Böbingen befürchtet ein „Hochstraßen-Monster“

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 Die Menschen in Böbingen befürchten den Bau einer 30 Meter breiten Hochstraße quer durch die Gemeinde.
Die Menschen in Böbingen befürchten den Bau einer 30 Meter breiten Hochstraße quer durch die Gemeinde. (Foto: Jürgen Eschenhorn)
Heino Schütte

Die Menschen in Böbingen freuen sich auf zwei Jahrhundertereignisse: Remstalgartenschau und vierspuriger Ausbau der B 29. Gleichzeitig aber wächst die Furcht vor einer Jahrhundertsünde, nämlich dem Bau einer 30 Meter breiten Hochstraße quer durch die Gemeinde. Mobilmachung zugunsten einer Tunnellösung sei angesagt, so Bürgermeister Stempfle.

Das Thema rückt aktuell immer stärker in den Fokus, wie auch die jüngste Gemeinderatssitzung zeigt. Hintergrund ist auch ein Gespräch, das Bürgermeister Jürgen Stempfle unlängst unter Vermittlung des Gmünder Landtagsabgeordneten Stefan Scheffold und im Beisein von Landrat Klaus Pavel mit Vertretern der Planungsbehörde (Regierungspräsidium) in Stuttgart führte. Intensiv werden dort nun nach der sich abzeichnenden Fertigstellung der Ortsumfahrung Mögglingen (Frühjahr 2019) Gutachten und Pläne geschmiedet, wie es nun zwischen Mögglingen und Einhorntunnel in Gmünd mit dem angestrebten vierspurigen Ausbau der wichtigsten Verkehrsader zwischen Stuttgart und Ostwürttemberg weitergehen soll. Aufgrund der beengten Tal- und Bebauungssituation stellt Böbingen eine besondere Herausforderung dar. Die Steilhänge beiderseits und die Besiedlung lassen eine Umfahrung wie in Mögglingen als utopisch erscheinen. Jürgen Stempfle und der Gemeinderat wollen frühzeitig eine Resolution auf den Weg bringen. Wie vom Regierungspräsidium dargelegt wurde, richtet sich die Aufmerksamkeit der Planer auf vier Alternativen, die voraussichtlich im Juli nächsten Jahres dem Böbinger Gemeinderat und der Bevölkerung präsentiert werden sollen.

Rat wendet sich an Verkehrsministerium

Im Gespräch mit der Rems-Zeitung beschrieb Bürgermeister Stempfle dieser Tage eindrücklich, dass eigentlich schon jetzt alle Alarmglocken schrillen müssten. Entsprechend wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung auch beschlossen, sich frühzeitig mit einer Resolution an Öffentlichkeit und vor allem an das Bundesverkehrsministerium zu wenden, das diesen Straßenbau finanziert.

Stempfle: Drei Alternativen von Gemeinde nicht akzeptiert

Bei drei der vier Ausbaualternativen werde es sich, so hat Stempfle nun im Vorfeld in Erfahrung gebracht, um Planungen handeln, die seitens der Gemeinde nicht zu akzeptieren seien. Sie seien nichts anderes als eine Aufweitung mittels eines Erdwalls oder Stützmauern der Bestandstrasse, die doch schon jetzt die Gemeinde durchschneide. Optisch und städtebaulich wäre eine fast 30 Meter breite „Autobahn“ eine Katastrophe, weil dann Verkehr noch näher an Häuser und Privatgrundstücke heranrücke. Ob dies auch mit Lärmschutzbauwerken entsprechend zu lösen sei, wage er zu bezweifeln.

„Die schlimmste Vorstellung für mich ist aber eine Hochstraße, eine 350 lange Brücke auf zehn Meter hohen Betonsäulen, die gleichfalls als Alternative ausgearbeitet wird.“ Die vierte und mit Abstand aber auch teuerste Alternative ist ein etwa 350 Meter langer Tunnel.

Stempfles Fazit: „Wir müssen für eine Tunnellösung kämpfen!“ Eine solche wäre seiner Ansicht nach auch mit einer Trogbaulösung machbar. Seine Angst: Regierungspräsidium und Bundesverkehrsministerium könnten aufgrund der Kostenspanne zwischen – so erste noch völlig unverbindliche Schätzungen – 20 und 60 Millionen Euro die Tunnel-Alternative strikt ablehnen. Dies hätte fatale Wirkung, nicht nur für die Ortsentwicklung, sondern auch auf das Empfinden der Menschen, die sich mit Blick auf andere Tunnellösungen in der Nachbarschaft als Menschen zweiter Klasse fühlen würden. Die beiden Bundestagsabgeordneten und Staatssekretäre Norbert Barthle und Christian Lange haben am Freitag ihre Unterstützung für das Anliegen der 5000-Einwohner-Gemeinde zugesichert. Barthle sprach sich gegen eine voreilige Furcht aus, sondern man möge die Präsentation der vier Alternativen im Juli einfach mal abwarten. Dieser Schritt des Regierungspräsidiums bedeute keine Festlegung oder gar Planfeststellung.

Es sei dann immer noch Zeit für sachliche und finanzielle Abwägungen. Selbstverständlich verstehe er das Anliegen der Gemeinde. Christian Lange hat, wie er der Rems-Zeitung berichtete, das Bundesverkehrsministerium bereits dringend aufgefordert, sich bei einem Ortstermin die Situation vor Augen zu führen. Lange: „Ein Tunnel für Böbingen ist für mich ganz eindeutig die einzige Variante. Alle anderen Lösungen kämen einer Zerstörung des Ortsbildes und einer Beeinträchtigung der Lebensqualität der Menschen in Böbingen gleich.“

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