Windrad-Streit geht in die nächste Runde

Lesedauer: 5 Min
 Drei Windräder will die Gemeinde Forheim aufstellen. Zur Wohnbebauung auf bayerischer Seite wird der Abstand von 2000 Metern ei
Drei Windräder will die Gemeinde Forheim aufstellen. Zur Wohnbebauung auf bayerischer Seite wird der Abstand von 2000 Metern eingehalten, nicht aber zur Bebauung auf baden-württembergischer Seite und damit zu den Ortschaften Kösingen und Schweindorf. (Foto: Stadt Neresheim)
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

Nun hat sich der Planer des Windparks, der zwar auf Markung Forheim, aber zwischen den Neresheimer Teilorten Schweindorf und Kösingen entstehen soll, in der Öffentlichkeit geäußert. Das Projekt betreibt das Freiburger Unternehmen DGE Wind, verantwortlich ist Simon Coenen. Ihm sei bekannt, dass die Windräder in Schweindorf und Kösingen eher kritisch gesehen werden, räumt er ein.

Bedenken würden zwar in die Planung aufgenommen, aber das Projekt befinde sich im rechtlichen Rahmen. Das Unternehmen sei auch frühzeitig auf Neresheim zugegangen.

Die Anwohner auf dem hinteren Härtsfeld ärgern die unterschiedlichen Regelungen. Während in Bayern ein Abstand zur Wohnbebauung das Zehnfache der geplanten Höhe des Windrades betragen muss, reichen in Baden-Württemberg 750 Meter aus. Da die geplanten Anlagen jeweils einen Kilometer von Schweindorf und Kösingen, aber zwei Kilometer von Forheim entfernt sind, sind sie nach Coenens Einschätzung schall- und schattentechnisch kein Problem.

In Neresheim sieht das Bürgermeister Thomas Häfele anders, ihm zufolge auch der baden-württembergische und der bayerische Gemeindetag: Bei der bayerischen Vorschrift sei von Wohnbebauung die Rede und nicht von bayerischer Wohnbebauung. Und da die Räder auf bayerischem Gebiet stehen sollen, müssten ohnehin bayerische Vorschriften gelten, macht Häfele geltend. Er will nicht ausschließen, dass diese Frage gerichtlich geklärt werden muss. Er sehe keinen anderen Weg, um diesen Konflikt zu lösen, sagte er.

In Kösingen wird zudem geklagt, bei einer Realisierung habe der Projektierer einen Vorteil, der Grundstückseigentümer, nämlich das fürstliche Haus Oettingen-Wallerstein hätte Pachteinnahmen und die Gemeinde Forheim erhielte Gewerbesteuer, während Kösingen und Schweindorf die Nachteile hätten, nämlich Schattenwurf und Lärmbelästigung. Dies wäre schlecht für den Tourismus.

In Bayern gibt es nur wenig mögliche Plätze

Der Forheimer Gemeinderat hat durch einen Aufstellungsbeschluss erst einmal Fakten geschaffen (wir berichteten). Man habe sich für das Gelände zwischen Schweindorf und Kösingen entschieden, sagt Coenen, weil es sich aufgrund der Erfahrung des Unternehmens topografisch am besten für Windräder eigne. Allerdings müssten Windmessungen zeigen, ob diese Einschätzung tatsächlich zutrifft. Andere Flächen im Umkreis seien jedenfalls derzeit nicht im Gespräch.

Das verwundert allerdings nicht, denn das Ries und ein Gebiet von fünf Kilometern Breite um den Kraterrand sind „Ausschlussfläche“ für Windenergie. Angesichts der bayerischen Vorschriften bleiben im Freistaat ohnehin nicht viele mögliche Plätze. Auch nicht im Ries. Wenn die Räder nicht zwischen Schweindorf und Kösingen gebaut werden, dürfte die Sache ohnehin hinfällig sein, mutmaßt die Neresheimer Vizechefin des Bauamts, Isabelle Mugele.

Neresheim wird offiziell angehört

Zwar wird die Stadt Neresheim noch offiziell angehört werden, aber ob die Planung realisiert werden kann, hängt auch vom fürstlichen Haus ab. Dieses hat sich bislang noch nicht dazu geäußert, ob es das Waldstück in der Nähe von Forheim für das Vorhaben verpachtet. Sollte die Entscheidung positiv für die Projektplaner ausfallen, würden drei jeweils 2,40 Meter hohe Räder ab 2022/23 für 20 Jahre in dem Waldstück stehen.

Wenn sie gebaut werden, werden Coenen zufolge zum Transport der Einzelteile die vorhandenen Wege genutzt. Dazu habe es bereits eine Begehung gegeben, sagte er gegenüber den „Rieser Nachrichten“. Sollten Straßen erweitert werden müssen, werde das in keinem großen Maße geschehen. Für den Aufbau müsste zusätzlich Wald gerodet werden. Diese Flächen würden hinterher wieder aufgeforstet. Außerdem müsse von Gesetzes wegen das Unternehmen Ausgleichszahlungen leisten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen