Die fetten Jahre sind vorbei

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 Seit 50 Jahren ist Bruno Balle (links) Vorsitzender der Realgenossenschaft Oberkochen. Bei der Hauptversammlung wurde er dafür
Seit 50 Jahren ist Bruno Balle (links) Vorsitzender der Realgenossenschaft Oberkochen. Bei der Hauptversammlung wurde er dafür vom zweiten Vorsitzenden Karl Wingert besonders geehrt. (Foto: Edwin Hügler)
Edwin Hügler

„Die fetten Jahre sind vorbei“. Mit dieser Aussage hat bei der Hauptversammlung der Realgenossenschaft Oberkochen im „Pflug“ Rechner Willi Grupp die Mitglieder darauf eingestimmt, dass der Realwald in den nächsten Jahren nur noch wenig Gewinn abwerfen werde. Hauptgrund dafür sei die neue Forsteinrichtung, die bis 2028 lediglich einen jährlichen Holzeinschlag von 4800 Festmetern vorsehe.

Dies sei deutlich weniger als in den letzten Jahren. Die Planrechnung für 2019 prognostiziere daher nur noch einen Überschuss von 12 000 Euro. Bisher hatten die Anteilseigner pro Realrecht eine Ausschüttung von 1000 Euro erhalten. „Diese müssen wir für 2019 auf 400 Euro senken. Selbst dafür ist eine Rücklagenentnahme von insgesamt 23 000 Euro notwendig“, erklärte Vorsitzender Bruno Balle. Die Mitglieder stimmten dieser Kürzung der Ausschüttung einstimmig zu.

In seinem Rückblick auf das Forstjahr 2018 betonte Balle, dass im 900 Hektar großen Realwald zusammen mit Derbholz 6100 Festmeter Holz eingeschlagen worden seien. Den durchschnittlichen Erlös bezifferte er auf 66,05 Euro pro Festmeter. Vom erzielten Gewinn in Höhe von knapp 100 000 Euro könne man eine Ausschüttung von 1000 Euro pro Realrecht an die Anteilseigner vornehmen.

Seinen weiteren Ausführungen zufolge verfügt die Realgenossenschaft über Rücklagen in Höhe von rund 500 000 Euro.

Wirtschaftlich gesund

Die neue Forsteinrichtung bis zum Jahr 2028 werde in fünf Jahren durch eine Zwischeninventur überarbeitet. Insgesamt sprach Balle von einer „wirtschaftlich gesunden Realgenossenschaft Oberkochen“.

Bruno Balle seit 50 Jahren Chef

Vize-Vorsitzender Karl Wingert würdigte die Verdienste von Bruno Balle, der seit 50 Jahren an der Spitze der Realgenossenschaft steht. In dieser Zeit sei das Wegenetz im Realwald auf 45 Kilometer ausgebaut worden und die Fläche habe sich um 50 Hektar vergrößert. Wingert dankte Balle für sein herausragendes Engagement in den letzten fünf Jahrzehnten.

Revierleiter Reinhold Vogel betonte, dass die große Hitze und Trockenheit dem Wald letztes Jahr zu schaffen gemacht habe. Der Käferbefall sei sehr hoch gewesen. „Noch so ein heißer Sommer und wir bekommen ernsthafte Probleme“ sagte Vogel.

Buchenholz immer wichtiger

Dem Klimawandel versuche man durch die verstärkte Pflanzung von Douglasien und Walnussbäumen entgegenzuwirken. Außerdem hob er hervor, dass das Buchenholz in der Bauwirtschaft immer mehr an Bedeutung gewinne. Zu der ab Januar 2020 anstehenden Forstreform sagte Vogel, dass eine zentrale Forstverwaltung in Aalen gebildet werde. Diese sei dann auch für den Realwald Oberkochen zuständig.

Bei den Neuwahlen wurden der zweite Vorsitzende Karl Wingert sowie die Verwaltungsräte Karl Fischer, Berthold Hug, Armin Jooß und Peter Uhl einstimmig für weitere sechs Jahre wiedergewählt.

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