Was die Saiten hergeben

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 Die jungen Musiker des Feuerbach Quartetts begeisterten das Publikum mit ihrem mitreißendem Enthusiasmus.
Die jungen Musiker des Feuerbach Quartetts begeisterten das Publikum mit ihrem mitreißendem Enthusiasmus. (Foto: Dorothea Halbig)
Dorothea Halbig

Im Rathaus Oberkochen haben am Montagabend vier junge Musiker im Rahmen von Oberkochen dell’Arte den Saal verzaubert. Das Feuerbach Quartett gab sich die Ehre.

Moderne Streichensembles haben es derzeit nicht leicht, meinte Kulturbeauftragter und Leiter der Volkshochschule, Thomas Ringhofer. Davon spürte man an diesem Abend allerdings rein gar nichts. Die vier Musiker starteten langsam mit einem stimmungsvollen Auftakt in den Abend, doch noch bevor das Publikum das erste Mal seine Begeisterung ausdrücken konnte, legte das Quartett erst so richtig los.

Mit modernen Rock- und Pop-Klassikern wie Michael Jacksons „Beat it“, Queens „Don’t Stop me Now“ oder Ed Sheerans „Shape of You“ bewegten sich die vier Vollblutmusiker im Stil der Zeit. Auch der, wegen eines Urheberrechtsstreits kürzlich erst in den Medien diskutierte All-Time-Favourite „Bitter Sweet Symphony“ von der Britpop Band The Verve war mit im Repertoire und hatte durch die Streicher im Original einen hohen Wiedererkennungswert.

Taktgespür und Leidenschaft

Die Spannung des Quartetts vor jedem neuen Stück war spürbar. Tief schauten sich die Musiker gegenseitig in die Augen, verknüpften so ihr Taktgespür und sprühten vor Leidenschaft. Auch für Gesangseinlagen waren sich die humorvollen Musiker nicht zu schade. Und improvisiert wurde, egal ob slappend, quietschend oder trommelnd, genutzt wurde, was das Streichinstrument oder das Fisherprice-Klavier hergibt.

Dass man ein Cello auch einfach wie eine Gitarre spielen kann zeigte Lukas Kroczek nach der kurzen Pause mit dem „Hurdy Gurdy Man“ von Donovan.

Auch einen kurzen Einblick auf das im Herbst erscheinende Programm gönnte das Quartett dem Publikum. Das Lied „Engel“ von Rammstein erstrahlte in einer ganz neuen Interpretation – viel weniger düster als das Original. Auch romantisch wurde es in Oberkochen noch. Bei „More Than Words“ und „Hey Jude“ knisterte es elektrisierend zwischen Max Eisinger und Jamila Musayeva. Sogar so sehr, dass Kroczek am Cello die Augen verdrehte und kurzerhand den Hochzeitsmarsch anspielte.

Das aktuelle Programm „Bombax“, mit dem die Vier schon bald ein Jahr unterwegs sind und das bald von einem neuen Programm abgelöst wird, soll eine Hommage an all die kleinen und auch größeren Fauxpas sein, die in der Laufbahn einer Band nun mal passieren.

Der Name des Programms kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Potztausend“. Max Eisinger, zweiter Violinist und Hofnarr des Kammerquartetts, erklärte lachend, das Album sei eine Weise, mit diesen peinlichen Momenten umzugehen. Daraufhin berichtete Violinist gleich von seinem schlimmsten Trauma, bei der eine gerissene Hose zu einem Blitzer führte, der seine Karriere bei einer Horde Schülerinnen einer Mädchenschule beflügelte.

Beim Studium kennengelernt

Kennengelernt haben sich die vier Musiker während ihres Studiums an der Hochschule in Nürnberg. Jamila Musayeva an der ersten Geige, Max Eisinger an der zweiten Geige, Eugen Hubert an der Bratsche und Lukas Kroczek am Cello sind mittlerweile selbst alle Dozenten an Musikakademien in Bayern und Baden-Württemberg.

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