Droht der Albvereinshütte auf dem Volkmarsberg das Aus?

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 Die Volkmarsberghütte bei Oberkochen ist ein beliebtes Ziel von Wanderern und lädt dazu ein, zu rasten und sich zu stärken.
Die Volkmarsberghütte bei Oberkochen ist ein beliebtes Ziel von Wanderern und lädt dazu ein, zu rasten und sich zu stärken. (Foto: Fotos: Viktor Turad)
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

Bekommen hungrige und durstige Wanderer in der Albvereinshütte auf dem Volkmarsberg bald keine Kleinigkeit mehr zu essen, ein Bier oder ein Viertele? Auszuschließen ist das nicht, wenn der dafür zuständige Bewirtschaftungsverein nicht doch noch einen Verantwortlichen benennt, der auch bereit ist, dem Landratsamt zu belegen, dass er vertrauenswürdig ist.

Was da gefordert werde, greife in seinen persönlichen Bereich ein, sagt der bisherige Vorsitzende Andreas Ludwig. Deshalb hat er sein Amt niedergelegt. Die Sprecherin des Landratsamtes, Susanne Dietterle, betont, man strebe nach wie vor eine gütliche Einigung an und denke bislang nicht daran, der Volkmarsbergütte die Schankerlaubnis zu entziehen.

Andreas Ludwig jedenfalls will die Auflagen des Landratsamtes nicht erfüllen und beispielsweise die geforderte Auskunft aus dem Schuldnerverzeichnis des Vollstreckungsgerichts Karlsruhe oder ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Zwar habe er nichts zu verbergen, aber diese Auskünfte beträfen seinen privaten Bereich, und da wolle er nichts offen legen. „Ob ich Schulden habe, ist meine Privatsache. Das hat nichts der Bewirtschaftung der Hütte zu tun. Ich ziehe ja hier kein Geld heraus“, zeigt er auf das schmucke Heim auf dem Volkmarsberg, das gerade in diesen schönen Spätsommertagen ein beliebtes Ziel von Wanderern ist.

„Bei uns gilt die Unschuldsvermutung“

Und fügt verärgert hinzu: „Ich muss hier meine Unschuld beweisen. Dabei gilt bei uns doch die Unschuldsvermutung!“ Er mutmaßt, dass es auch darum gehe, jemanden haftbar machen zu können, falls irgend etwas schief laufen sollte.

Ludwig ist seit sechs Jahren Vorsitzender des Bewirtschaftungsvereins, der mit dem ausschließlichen Zweck gegründet worden ist, die Albvereinshütte zu bewirtschaften. Weil man beim Landratsamt auf die elektronische Akte umgestellt hat, ist man dort darauf gestoßen, dass ein Vorsitzender registriert ist, der schon seit Jahrzehnten nicht mehr im Amt ist. Zwar hat der Verein, wie Ludwig versichert, jeden Wechsel im Vorsitz vorschriftsmäßig beim Amtsgericht angezeigt. Nicht jedoch beim Landratsamt. Ludwig räumt freimütig ein: „Mir war nicht bewusst, dass dies dort auch hätte geschehen müssen.“ Um sich gleichzeitig über die fehlende Kommunikation zwischen Amtsgericht und Landratsamt zu wundern.

Für dieses ist der Wechsel relevant, weil für die Hütte auf dem Volkmarsberg eine Schankerlaubnis gilt, damit dort Essen verkauft und alkoholische Getränke wie Bier und Wein ausgeschenkt werden dürfen. In solch einem Fall, so will es der Gesetzgeber, muss ein Verantwortlicher benannt werden.

Der Auszug aus dem Schuldnerverzeichnis bedeute keine Auskunft darüber, ob und wie viele Schulden jemand habe, hält Susanne Dietterle dagegen. Das Verzeichnis umfasse lediglich Personen, deren Vermögen offensichtlich nicht ausreiche, die Forderungen des vollstreckenden Gläubigers vollständig zu befriedigen oder die ihrer Pflicht zur Abgabe einer Vermögensauskunft nicht nachgekommen seien. Eintragen lassen könnten dies nur Gerichtsvollzieher oder andere zuständige Stellen wie das Finanzamt oder das Insolvenzgericht.

Die Schankerlaubnis unterscheide aber nicht, ob der Ausschank aus einem wirtschaftlichen Interesse heraus erfolge wie in der Gastronomie oder ob es sich um ehrenamtliches Engagement handele wie im Fall der Hütte auf dem Volkmarsberg, ärgert sich Ludwig. „Wir machen hier alles ehrenamtlich, der Erlös fließt in den Erhalt der Hütte.“ Diese Unterscheidung sehe der Gesetzgeber in der Tat nicht vor. Daran seien Behörden gebunden und hätten keinen Ermessensspielraum, bestätigt Dietterle.

Ludwig verweist auf die Besenwirtschaften, die eine solche Schankerlaubnis nicht brauchen. Dabei werde dort Wein ausgeschenkt und es werde selbst gekochtes Essen auf den Tisch gebracht. Auf dem Volkmarsberg dagegen gebe es nur Fertiggerichte, also heiß gemachte Würstchen, Maultaschen oder Suppen beispielsweise. Für Straußenwirtschaften gebe es abweichende Regelungen, stimmt Dietterle zu, aber auch hier habe das Landratsamt keinen Ermessensspielraum und könne diese Regelung daher nicht auf die Hütte auf dem Volkmarsberg anwenden.

Lndratsamt möchte gütliche Einigung erzielen

Es könne doch nicht im Interesse des Landratsamtes sein, die Volkmarsberghütte zu schließen. Dort gebe es keine Missstände, die zu beseitigen wären, und wenn es Missstände gäbe, wäre es das größte Interesse des Albvereins und des Bewirtschaftungsvereins, diese umgehend abzustellen.

Susanne Dietterle dazu: „Das Landratsamt ist nach wie vor bestrebt, in der Angelegenheit eine gütliche Einigung zu erzielen, und steht dem Verein für ein Gespräch jederzeit zur Verfügung. Allerdings sind wir als Behörde gehalten, die Gesetze, die in Berlin und in Stuttgart gemacht werden, auch umzusetzen und dem Willen des Gesetzgebers zu entsprechen. Vor Schließung einer Gaststätte gibt es auch mildere Verwaltungsmittel, die angewandt werden können. Das Landratsamt betont, dass es sich im vorliegenden Fall jedoch um einen Einzelfall handelt. Alle anderen Vereine in einer ähnlichen Konstellation haben eine verantwortliche Person benannt und dafür alle Unterlagen beigebracht .“ Ob der Bewirtschaftungsverein Volkmarsberghütte das doch noch tun wird, ist offen. Am Donnerstagabend hat der Vorstand jedenfalls in einem Krisentreffen die Lage nach dem Rücktritt Ludwigs beraten.

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