Uwe Mohr fordert eine langfristig wirtschaftliche Basis für bäuerliche Familienbetriebe

 Der Lauchheimer CDU-Ortsverband erhielt Einblicke, wie digitale Hilfsmittel die Tiergesundheit und das Tierwohl fördern können.
Der Lauchheimer CDU-Ortsverband erhielt Einblicke, wie digitale Hilfsmittel die Tiergesundheit und das Tierwohl fördern können. (Foto: Mayer)

Eine Autostunde von Lauchheim entfernt liegt Triesdorf, das bekannt ist für sein Landwirtschaftliches Bildungszentrum. Mit 3200 Schülern und Studierenden ist es das größte in Deutschland. Uwe Mohr aus Lauchheim leitet dort die Tierhaltungsschule. Jüngst hat ihn der CDU-Ortsverband besucht und dabei Einblicke erhalten, wie digitale Hilfsmittel die Tiergesundheit und das Tierwohl fördern können.

Die Gemeinschaft von Menschen und Nutztieren, ihr Zusammenleben „unter einem Dach“ hat über viele Jahrhunderte Mensch und Tier geprägt. Uwe Mohr hat auf dem elterlichen Hof in Berschweiler in Rheinland-Pfalz noch etwas davon erlebt. Allerdings faszinierten den damals Zehnjährigen auch die Landwirtschaftsschullehrer, die dort verkehrten und mit seinem Großvater über aktuelle und zukünftige Entwicklungen in der Landwirtschaft sprachen.

„Da habe ich mir gedacht, so etwas möchte ich auch mal werden“, berichtete der 56-jährige Landwirtschaftsdirektor. Und er ist es geworden. Nach dem Studium der Agrarwissenschaften an der Uni Gießen und einem Referendariat in Bayern gelangte er nach Triesdorf. 13 Jahre unterrichtete er dort an der Techniker- und Hochschule. 2008 übernahm er die Abteilung Tierhaltung der Landwirtschaftlichen Lehranstalten, einer Einrichtung des Bezirks Mittelfranken, und leitet seither auch die Tierhaltungsschule.

Uwe Mohr
Uwe Mohr (Foto: Mayer)

Dabei hat er die „Bodenhaftung“, seinen Praxisbezug, nicht verloren und weiß, wovon er spricht. Landwirte aus dem Ostalbkreis, darunter ehemalige Schüler von Mohr, bezeugen es. Auch Teilnehmer der CDU-Exkursion mit dem Ortsverbandsvorsitzenden Peter Preissler junior können nach ihrem Besuch in Triesdorf mitsprechen, wenn es um Tierwohl, Klimaschutz und Nutztierhaltung geht.

War bei der Gründung der EU, zunächst EWG, vordergründig die Sicherung der Ernährung ein Hauptanliegen, seien es jetzt die Verbesserung der Haltungsbedingungen und der Klimaschutz, der die Menschen umtreibe. Auch in der Tierhaltungsschule sei man sich dessen bewusst mit Blick auf Wissenstransfer, sagte Uwe Mohr. Und um die „Stärkung der Wertschätzung einer bäuerlichen Nutztierhaltung“.

Der zukünftige Landwirt ist nicht mehr nur ein Landwirt, der sichere, leistbare und regionale Nahrungsmittel mit guter fachlicher Praxis und in Kenntnis des aktuellen Technikstands erzeugt.

Uwe Mohr

Die Exkursionsteilnehmer lernten viel über Bienen-, Geflügel-, Schafe- und Schweinezucht. Doch besonders vertieft wurde die Milchviehhaltung. Automatisierung in Form von Melk- und Fütterungsrobotern unterstützen die Milchkuhhalter und einzeltierbezogene digitale Sensoren haben dort schon länger Einzug gehalten.

So kann zum Beispiel ein digital erfasster Kuhstall dem Landwirt der Zukunft ständig Daten über Ernährungs- und Gesundheitsstand seiner Milchkühe liefern. Weicht das Wiederkauen, die Körpertemperatur oder das Lauf- und Liegeverhalten einer Kuh von ihren normalen Werten ab, bekommt der Milchkuhhalter eine Warnmeldung und kann sich frühzeitig um das Einzeltier kümmern und dadurch beginnenden Krankheiten vorbeugen.

Die Digitalisierung sei kein Selbstläufer und stehe am Anfang ihrer Entwicklung. Mit vielen erfassten Daten sei noch lange keine richtige Entscheidung getroffen und angedachte künstliche Intelligenzen könnten den Landwirt nicht ersetzen, so Mohr. Sie seien nur Hilfswerkzeuge und neue nutzbare Sinne. Einzeltierbezogene digitale Sensoren unterstützten die Menschen, machten aber eine Kuh nicht trächtig oder satt. Die richtigen Maßnahmen und Entscheidungen müsse letztlich immer der Mensch treffen.

Viele Fragen beantwortete Uwe Mohr, darunter die, ob Milchviehhaltung mit Hunderten oder gar Tausenden Kühen umweltgerecht sein könne. Er sieht die Lösung in einer Flächenbindung, das heißt, die Zahl der gehaltenen Kühe sollte sich an der verfügbaren Futterfläche des Betriebes orientieren. Auch sollte ein deutlich höherer Milchpreis gegenüber der jetzigen Situation bäuerlichen Familienbetrieben mit etwa 100 Kühen eine langfristig wirtschaftliche Basis garantieren.

Mohrs Fazit, wie sich Landwirtschaft vernünftig entwickeln sollte, ist die Feststellung, dass die Nutztierhalter eine langfristige Perspektive, Rechtssicherheit und Verlässlichkeit durch die Politik brauchen und bei der Umwandlung der Nutztierhaltung vergleichbar der Energiewende unterstützt werden müssen.

„Der zukünftige Landwirt ist nicht mehr nur ein Landwirt, der sichere, leistbare und regionale Nahrungsmittel mit guter fachlicher Praxis und in Kenntnis des aktuellen Technikstands erzeugt. Er weiß darüber hinaus um seine besondere Verantwortung für Umweltaspekte, Klima und Tierwohl und handelt entsprechend.“

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