Wie Kirche Zukunft haben kann

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 Weihbischof Matthäus Karrer feierte zum Beginn des Dekanatsmännertages in Neuler einen festlichen Gottesdienst; links von ihm d
Weihbischof Matthäus Karrer feierte zum Beginn des Dekanatsmännertages in Neuler einen festlichen Gottesdienst; links von ihm der stellvertretende Ostalb-Dekan Jens Bartsch und rechts Ortspfarrer Jürgen Zorn. (Foto: Hermann Sorg)
Hermann Sorg

Allen Unkenrufen zum Trotz ist der Vortrag „Kirche hat Zukunft – was mir Hoffnung macht“ von Weihbischof Matthäus Karrer am Sonntag im Katholischen Gemeindezentrum Neuler auf großes Interesse gestoßen: Der Gemeindesaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Und die interessierten Zuhörer wurden nicht enttäuscht. Der 50-jährige Weihbischof und Leiter der Hauptabteilung IV „Pastorale Konzeptionen“ des Bischöflichen Ordinariats in Rottenburg stellte Konzepte vor, die tragen können – wenn die Kirchengemeinden vor Ort mitmachen.

„Mit der von früher her gewohnten Einstellung, dass es der örtliche Pfarrer schon richte, ist es mit Sicherheit vorbei“, meinte der Weihbischof. Die weiter zurückgehenden Kirchenmitgliederzahlen, abnehmende Priesterzahlen, die Missbrauchsskandale und säkulare, plurale und in sich oft widersprüchliche Weltanschauungen machten es der Kirche nicht leicht, langjährig gewachsene Strukturen aufrecht zu erhalten.

Aufwertung für den Kirchengemeinderat

Eine erste Konsequenz daraus ist die jetzt in Kraft getretene neue Kirchengemeindeordnung. Sie wertet den Kirchengemeinderat auf. Der bis jetzt so genannte Laienvorsitzende ist nun ein gewählter Vorsitzender, ohne seine Unterschrift geht jetzt nichts mehr in der Gemeinde. Des Weiteren müssten sich die vielen kleinen Ortskirchen zu einer „Kirche an vielen Orten“ wandeln. Kirchengemeinden müssten Teile eines großen Netzwerkes bilden, wo gewisse Dienste dann zusammengelegt werden, da sie einfach nicht in jeder Gemeinde vorgehalten werden können. Ein Beispiel aus der Region nannte Weihbischof Karrer. Es ist die Seelsorgeeinheit Virngrund-Ost, die aus den Pfarreien Ellenberg, Stödtlen, Tannhausen und Wört besteht. Diese hat jetzt nur noch ein Pfarrbüro und vier mobile Anlaufstellen.

Auch werden die bisherigen ehrenamtlichen Kirchenpflegerstellen bis spätestens Ende 2020 von Profis abgelöst werden müssen, denn ab 1. Januar 2021 sind die Kirchengemeinden umsatzsteuerpflichtig und dies ist dann nicht mehr Sache des Ehrenamtes. Andererseits wird es für das Ehrenamt viele neue Betätigungsfelder geben. Diese kann man nicht exakt genau vorbereiten. Hier gilt der neue Grundsatz: Ausprobieren, bewerten und wieder neu beginnen, solange bis es klappt.

Notfalls Personalaus den Ballungsräumen

Die neue Personalplanung, so Karrer weiter, werde eine Zielerreichungsquote beinhalten. Damit werde man dem Personalmangel auf der Ostalb abhelfen und dies notfalls mit Versetzungen aus den Ballungsräumen, wo eher zu viel pastorales Personal vorhanden ist. Zu allem aber gelte eine große Bereitwilligkeit und Offenheit der einzelnen Kirchengemeinden zur Verwirklichung dieser Planung. Nachfragen aus dem Auditorium beschäftigten sich ebenfalls mit einer gerechteren Stellenplanung.

Vorausgegangen war ein festlicher Gottesdienst in der Neulermer Pfarrkirche, die Weihbischof Karrer mit dem stellvertretenden Ostalb-Dekan Pater Jens Bartsch und dem Ortspfarrer Jürgen Zorn feierte. Der Kirchenchor Neuler unter der Leitung von Werner Kutscherauer umrahmte den Gottesdienst mit mehreren Chorsätzen. Bezugnehmend auf das Sonntagsevangelium von der Verklärung auf dem Berg Tabor, sagte Weihbischof Karrer, dass in diesem Geschehen ein „Geruch des Paradieses“ liege, „von dem wir uns ruhig anhimmeln lassen dürfen“.

Nach dem Weißwurstvesper eröffnete der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BdKJ) mit einem übergroßen Ballon auf dem Kirchenvorplatz die 72-Stunden-Aktion, die dieses Jahr vom 23. bis 26. Mai gehen wird.

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