Drei Rekorde mit nur einem Flug – wie ein Pilot aus Neresheim Fluggeschichte schreibt

Drei Rekorde mit nur einem Flug – wie ein Pilot aus Neresheim ein Fluggeschichte schreibt
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Drei Rekorde mit nur einem Flug – wie ein Pilot aus Neresheim ein Fluggeschichte schreibt (Foto: WeLocal / WeLocal Import)
Regio TV

Gerrit Illenberger aus Nattheim hat Ende Mai mit nur einem einzigen Flug drei deutsche Klassenrekorde aufgestellt.

Leise und geräuschlos mit den Vögeln kreisen, die Welt mit ihren Sorgen und Problemen hinter sich lassen, komplett dem Wetter und der Sonne ausgeliefert. Für Segelflugpilot Gerrit Illenberger gibt es kaum etwas Schöneres.

Seit mehr als 12 Jahren fliegt er vom Flugplatz Neresheim aus über die Ostalb. Am 29. Mai dieses Jahres hat er die Grenzen des Kreises jedoch weit hinter sich gelassen – und damit drei deutsche Klassenrekorde geknackt.

Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen

Gerrit Illenberger

Mit einem Flugzeug der Standardklasse, einer LS8, ist der 27-Jährige in einem Dreieckskurs und innerhalb von elf Stunden 1004 Kilometer weit geflogen.

Das hat vor ihm bisher noch kein deutscher Segelflugpilot geschafft, der bisherige Klassenrekord lag bei 960 Kilometern. „Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen – mit der LS8 oder allgemein mit einem Flugzeug der Standardklasse mal so eine Strecke zu fliegen. Es gab bisher noch keinen Piloten in Deutschland, der das geschafft hat und für mich war es ein Ansporn, die vierstellige Marke zu knacken und die 1000 km zu fliegen“, so Gerrit Illenberger im Gespräch mit RegioTV.

Ein Flug, drei Rekorde

Außer den neuen Bestmarken in den Kategorien „Dreiecksstrecke“ und „Freie Dreiecksstrecke“ hat der Nattheimer mit einer Fluggeschwindigkeit von 93 Stundenkilometer noch einen dritten Rekord aufgestellt. „Weil es vorher noch kein Dreieck über 1000 Kilometer gab, war es mit dem ersten Flug zugleich auch der erste Geschwindigkeitsrekord“, erklärt Illenberger.

Im Dreieck über Deutschland - an nur einem Tag

Für seinen Rekordversuch ist der Pilot am 29. Mai morgens um 08.40 Uhr auf dem Flugplatz in Neresheim in Richtung Schwarzwald gestartet. Nahe des Schluchsees wendet Illenberger und fliegt weiter Richtung Odenwald, über Spessart und Rhön bis nach Eisenach, in einer erneuten Wende weiter über das Fichtelgebirge bis zum Böhmischen Wald nach Tschechien, und schließlich über Regensburg und Franken zurück auf die Ostalb. Landeanflug bei strahlendem Sonnenschein um 18.20 Uhr.

Monatelange Vorbereitung für den perfekten Versuch

Mehrere Monate hat sich der Gerrit Illenberger auf diesen Flug vorbereitet, zuletzt nur noch auf den passenden Tag gewartet. Für den Piloten kamen dabei nur die Wochen um die Sonnenwende infrage. Denn Möglichkeit, mit einem Segelflugzeug so weite Strecken zurücklegen zu können, sei maßgeblich von der Sonnenscheindauer abhängig.

Damit genügend Thermik zum Segelfliegen entsteht, muss die Sonne ausreichend Zeit haben, die Erdoberfläche zu erwärmen. Im Tagesverlauf steigt diese warme Luft dann in größere Höhen auf. Diese Aufwärtsbewegung können Segelflieger nutzen, um an Höhe zu gewinnen. Je besser die Thermik, desto weiter kann das Flugzeug gleiten.

Die Wetterverhältnisse im gesamten süd- und mitteldeutschen Raum waren demnach entscheidend für das Gelingen oder Scheitern des Rekordversuchs: „Wir brauchen meistens eine Hochdruckwetterlage, die uns weiträumig homogene thermische Bedingungen liefert“, so Illenberger.

Wasserballast gegen schlechte Witterung und für höhere Geschwindigkeiten

Regenschauer und nachlassende Thermik kann der Pilot mit Wasserballast ausgleichen. Leer wiegt sein Flugzeug knapp 250 Kilogramm. Mit dem Wasserballast kann Illenberger die Masse beinahe verdoppeln.

Mehr Gewicht bedeutet zwar schlechteren Auftrieb, aber dafür hohe Geschwindigkeiten. „Der hat mich vor allem zur Mittagszeit, wo die thermischen Bedingungen am besten waren, schnell gemacht.“

Im Umkehrschluss kann die Gerrit Illenberger das Wasser aber auch während des Fluges ablassen, um die schwächer werdende Thermik in den Abendstunden optimal nutzen zu können.

Eine Liebe seit Kindheitstagen

Seit mehr als 12 Jahren fliegt Gerrit Illenberger nun schon selbst. Mit einem Fluglehrer als Vater war das Segelfluggelände Neresheim von jüngster Kindheit an sein zweites Zuhause.

Vor zwei Jahren dann der bis dato größte Erfolg seinen jungen Sportlerkarriere: Der Sieg bei den Deutschen Meisterschaft im Streckensegelflug. Illenberger kann sich durchaus vorstellen, zukünftig seinen eigenen Rekord nochmal zu brechen und die 1000 Kilometer in noch kürzerer Zeit zurückzulegen. Davor stehen aber erst einmal nationale und international Wettbewerbe an.

Den aktuellen Rekord vom 29. Mai hat er auf der Webseite "WeGlide" in Bildern festgehalten.

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