Schnapszahl: 111 Jahre lang närrisches Faschingstreiben

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Zünftig geht’s beim Faschingsumzug in Neuler zu. 2017 haben die Narren einen besonderen Grund zum feiern.
Zünftig geht’s beim Faschingsumzug in Neuler zu. 2017 haben die Narren einen besonderen Grund zum feiern. (Foto: Bauch)
Schwäbische Zeitung
Martin Bauch

Das kommende Jahr wird für die Neulermer Narren ein ganz besonderes. Die älteste Faschingsgruppe im Ort feiert ihren närrisch-runden Geburtstag. Sie besteht seit 111 Jahren.

Mit den feenartigen Elfen haben die Neulermer Narren so rein gar nichts gemeinsam. Mit der Elf aber schon viel mehr. Die spielt nämlich im nächsten Jahr bei der ältesten Faschingsgruppe im Ort eine ganz besondere Rolle. Die Neulermer Narren feiern 2017 ihren 111.Geburtstag – und sind ganz närrisch stolz auf ihr Alter. „Das wird natürlich gebührend gefeiert“, verspricht ihr Vorsitzender Klaus Vaas. Allerdings, viel zu verbessern und feiertechnisch aufzumotzen gibt es bei den Neulermer Narren eigentlich gar nicht mehr viel. „Wir geben ja auch ohne runden Geburtstag jedes Jahr aufs Neue unser Bestes“, meint Vaas. Das stimmt. Aus dem ehemals gemütlichen Faschingsörtchen ist in den Jahren eine stattliche, landauf, landab bekannte Faschingshochburg geworden, bekannt für ihren Hang zum Gigantismus. Die Besucherzahl am Faschingsumzug ist übrigens auch gigantisch. Erst recht, wenn man sie in Bezug zur Einwohnerzahl von Neuler setzt, welche bei rund 3200 Bürgerinnen und Bürgern liegt.

Die Elf wird näher beleuchtet

Ebenfalls bekannt sind die Neulermer Narren für ihren spaßigen Narrenball. Hier könnte sich eine kleine Überraschung anbahnen. „Wir versuchen in diesem Jahr alle unsere Uralt-Narren fürs Faschingsprogramm zu reaktivieren. Immerhin, der älteste Narr ist schon weit über 80“, erzählt Vaas. In ihrer Festzeitschrift möchten die Narren vor allem die letzten elf Jahre ihres Daseins näher beleuchten. „Da hat sich auch einiges getan. Was genau, das kann man alles dort nachlesen“, so Vaas.

Zur Geschichte der Neulermer Narren hier ein kleiner Auszug aus der Historie der Gruppe: „1906 ist das älteste Datum, an dem laut mündlicher Überlieferung von einem organisierten Narrentreiben in Neuler die Rede ist. Da in der Oberamtsbeschreibung Ellwangen von 1886 jedoch zu lesen ist, dass in Neuler immer noch Maskenumzüge stattfinden, so kann man vermuten, dass es in anderen Orten keine Umzüge mehr gab. In einem Bittschreiben an die Gemeindeobrigkeit im Jahr 1928 ist von einer mehr als 100-jährigen Fastnachtstradition in Neuler die Rede. Trotzdem versagte der Gemeinderat die Genehmigung des kleinen Umzuges in jenem Jahr, da ein Bedürfnis hierzu in der geldarmen Zeit nicht vorliege. Auch im Jahre 1934 war jegliches Fastnachtstreiben verboten. Die Leute saßen jedoch in den Häusern zusammen und vergnügten sich. Mehrere Jugendliche zogen einen mit einem Baumstamm beladenen Pferdewagen durchs Dorf, auf dem sie Turnübungen machten. Für diese Ordnungswidrigkeit wurden sie mit 80 Mark bestraft. Ab circa 1935 wurde wieder ein Umzug genehmigt“.

„Neuler war dahingehend immer schon ein wenig verrückter nach Fasching als andere Gemeinden. Ich mag diese tolle Gemeinschaft und den Spaß, den wir miteinander haben“, sagt Vaas. Der Spaß fängt bei den Neulermer Narren übrigens zum Faschingsauftakt am Freitag, 11. November, um 20 Uhr in der Narrenhalle in Neuler in der Maybachstraße mit einer Freaky Friday Party an.

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