Die ganze Region trauert um Abt Norbert Stoffels

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Abt Norbert Stoffels ist im Alter von 77 Jahren verstorben. (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

Trauer und Bestürzung hat gestern die Nachricht vom Tode von Altabt Norbert Stoffels nicht nur im Kloster und in der Stadt, sondern auch in der ganzen Region ausgelöst. Nach langer, schwerer Krankheit ist der langjährige Leiter der Mönchsgemeinschaft auf dem Ulrichsberg am Mittwochabend im Alter von 77 Jahren gestorben. Mit insgesamt 34 Jahren kann er auf eine der längsten Amtszeiten als Abt in Neresheim zurückblicken. Das Amt hatte er bis März vergangenen Jahres inne, zur Neuwahl war er nicht mehr angetreten. Sein Nachfolger Pater Albert Knebel leitet nun als Prioradministrator das Kloster.

Norbert Stoffels ist kein gebürtiger Härtsfelder, seine Wiege stand am 12. Februar 1936 in Jülich am Niederrhein. Dort wuchs er auf und besuchte in Krefeld das humanistische Gymnasium. Ein Besuch im Kloster Neresheim als Mitglied des bundesweit tätigen Bund Neudeutschland (ND) ließ in dem jungen Mann den Entschluss reifen, dem Orden der Benediktiner beizutreten. Norbert Stoffels absolvierte das Noviziat und verpflichtete sich in der ewigen Profess, sein restliches Leben auf dem Ulrichsberg zu verbringen. Dieses Versprechen hielt er von 1955 bis zuletzt.

Am 20. August 1961 wurde Norbert Stoffels zusammen mit seinem Mitbruder Hugo Weihermüller aus Aalen im Kloster vom damaligen Rottenburger Bischof Dr. Carl-Joseph Leiprecht zum Priester geweiht. Nach Beendigung seiner Studien war es Aufgabe des frischgebackenen Paters Norbert, sich um die Verwaltungsarbeit in der damals gut 30-köpfigen Mönchsgemeinschaft zu kümmern. Ab 1964 war er verantwortlich für den inneren und äußeren Zustand der Gebäude auf dem Ulrichsberg. Diese Aufgabe sollte ihn für Jahrzehnte fordern. Denn schon bald zeigte sich, dass es nicht besonders gut um den baulichen Zustand der Abteikirche bestellt war. Am 14. Juni 1966 musste sie der damalige Landrat Dr. Anton Huber wegen Einsturzgefahr schließen lassen. Erst neun Jahre später, am 9. September 1975, konnte die prächtige, barocke, von Balthasar Neumann erbaute Abteikirche, ein Kulturdenkmal von europäischem Rang, wieder eröffnet werden. Auch danach hielten Bauarbeiten Stoffels auf Trab: An irgendeiner Ecke des Kloster stand während seiner Amtszeit immer ein Baugerüst.

1970 ernannte Abt Johannes Kraus Stoffels zu seinem Stellvertreter. 1977, nach dem Amtsverzicht und Tod von Kraus wählten die Mönche Stoffels zu ihrem neuen Abt. In dieser Funktion leitete er nicht nur die Gemeinschaft auf dem Ulrichsberg, sondern repräsentierte sie auch kraftvoll und leutselig in der Öffentlichkeit. Im August 2011 feierten er und Weihermüller mit zahlreichen Gästen ihre Goldene Priesterweihe. Ein dreiviertel Jahr später lief seine Amtszeit als Abt aus. Damals schon schwer krank, zog sich Stoffels vollkommen aus der Öffentlichkeit zurück. Seine Verdienste wurden mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg gewürdigt.

Das Requiem ist am Mittwoch, 1. Mai, um 14 Uhr in der Abteikirche. Anschließend wird Altabt Stoffels auf dem Klosterfriedhof zu Grabe getragen.

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