Wenn die Kirche zur Kneipe wird

Lesedauer: 3 Min
 Zahlreiche Besuchern sind zur Kirchenkneipe in die Michaelskirche nach Goldburghausen gekommen. Am Ende stand fest: Es war ein
Zahlreiche Besuchern sind zur Kirchenkneipe in die Michaelskirche nach Goldburghausen gekommen. Am Ende stand fest: Es war ein gelungenes Experiment. (Foto: Blankenhorn)
Jürgen Blankenhorn

Wer am Mittwochabend die Michaelskirche Goldburghausen betreten hat, staunte nicht schlecht: ein Pfarrer, der Getränke ausschenkt, auf dem Altar werden Häppchen serviert, in Hintergrund macht eine Band Musik, spielende Kinder, Menschen unterhalten sich. Geselligkeit, gemeinsam essen, trinken und singen, spielen oder einfach nur reden und Zeit miteinander verbringen. Das sind die Grundbedürfnisse des Menschen – aber teilweise auch Grundaufgaben einer Pfarrei. Was liegt also näher, als eine Kirche einen Ort der Begegnung zu nutzen?, dachten sich die Kirchengemeinderäte der Gesamtkirchengemeinde Ries und beschlossen, die Michaelskirche Goldburghausen kurzzeitig als Kirchenkneipe zu nutzen.

Ein gelungenes und mutiges Experiment, das aufgrund des Erfolgs sicher nicht nur ein Experiment bleiben wird. „Bisher hatten wir die Nacht der Kirchen, in der wir innerhalb der Gesamtkirchengemeinde von Kirche zu Kirche gezogen sind, mit dem Ergebnis, dass es von Kirche zu Kirche immer weniger wurden. Als wir uns bei der Klausurtagung mit dem Thema Diakonie auseinandergesetzt haben, kamen wir schnell auf die Idee einer Kirchenkneipe, die in anderen Orten schon erfolgreich umgesetzt wurde“, sagte Pfarrer Michael Lichtenstein. Dass es dennoch Bedenken gab und wie diese ausgeräumt wurden, erklärte Pfarrer Gießler. „Das Wort Pfarrer stammt vom Wort Parocus ab, die Pfarrei von Parochie. Im mittellateinischen bedeutet Parocus aber auch Wirt und die Parochie ist der Bereich, den ein Wirt in Rom abdeckte. So gesehen ist ein Pfarrer also ein Wirt und in der Pfarrei leben seine Stammgäste.“

Nach anfänglicher Unsicherheit genossen die zahlreichen Besucher quer durch alle Altersklassen die besondere Atmosphäre einer Kirche. Dazu trugen auch die drei Damen von „Vielsaitig“ bei, die den Abend mit Klassikern und Ohrwürmern der Rock- und Popgeschichte musikalisch umrahmten. Ein „Kneipenquiz“ das in Gruppen gelöst werden musste lockerte die Stimmung ebenso auf und outete Michael Lichtensteins als „Trecki“ (Star-Treck-Fan) und als fundierter Kenner der Bier- und Weinwelt. Dank gemeinsam gesungener Lieder wie „Über den Wolken“ oder „Hymn“ kam sogar so etwas wie Lagerfeuerromatik auf.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen