Eine Arche Noah für die Fluss-Seeschwalbe

Lesedauer: 5 Min
Seeschwalbenfloß im Vorbecken des Bucher Stausees
Am Donnerstag wurde ein neues Seeschwalbenfloß im Vorbecken des Bucher Stausees zu Wasser gelassen.
Martin Bauch
Freier Mitarbeiter

Rainau-Buch - Am Donnerstag hat man es feierlich zu Wasser gelassen. das neue Inselfloß für die Fluss-Seeschwalbe im Bucher Vorbecken. Rund 10 000 Euro hat die neue künstliche Vogelinsel gekostet. Die Gelder stammen aus der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg. Ziel der Aktion ist es, die seltene Vogelart am Bucher Stausee dauerhaft anzusiedeln.

Es wäre ein kleines Projekt mit großer Wirkung – wenn die kleine Fluss-Seeschwalbe die neue Nist- und Brutmöglichkeit am Bucher Stausee tatsächlich annimmt.

Das wünschen sich vor allem das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Landschaftserhaltungsverband Ostalbkreis. In einer Kooperation haben die zwei Verbände und das RP beschlossen, dieses besondere Projekt gemeinsam umzusetzen.

Das sogenannte neue Seeschwalbenfloß soll die Ansiedlung von Fluss-Seeschwalben am Bucher Stausee, genauer in seinem Vorbecken, fördern. Die Idee der schwimmenden Nistmöglichkeit stammt vom Nabu.

Ein Zaun soll Füchse und Wildgänse abhalten

Schreinermeister Martin Hertlein von der Möbelwerkstatt im Josefstal bei Ellwangen hat das etwa zehn Quadratmeter große Floß im Auftrag der Kooperationspartner gebaut. Es besteht aus einem Schwimmkörper, eingefasst von Eichenholzbalken. Eine niedrige Umzäunung mit Maschendraht soll verhindern, dass Räuber wie der Fuchs eindringen oder Enten und Gänse die Plattform in Beschlag nehmen.

Finanziert wurde das Projekt mit Geldern aus der Stiftung Naturschutzfonds in Baden-Württemberg, in den regelmäßig sogenannte Ersatzgelder fließen, etwa aus dem Bereich der Wirtschaft. „Sehr viele Ersatzgelder der Stiftung stammen zum Beispiel von Windkraftinvestoren. Das RP schaut dann nach entsprechenden ökologischen Ersatzmaßnahmen, die mit diesen Geldern finanziert werden können“, erklärt Ulrike Möck, leitende Regierungsdirektorin, Referat Naturschutz und Landschaftspflege beim RP Stuttgart. Mit insgesamt 10 000 Euro gehöre das schwimmende Inselfloß im Vorbecken des Bucher Stausees zu einer der „kleineren und günstigen Maßnahmen“ in Sachen Natur- und Artenschutz.

„Das Projekt ist aber sehr wertvoll für die Arterhaltung“, betont Peter Wolf vom NABU. Die Fluss-Seeschwalbe brütet im Binnenland, zum Beispiel auf Kiesinseln oder an geschützten Ufern von Seen. Da beides im Naturschutzgebiet „Vorbecken Buch“ nicht ausreichend vorhanden ist, wird jetzt das Seeschwalbenfloß erprobt. Die Hoffnung, die dahinter steckt ist, dass sich die Seeschwalbe am Bucher Stausee ansiedelt.

Das kleine Inselfloß wurde am Donnerstag übrigens auf den Namen „Arche Noah“ getauft und anschließend per Tretboot zu seinem künftigen Ankerplatz vor der Vogelbrutinsel gezogen und dort mittels vier je 50 Kilogramm schwerer Betonanker verankert. Ralf Worm vom Landschaftserhaltungsverband Ostalbkreis sieht im Seeschwalbenfloss eine tolle Möglichkeit seltenen Vogelarten eine neue Heimat zu bieten. „Trotz seiner ungewöhnlichen, aber doch ästhetischen Bauform steckt eine ganze Menge Hirnschmalz und schwäbischer Erfinderreichtum in diesem Floß“, unterstreicht Worm. Insgesamt wiegt das Floß an die 1000 Kilogramm. Innerhalb der Umzäunung bietet eine vier bis fünf Zentimeter dicke Kiesschicht ideale Brutbedingungen für die Fluss-Seeschwalbe. Wer möchte, kann die künstliche Vogelinsel und hoffentlich auch bald viele brütende Fluss-Seeschwalben von einer Beobachtungsplattform am Ufer des Vorbeckens aus hervorragend beobachten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen