Ein Fest der schrägen Töne

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 Ein Foto aus den Anfängen: Die Nuilermer Schlierbachfetzer 1999 in ihrem allerersten Häs.
Ein Foto aus den Anfängen: Die Nuilermer Schlierbachfetzer 1999 in ihrem allerersten Häs. (Foto: May)
Redakteurin Virngrund

Sie haben vor 20 Jahren im Ellwanger Raum zu den Pionieren der Guggenmusik gezählt: die Nuilermer Schlierbachfetzer. Am kommenden Samstag, 12. Januar, wollen sie ihren runden Geburtstag angemessen feiern. Dazu steigt in der Schlierbachhalle ein großer Jubiläumsball.

Es ist noch eine verhältnismäßig junge Fastnachtstradition: die Guggenmusik. Von der Schweiz schwappte die Lust auf laute, schön-schräge Blasmusik erst Anfang der 1950er-Jahre nach Deutschland über. Hier gründete sich in Lörrach 1953 die „Gugge 53“, die sich heute damit rühmen kann, älteste Guggengruppe der Republik zu sein.

Auf der Ostalb ging der Guggenkult erst deutlich später los. Die Oschtalb Ruassgugga waren 1978 die ersten schrillen Bläser im Landkreis. Diesen Guggenpionieren kommt in der Vereinshistorie der Schlierbachfetzer eine ganz besondere Rolle zu.

Denn: Die Idee zur Gründung der Nuilermer Schlierbachfetzer kam exakt vor 21 Jahren auf, als Martina Hofbauer, Katja Dobstetter und Markus Abele, ihres Zeichen Vereinsgründungsmitglieder der Schlierbachfetzer, die Ruassgugga beim Neulermer Faschingsumzug live erlebten – und zwar als einzige Guggamusik im Umzug. Das wollten die drei Neulermer Fastnachtsfans ändern.

30 aktive Mitglieder von Anfang an dabei

Und so folgte ein Jahr später die Gründung der Schlierbachfetzer – zunächst noch als loser Zusammenschluss. 30 aktive Mitglieder machten vom Start weg mit. Und die Jungs und Mädels waren gefragt. Die Zahl der Auftritte wuchs schnell an. Nicht nur in der Gemeinde, sondern auch bei Faschingsveranstaltungen in der gesamten Region und darüber hinaus waren die Nuilermer gern gesehene Gäste. Weshalb im Jahr 2002 schließlich die Gründung als eingetragener Verein erfolgte. Zu dem Zeitpunkt gehörten der Gruppe bereits 40 aktive Musiker im Alter zwischen sechs bis 60 Jahren an. Diese Zahl blieb bis heute mehr oder weniger konstant.

In ihrem breiten Musikrepertoire haben die Schlierbachfetzer mittlerweile so ziemlich alles, was Spaß und gute Laune macht – die Palette reicht von Schlagern über Oldies bis hin zu bekannten Rock- und Poptiteln. Selbstverständlich wird alles immer sehr laut, sehr rhythmisch und vor allem sehr schräg vorgetragen – übrigens auch bei Gottesdiensten und kirchlichen Trauungen, sofern das gewünscht wird. Was regelmäßig der Fall ist.

Genau so bunt und vielfältig wie ihre Musik sind die Kostüme der Schlierbachfetzer. Die Gruppe wechselt dazu in beständiger Regelmäßigkeit, alle drei Jahre, das Häs. Wobei basisdemokratisch vorgegangen wird: Das Motto für ein neues Kostüm wird von Mitgliedern vorgeschlagen und dann durch Mehrheitsentscheid beschlossen. Kostümmotive waren in den vergangenen 20 Jahren unter anderem „Feuer und Wasser“, „Zombies“, „Eiszeit“, „Wild West“ und – momentan – „Namaste“, was ein indische Grußformel meint, die frei übersetzt so viel heißt wie „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche, dass ich in Dir sehe“ – ein zweifelsohne passendes Motto für diese göttlichen Nuilermer Stimmungskanonen.

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