Weil Schimpfen keine Lösung ist

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Judith Ebert-el-Mawla sitzt seit 2014 im Rosenberger Gemeinderat. Sie ist die einzige Frau im Gremium.
Judith Ebert-el-Mawla sitzt seit 2014 im Rosenberger Gemeinderat. Sie ist die einzige Frau im Gremium. (Foto: Rimkus)
Redakteurin Virngrund

Die Bevölkerung in der Welt und in Deutschland besteht zu rund 50 Prozent aus Frauen. Man sollte meinen, dass sich das auch in den politischen Gremien widerspiegelt. Tut es aber nicht. Im Europäischen Parlament liegt der Frauenanteil derzeit bei 37 Prozent, im Bundestag bei 30,9 Prozent und im Rosenberger Gemeinderat bei exakt zehn Prozent. Hier hält Judith Ebert-el-Mawla seit 2014 als einzige Frau im zehnköpigen Gremium die Fahne für die Frauen hoch.

Die Unterrepräsentanz von Frauen im Rosenberger Gemeinderat hat lange, sehr lange Tradition. In den beiden vorangegangenen Legislaturen schlug sich Hedwig Mai als Einzelkämpferin durch, davor waren es engagierte Frauen wie Ingrid Schneider (1989-1994) oder Mathilde Schips (1980-1984), die sich trauten und in das Gemeindeparlament als einzige Damen wählen ließen. Rosenberg bildet mit dieser Historie eher die Regel als die Ausnahme im Ostalbkreis.

Gegen eine Quote

Judith Ebert-el-Mawla findet diese weibliche Zurückhaltung „absolut unverständlich“ und „schade“, spricht sich aber trotzdem klar gegen eine Frauenquote aus. „Ich finde eine Quote überhaupt nicht sinnvoll.Weder in der Politik, noch in der Wirtschaft. Die Leute, die entsprechende Positionen übernehmen wollen, müssen in erster Linie qualifiziert sein. Das Geschlecht sollte dabei nicht die entscheidende Rolle spielen“, findet die 58-Jährige, die als pharmazeutisch-technische Assistentin in der Marienapotheke beschäftigt ist und bei den letzten Kommunalwahlen in Rosenberg die mit Abstand meisten Stimmen, 1239 an der Zahl, auf sich vereinigen konnte.

„Dieses Ergebnis hat mich damals schon stolz gemacht und auch ein wenig überrascht“, sagt Ebert-el-Mawla, die 1988 durch ihre Ehe mit einem Libanesen zu ihren ungewöhnlichen Doppelnamen kam. Als Hermann Sorg sie 2014 für eine Gemeinderatskandidatur anfragte, habe sie nicht lange überlegen müssen: „Es ist doch toll und spannend, wenn man mitgestalten kann“, sagt Ebert-el-Mawla im Brustton der Überzeugung. Genau diesen Willen zur Mitgestaltung vermisse sie heute bei vielen Mitbürgern. Und das keineswegs nur bei Frauen. Dabei sei gerade jetzt, in diesen unruhigen Zeiten, Engagement gefragt und gefordert.

„Es ist sehr einfach, auf die Politik oder einen Gemeinderat zu schimpfen. Wer selbst mal in so einem Gremium mitgearbeitet hat, weiß, wie schwierig und zäh diese Arbeit mitunter sein kann“, sagt Ebert-el-Mawla und weist in diesem Zuge beispielhaft auf den immer noch fehlenden Radweg zwischen Hohenberg und Ellwangen entlang der L1060 hin. Seit über 25 Jahren wird um den Bau dieses Weges gerungen. Verzagen, aufgeben, meckern? „Das hilft ja nicht weiter“, gibt sich die 58-Jährige pragmatisch. Am Ende müsse man bei solchen Projekten hartnäckig sein und vor allem bleiben, um ans Ziel zu kommen.

Dass sie von ihren Rosenberger Gemeinderatskollegen nicht in den Bauausschuss, sondern in den Kindergartenausschuss gewählt wurde, kommentiert Ebert-el-Mawla im Gespräch mit unserer Zeitung mit einem breiten Lächeln. „So was muss man mit Humor nehmen“, sagt sie. Letztlich gehe es immer um das große Ganze, das Wohl der Gemeinde, das hätten sie und ihre Kollegen gemeinsam im Blick. Wer in welchem Ausschuss sitzt, sei nicht entscheidend, findet Ebert-el-Mawla, die sich parteipolitisch in keine Schublade stecken lassen möchte. Sie stehe den Grünen nahe, auch wenn ihr die Partei mittlerweile oft „zu angepasst“ ist.

Keine Lust auf Flächenfraß

Ein grünes Thema ist es auch, das Judith Ebert-el-Mawla 2019 womöglich zum Rückzug aus dem Gemeinderat bewegen könnte. Die Ausweisung weiterer Baugebiete steht in Rosenberg auf der Agenda; ihre Kollegen aus dem Gemeinderat und die Verwaltung machen sich dafür stark. Es geht um nichts weniger als die weitere Entwicklung der Gemeinde, junge Familien sollen in der Gemeinde gehalten werden. „Ich verstehe diesen Wunsch nach mehr Bauland. Natürlich, das ist doch klar. Ich habe ja selbst drei Töchter, die vielleicht mal bauen wollen. Trotzdem behagt mir dieses Thema überhaupt nicht“, räumt Ebert-el-Mawla freimütig ein. Den Flächenfraß im Land, die Betonflut, hält sie für eines der drängendsten Umweltprobleme im Land. Und dann selbst dafür stimmen? Ebert-el-Mawla tut sich damit schwer. Man muss sich treu bleiben, sagt sie.

Ob sie 2019 nochmals bei den Kommunalwahlen antreten wird, lässt sie deshalb derzeit auch noch offen. Auch wenn sie immer noch Lust am Mitgestalten hat. „Es ist einfach eine schöne Aufgabe, die sich jeder, egal ob Mann oder Frau, zutrauen sollte. Man ist ja auch nicht alleine im Gemeinderat. Man erhält Unterstützung“, sagt sie und außerdem tue dieses Ehrenamt auch „garantiert nicht weh“.

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