Wie Oberkochen vom Dorf zur Industrie-Metropole wurde

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Vor 50 Jahren ist Oberkochen zur Stadt erhoben worden.
Vor 50 Jahren ist Oberkochen zur Stadt erhoben worden. (Foto: Thomas Siedler)
Schwäbische Zeitung
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

Vor genau 50 Jahren ist Oberkochen zur Stadt erhoben worden. Dies wird am 9. Juni um 19 Uhr im Mühlensaal gefeiert mit einem „Abend von Oberkochenern für Oberkochener“. Außerdem wird das neue Oberkochener Heimatbuch vorgestellt und übergeben.

Dass die Gemeinde Oberkochen den Titel Stadt führen darf, beschloss die Landesregierung am 26. März 1968. Offiziell feierte das die Kommune aber erst im Juni 1968, denn zu diesem Zeitpunkt waren das Hotel am Rathaus, der Platz davor und die Treppe zur Lenzhalde fertiggestellt. Prominenter Gast der jungen Stadt war beim Festakt der damalige Innenminister des Landes, Walter Krause.

Eine erste starke Wachstumsphase hatte Oberkochen nach dem Ersten Weltkrieg erlebt, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg intensiv fortsetzte. 10 000 Einwohner hätte die Gemeinde eigentlich haben müssen, um zur Stadt erhoben werden zu können. Oberkochen hatte damals lediglich 8600 Einwohner, war aber 1962 die Kommune in Baden-Württemberg, die am stärksten wuchs. Im März 1967 wurde das neue Rathaus am Eugen-Bolz-Platz eingeweiht, neue Gemeindezentren der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde waren entstanden und der Kulturring Carl Zeiss war glanzvoll eröffnet worden. Man ging von einem weiteren Bevölkerungswachstum aus, was sich aber als irrige Annahme erweisen sollte.

Bürgermeister Boschals prägende Persönlickeit

Entscheidend geprägt wurde Oberkochen dabei von Gustav Bosch, der von 1948 bis 1978 Bürgermeister war. Zuvor hatte dieses Amt Rudolf Eber inne, er war 1946 vom Gemeinderat eingesetzt worden. Bosch wurde bei seinem Ausscheiden aus dem Amt zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.

„Beste Perspektiven für Oberkochen“

Ein markantes Ereignis in der Geschichte Oberkochens nennt der amtierende Bürgermeister Peter Traub die Stadterhebung vor 50 Jahren. Der Übergang vom Dorf zur Stadt habe Oberkochen einen besonderen Stellenwert in der Region gegeben. Die Erhebung zur Stadt habe aber auch der Bedeutung Oberkochens als wichtiger Unternehmens- und Wirtschaftsstandort entsprochen.

In den beiden Jahrzehnten nach dem Krieg, blickt Traub zurück, habe sich vor allem die Bevölkerungszahl rasant entwickelt. Sie habe sich zwischen 1945 und 1965, also innerhalb von nur 20 Jahren, mehr als vervierfacht. Noch Mitte der 1960er-Jahre sei man davon ausgegangen, dass Oberkochen zwei Jahrzehnte später über 16 000 Einwohner haben werde. Traub: „Die Stadterhebung erfolgte quasi im Vorgriff und im Glauben an ein stetes Wachstum.“

Allerdings haben sich diese Prognosen niemals erfüllt. Bereits ab 1970 stagnierten die Bevölkerungszahlen und waren sogar rückläufig. Traub: „Daran konnte letztendlich auch die Stadterhebung nichts ändern.“

Aber trotz aller topographischen und räumlichen Einschränkungen habe sich Oberkochen in den vergangenen Jahrzehnten positiv entwickelt. Die Stadt biete dank ihrer modernen Unternehmen viele interessante und qualifizierte Arbeitsplätze. Sie verfüge darüber hinaus über eine umfangreiche Infrastruktur wie etwa das umfassende schulische Angebot samt einer hervorragenden Kinderbetreuung. Das seien tolle Voraussetzungen zum Leben und Arbeiten, vor allem für Familien. Traub: „Oberkochen ist eine attraktive familien- und kinderfreundliche Stadt und wird dies auch in Zukunft bleiben. Damit hat sie für die Zukunft beste Perspektiven!“

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