Das erste Kochbuch war lateinisch verfasst

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Einblicke in römische Tischsitten und Essgewohnheiten vermittelte im Glutofen des Limestorwürfels der Münchner Professor und Phi (Foto: Volckart)

Wenn jemand zum gemeinsam gesungenen „Dianae semus in fide“ animiert und hernach über ientaculum, cena und vesperna referiert, dann kann es sich nur um einen klassischen Altphilologen handeln, dessen Interesse der „culina romana“ gehört. Der Münchner Professor Wilfried Stroh ließ es sich auf eine Landratsamtseinladung nicht nehmen, im Glutofen des Rainauer Glaswürfels über Tischsitten und Essgewohnheiten der ehemaligen Besatzer kurzweilig und auch mit großer Theatralik zu erzählen. Dass er dazu einen modernen Anzug (mit dem Konterfei Ciceros) und keine Tunika trug, das störte die fast 40 Besucher wenig. Eher schon, dass pünktlich um 19.30 Uhr programmiert auch noch die Lüftungsklappen geschlossen und somit auch der kleinste erfrischende Lufthauch unterbunden wurde.

Wie ein Imperator stand Stroh unter dem fiktiven Torbogen des Kaisers, zitierte Horaz und Seneca, konnte aber freilich weder eine Tischkapelle noch eine Sängerin präsentieren, wie das die wohlhabenden Römer gern ihren Tischgästen präsentierten. Doch gemeinsames Singen trägt nicht nur zum Gemeinschaftsgeist, sondern auch noch zu besonders guter Laune bei. Da störte es auch wenig, wenn Stroh preisgab, dass zunächst lediglich stark verdünnter Wein zum „prandium“ gereicht, dafür die „Cena“ ausgedehnt wird und die „vesperna“ ganz entfiel – ein Einfluss griechischer Sitten. Getreidebrei, Eier, Käse und Honig, weniger Fleisch oder Fisch und als Nachspeise Obst und Meeresfrüchte, damit labte sich der kultivierte Römer in bequemer Kleidung auf einem besonderen Sofa, dem „lectus triclinaris“ liegend, während die Damen des Hauses mit Stühlen vorlieb nehmen mussten.

Auch die Gäste des Professors durften der Theorie die Praxis folgen lassen und zeigten sich angetan. Sie werden aber wohl kaum künftig auf ihre modernen Essgewohnheiten und die Segnungen der Technik, zum Beispiel einen Kühlschrank, verzichten wollen.

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