwort ein, die für schmunzeln sorgte, gleichzeitig aber auch nachdenklich stimmte. „Mit welchem Aufwand wird ein Hausschild befestigt?“ Um diese Frage ging es, angefangen im Jahr 1960, als dieser Vorgang in 20 Sekunden abgeschlossen war (Handwerker nagelt Schild an und bedankt sich für das Bier), bis hin zum Jahr 2018, wo zwei Jahre benötigt werden (Einholen von Angeboten, Behördenbescheide, statische Nachweise und Umweltverträglichkeitsprüfungen etc.). Ganz so schlimm, so Krimmer, sei es nicht. Und doch zeigte seine kleine erfundene Geschichte auf, was Realität ist: Der zunehmende Hang zur Regulierung. Krimmer nutzte sein Grußwort auch, um auf ein ganz anderes Thema aufmerksam zu machen, das dieses Jahr ansteht und auch auf die örtlichen Betriebe Auswirkungen haben wird: Die Europawahl. „Wir beziehen Material aus dem europäischen Ausland und Kollegen aus dem Ausland helfen uns zunehmend“, so Krimmer, der deutliche Worte an die Besucher richtete: „Wir sollten uns klar aussprechen gegen jede Form von Extremismus. Es ist wichtig, dass wir einstehen für ein starkes Europa und die Demokratie.“ Für 2019 äußerte der HWK-Präsident einen Wunsch: „Dass es uns gelingt, den Wert unserer Handwerker weiter zu erkennen.“ Qualität in der Ausbildung schaffe Zukunft.

Politisch wurde es auch beim Grußwort von MdL Dr. Stefan Scheffold, der

meinte: „Im letzten Jahr habe ich optimistischer nach vorne geschaut.“ Als er die Schwierigkeiten im Automobilbereich ansprach, nannte er auch das Verhalten des amerikanischen Präsidenten als ausschlaggebend für die Probleme. Und auch der Brexit sei ein Zeichen in eine Richtung, die Schwierigkeiten bringen könne. Wie die anderen Grußwortredner ließ er auch eines nicht unerwähnt: Die Digitalisierung. Diese werde alle Lebensbereiche erfassen, so Dr. Scheffold; „das betrifft den Kern unserer Gesellschaft“.

Landrat Klaus Pavel sprach von einer hervorragenden Beschäftigungs- und Arbeitsmarktlage und sagte: „Das Glas ist immer noch halb voll. Wir bewegen uns auf einem wirtschaftlichen Niveau, das Spitzenklasse erreicht hat.“ Die Steuereinnahmen in den 42 Städten und Gemeinden des Ostalbkreises seien noch nie so gut gewesen wie jetzt.

Aber auch Pavel sprach an, woran es fehlt und nannte hierbei den Fachkräftemangel. Es gebe zu viele Ungelernte, so Pavel. Man müsse nachdenken, wie man Fachkräfte von außerhalb gewinnen könne. Doch auch hier drang Optimismus durch: „Ich bin zuversichtlich, dass Deutschland die richtigen Rahmenbedingungen schafft.“ Auch für das Handwerk hat er 2019 ein großes Geschenk: Sanierungen in Millionenhöhe. „Wir sind ein starker Partner“, so Pavel an die Obermeister gerichtet. Bald komme die Ausschreibung in Höhe von 40 Millionen Euro für das Gmünder Berufsschulzentrum. Pavel setzt und vertraut auf das heimische Handwerk und äußerte den Wunsch, dass 39 Millionen Euro der Sanierungssumme im Ostalbkreis bleibt. Viele Gewerke winken auch bei der Sanierung des Stauferklinikums mit bis zu 23 Millionen Euro Investitionen.

Unterstützung sagte Pavel bei der Breitbandversorgung zu. „Wir wollen es in zwei bis drei Jahren fertig haben das Backbone-Netz im Ostalbkreis.“ Auf den Wert des Handwerks machte auch Dr. Joachim Bläse aufmerksam.

„Wir wollen in den Städten viele Dinge voranbringen, da braucht man die Handwerker dazu“, so der Gmünder Bürgermeister, der den Ostalbkreis als Wirtschaftsraum mit viel Potential bezeichnete.

Sorgen bereiten auch ihm die bevorstehenden Europawahlen. Es gehe darum, wie künftig die Gemeinschaft aussehe, so Bläse. Die Antworten auf die Herausforderungen seien nicht einfach; „wir sind gefordert, die Menschen mitzunehmen“. An die Handwerksmeister gerichtet sagte er: „Wir brauchen Sie. Sie sind Vorbilder auch in den Betrieben.“ Beim Fachkräftemangel bat er, sich nicht nur auf die Zuwanderung zu konzentrieren, sondern auch die vorhandenen Ressourcen zu betrachten.

Eine große Chance sieht er in der Ausbildung in Teilzeit. Daraus könne neues Potential geschöpft werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen