Schnellradweg von Aalen nach Heidenheim: Oberkochener sind nicht begeistert

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 Eine Entlastung für Straße und Schiene könnte ein Radschnellweg zwischen Aalen und Heidenheim sein.
Eine Entlastung für Straße und Schiene könnte ein Radschnellweg zwischen Aalen und Heidenheim sein. (Foto: dpa)
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

So gut wie jetzt ist die Verkehrsinfrastruktur in Ostwürttemberg noch nie gewesen. „Aber es reicht halt nicht aus“. Auf diesen Nenner hat der Landtagsabgeordnete Winfried Mack seinen Vortrag bei der Oberkochener CDU gebracht. Für den Radschnellweg zwischen Heidenheim und Aalen, den der Heidenheimer OB Bernhard Ilg ins Gespräch gebracht hatte, hielt sich die Begeisterung der Oberkochener sehr in Grenzen. Sie signalisierten dem Politiker jedoch, dass sie durchaus Bedarf für einen Radweg für Berufstätige sähen.

Bei den Bevölkerungszuwächsen im Land sei die Region gut dabei, sagte Mack, und beim Ausbau des Straßennetzes gehe es voran, verwies der Parlamentarier vor allem auf die Bundesstraße 29. Man müsse jedoch auch die Schiene stärken, denn die Fahrgastzahlen würden weiter steigen.

Die Region müsse nicht nur alles tun, damit die Remsbahn und die Obere Jagstbahn ausgebaut würden, sondern sich auch um die Brenzbahn kümmern. Denn hier stoße man an Kapazitätsgrenzen, gebe es doch zwischen Ulm und Aalen entlang der Strecke rund 200 000 Arbeitsplätze, also nicht viel weniger als in Stuttgart. Mack: „Die Welt hört nicht in Schwäbisch Gmünd auf!“

Schiene muss ausgebaut werden

Da auf der Bundesstraße 19 nennenswerte Verbesserungen nicht möglich seien, müsse man die Schiene ausbauen, die momentan auch schon an der Kapazitätsgrenze sei. Nötig wäre daher teilweise ein zweites Gleis, auch die Elektrifizierung wäre nicht schlecht, unterstrich Mack.

Ulm plane den Bau einer S-Bahn, die mit einem Arm bisher bis nach Sontheim oder Heidenheim reichen würde. Daher müsse die Region aktiv werden und einen Ausbau bis Aalen forcieren, forderte der Redner. „Die Ulmer wären offen dafür, aber wir müssen es wollen. Von alleine kommt es nicht.“ Mit einer Realisierung rechnet der Abgeordnete bis in zehn oder 15 Jahren und klar sei, dass auch die Anliegerkommunen ihren finanziellen Beitrag leisten müssten. Bestehen bleiben soll auf der Brenzbahn das Angebot mit schnellen Zügen, die nicht an jedem Bahnhof halten wie die S-Bahn.

Eine Entlastung sowohl für die Straße als auch für die Schiene könnte nach Macks Ansicht ein Radschnellweg zwischen Aalen und Heidenheim sein. Dabei handelt es sich um eine Art Autobahn für die Radfahrer, die vier Meter breit ist und kreuzungsfrei gebaut wird. Voraussetzung ist, dass dort 2000 Radfahrer am Tag unterwegs sind, vorwiegend Berufspendler. Er habe die Zusage des Verkehrsministers, sagte der Abgeordnete, dass das Land eine Machbarkeitsstudie fördern würde.

Gute Infrastruktur ist das A und O

Er schlug vor, dass man in den Gemeindeparlamenten darüber diskutieren solle, denn eine nicht ausreichende Verkehrsinfrastruktur dürfe nicht zur Wachstumsbremse werden. Mack: „Dann hätten wir mit Zitronen gehandelt!“ Und auch wenn die Konjunktur einmal schwächeln sollte, brauche man eine gute Infrastruktur. Die Pendlerströme nähmen dann erfahrungsgemäß eher zu.

In der vom Stadtverbandsvorsitzenden Martin Balle geleiteten Diskussion sicherte Mack zu, er werde Bedenken nachgehen, ein Ausbau der Brenzbahn könnte zur Folge haben, dass sie vermehrt Güterzüge in Richtung Italien aufnehmen müsste und dass somit die Lärmbelastung steigen würde. Dies könne er sich jedoch nicht vorstellen, wandte der Abgeordnete ein, denn die Rheinschiene sei die Hauptstrecke und zu deren vierspurigem Ausbau habe sich Deutschland verpflichtet.

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