Vier Posaunen faszinieren in der Abteikirche

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Schwäbische Zeitung
Johannes Müller

Ein stilistisch breit angelegtes Konzert versprach Prior-Administrator Albert Knebel den außergewöhnlich zahlreichen Musikfreunden, die am Sonntag in die Abteikirche Neresheim gekommen waren. Wie vor vier Jahren schon – nur diesmal mit völlig neuem Programm – begeisterten die vier Posaunisten des Leipziger Gewandhausorchesters ihr Publikum restlos.

Es hat eben seinen besonderen Reiz, exquisite Musik nicht nur in dieser seltenen Besetzung, sondern auch in so virtuoser Qualität zu erleben. Richard Strauss, eigentlich mehr durch seine Opern und sein Liedschaffen bekannt, überraschte mit durchaus sakralen Klängen bei seinem „Feierlichen Einzug“, eine Originalkomposition für Bläser.

Jörg Richter (Alt-/Tenorposaune) hatte für sein Ensemble Opus 4 Dirk Lehmann und Stephan Meiner (Tenor-Posaune) sowie Honza Gimaletdinow (Bass-Posaune) mitgebracht. Sparsame Gestik und ein leichtes Wiegen mit dem Oberkörper genügten Richter absolute Homogenität und ausgewogene Dynamik zu erzeugen. Sensibel und adäquat begleitete an der Chororgel Holger Gehring, Organist der Kreuzkirche Dresden.

Vom Altarraum in die Mitte der Kirche wechselnd gruppierten sich die Musiker um das kleine Orgelpositiv für die prachtvolle Sonata piano e forte von Giovanni Gabrieli und die Canzona von Biagio Marini, mehrchörig komponiert für den MarkusDom in Venedig. In der differenzierten Klangwirkung zeigte sich das Talent Jörg Richters, solche Werke für Posaunen-Quartett umzuschreiben. Dass auf der großen Holzhay-Orgel Mozarts Adagio für Glasharmonika so zart und filigran klingen konnte, war der Registrierkunst Holger Gehrings zu verdanken.

Um der Gefahr auszuweichen, Bachs Brandenburgisches Konzert Nummer drei bei der Überakustik der Neresheimer Abteikirche zum Klangbrei verschwimmen zu lassen, stellte Jörg Richter kurz entschlossen das Programm um. Stattdessen gab es eine faszinierende Interpretation von Bachs berühmter Toccata und Fuge d-moll. Viel durchsichtiger als im rauschenden Orgelschwall gelangen nun die gestaffelten Einsätze der routinierten Bläser.

Heiter, locker und leicht hörten sich Beethovens drei Flötenuhrstücke an, ursprünglich ein Auftragswerk für mechanische Musikinstrumente. Wie vielseitig die Musik italienischer Meister um das Jahr 1600 für Orgel und Renaissance-Posaunen war, leuchtete in der Wiedergabe kleiner Werke von Cesario Gussago, Giuseppe Guami und Giovanni Gabrieli auf. Choralartiges kam da ebenso vor wie schelmische Tanzeinlagen.

Ganz anders der ernste und fromme Bruckner mit seinem innigen Ave Maria und Ecce Sacerdos. Hier zeigte das Ensemble, dass Posaunen auch intimsten Pianoklang beherrschen, der dann umso wirkungsvoller mit schneidendem Fortissimo kontrastiert. Die Einflüsse französischer Verzierungskunst, aber auch die improvisatorische Freiheit italienischer Meister offenbarte Georg Muffats Toccata septima aus „Apparatus musico-organisticus“, die Holger Gehring auf der Holzhay-Orgel trefflich intonierte.

Eigens für das Posaunen-Ensemble Opus 4 komponierte der heute 92-jährige Bernhard Krol das Canticum Sacrum für Orgel und vier Posaunen, mit dem das Konzert in Neresheim eindrucksvoll abschloss. Die von musikalischer Frische und rhythmischer Prägnanz gekennzeichneten Werke des Stuttgarter Kirchenmusikers sind den Musikfreunden durch Aufführungen in Salvator und Sankt Maria in Aalen wohl bekannt.

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