Digitalisierung ist Wachstumstreiber für Zeiss

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„Carl Zeiss war der Steve Jobs seiner Zeit“, sagte Zeiss-Vorstandsmitglied Matthias Metz bei dem Wirtschaftsgespräch in Oberkoch
„Carl Zeiss war der Steve Jobs seiner Zeit“, sagte Zeiss-Vorstandsmitglied Matthias Metz bei dem Wirtschaftsgespräch in Oberkochen. (Foto: Thomas Siedler)
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

Die Digitalisierung ist die große Chance als Wachstumstreiber. Aber ob ein Unternehmen mit ihr Erfolg hat, entscheidet der Kunde. Ihm nämlich muss die Digitalisierung ein überragendes Nutzererlebnis bringen. Das gelingt aber nur, wenn die Firmen aus der Sicht ihrer Kunden agieren. So hat Matthias Metz die Strategie der Zeiss AG beim Wirtschaftsgespräch umschrieben, zu dem Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwürttemberg, Handwerkskammer Ulm und die beiden Landkreise Ostalb und Heidenheim ins Zeiss-Forum eingeladen hatten. Metz ist Vorstandsmitglied des Optik- und Elektronikkonzerns.

Seit seiner Gründung vor 170 Jahren habe das Unternehmen den Anspruch, führend in der Forschung zu sein, auf Präzision und Qualität zu setzen und gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, sagte der Redner. Es habe aber auch seit jeher tiefes Verständnis für die Anforderungen seiner Kunden und strebe nach Lösungen, die ihnen einen Mehrwert sichern. Daher binde es Talente und Experten an sich, die keine Grenzen akzeptieren, sondern Neues ausprobieren. Metz: „Carl Zeiss war der Steve Jobs seiner Zeit!“

Vornehmster Zweck der Zeiss-Stiftung, der Eigentümerin der Zeiss AG und der Schott Glaswerke, sei die Förderung der Wissenschaft und des Fortschritts auf vielen Feldern. Ohne die Optiksysteme von Zeiss, die es erlauben, kleinste Strukturen zu erforschen, gäbe es keine Mikrochips und keine Digitalisierung, unterstrich der Redner.

Die Technik des Unternehmens finde sich bei Brillen und Ferngläsern ebenso wie in der Energieversorgung. In der Medizin eröffne sie neue Möglichkeiten etwa beim Operieren, ohne sie gäbe es keine Roboter mit künstlicher Intelligenz und kein autonomes Fahren.

Die Digitalisierung sei längst im Alltag der Kunden angekommen, erläuterte Metz. So gebe es inzwischen klare Brillengläser, die vor den schädlichen UV-Strahlen schützen. Ein Avatar, also eine dreidimensionale Darstellung des Kopfs des Kunden, erlaube die Erstellung einer virtuellen und individuellen Brillenfassung. Am Ende habe der Kunde genau die Brille, die zu ihm passt und wisse genau, wie er damit aussieht. „Die Brücke zur digitalen Welt schlägt Zeiss“, sagte Metz.

Zu den vier Leitplanken, an denen sich das Unternehmen orientiere, zählen Metz zufolge außer dem Kunden und dessen Mehrwert sowie der Digitalisierung als absoluter Chefsache die Wettbewerbsfähigkeit, weil man Trends nicht nur sehen, sondern auch setzen und umsetzen wolle. Dabei gehe es um Schnelligkeit und darum, Größe aufzubauen. Metz: „Google ist so groß geworden, weil es schneller war als andere.“

Wichtig sei schließlich die Arbeit im Team und eine klare Verteilung der Verantwortlichkeiten. Zeiss habe sich voll auf die Anwendung konzentriert, denn sonst nütze die tollste Technik nichts. Dabei sei man stets offen für die Zusammenarbeit mit Partnern., um Prozesse weiterzuentwickeln. Das Unternehmen, schloss Metz, gehe den Wandel aktiv und in allen Dimensionen an. Das sei jedoch kein Selbstzweck. Im Mittelpunkt stehe immer der Kunde.

Silicon Valley gäbe es nicht ohne Kocher Valley, ohne die Innovationskraft und die Spitzentechnologie von Zeiss. Dies betonte IHK-Präsident Markus Maier in seiner Begrüßung. „Hier ist der Nukleus der weltweiten Digitalisierung und Miniaturisierung. Denn hier werden die Voraussetzungen geschaffen, damit die leistungsfähigen Mikrochips der Zukunft erst entstehen können als Grundlage für die Digitalisierung und künstliche Intelligenz in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen.“

EU-Binnenmarkt: Für die Wirtschaft ein starkes Gut

Deshalb sei er als IHK-Präsident stolz und glücklich, solch ein weltweit führendes Technologieunternehmen wie Zeiss als strahlende Speerspitze in der Reihe der Mitgliedsunternehmen zu wissen. Nicht zuletzt aber sorge Zeiss auch regional für Wachstum und Beschäftigung.

Mit Blick auf die Europawahl warb Mayer dafür, wählen zu gehen. Denn der EU-Binnenmarkt mit dem freien Verkehr für Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital sei für die exportorientierte Wirtschaft in Ostwürttemberg ein starkes Gut. „Europa ist unsere wichtigste Handelsregion, allen voran die Mitgliedsländer der EU!“

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