Neue Töne bei den Jazz Lights

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Die Stadt Oberkochen und die Firma Leitz werden in Sachen Jazz Lights in Zukunft nicht mehr ins selbe Horn blasen. Unser Bild ze
Die Stadt Oberkochen und die Firma Leitz werden in Sachen Jazz Lights in Zukunft nicht mehr ins selbe Horn blasen. Unser Bild zeigt den Berliner Trompeter Til Brönner bei seinem Auftritt 2016. (Foto: Peter Schlipf)

Unter www.jazzlights.de taucht lediglich ein Banner „Under Construction“ auf. Das internationale Jazzfestival Jazz Lights in Oberkochen scheint eine Baustelle. Die Firma Leitz, von Anfang an in Person des verstorbenen Geschäftsführers Dieter Brucklacher treibende Kraft des Festivals, will in Zukunft im Alleingang neue Akzente setzen – ohne den bisherigen Mitveranstalter, der Stadt Oberkochen. Eine Vertrauenskrise im Nachgang der Diskussion um die Ansiedlung des koreanischen Werkzeugherstellers YG-1?

Jürgen Köppel: „Bewusst erst nach dem Wahlkampf“

Es sieht ganz danach aus. Jürgen Köppel, Leitz-CEO und Sprecher der Geschäftsführung, schreibt in einer Pressemitteilung: „Wir positionieren uns deshalb unmissverständlich, aber bewusst erst jetzt, weil wir durch unsere Entscheidung den Bürgermeisterwahlkampf (Bürgermeister Peter Traub wurde am vergangenen Sonntag mit 71,4 Prozent der Stimmen wiedergewählt, Anm. d. Red.) nicht beeinflussen wollten und auch die Zusammenarbeit in der Vergangenheit geschätzt haben.“ Jetzt nicht mehr?

Alle Zeichen deuten darauf hin. Bürgermeister Peter Traub, selbst ehemaliger Trompeter und noch immer Jazzfan, will nicht viel drüber reden: „Am liebsten würde ich das gar nicht kommentieren. Klar, ich bedauere die Entscheidung, aber ich finde das Verhalten allmählich skurril. Der Gemeinderat hat in Sachen YG-1 eine Entscheidung im Sinne der Bürger der Stadt Oberkochen getroffen. Unternehmen müssen irgendwann auch einmal demokratische Entscheidungen akzeptieren.“

Die Wurzeln des Festivals gehen bis ins Jahr 1988 zurück, als das erste Konzert unter dem Titel „Jazz im Rathaus“ präsentiert wurde. Das brachte Bürgermeister Harald Gentsch, Zeiss-Manager Horst Skoludek und Leitz-Chef Dieter Brucklacher zum Nachdenken, „was man für Oberkochen tun kann“. Die Jazz Lights als gemeinschaftliche Veranstaltung von Industrie und Stadtverwaltung waren geboren. „Nach 27 Festivaljahren hat sich Leitz entschlossen, neue Akzente zu setzen und eigene Wege zu gehen“, heißt es in der Pressemitteilung, in der Cornelia Brucklacher, Tochter des Initiators Dieter Brucklacher, zitiert wird mit den Worten: „Die Jazz Lights sind mir eine Herzensangelegenheit, sie sind Teil des Vermächtnisses meines Vaters (...). Als Familienunternehmen wollen wir dadurch die Verbundenheit des Unternehmens Leitz zu seinem Stammsitz und der Firmenzentrale in Oberkochen unterstreichen.“

Ab dem Frühjahr 2019 mit einem neuen Format

Wie die neuen Wege genau aussehen werden, das ist allerdings noch offen, „darüber will man sich bei Leitz in den kommenden Jahren in aller Ruhe Gedanken machen, um dann im Frühjahr 2019 mit einem neuen Veranstaltungsformat an die Öffentlichkeit zu gehen“, schreibt die Firma. Die Jazz Lights werde es selbstverständlich auch 2018 geben, wieder im März und nun mit dem Alleinveranstalter Leitz. Der Vorverkauf soll schon im Januar beginnen. Bis dahin sollte die Baustelle Jazz Lights soweit beseitigt sein.

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