Umsiedlung vergessen - Flusstiere verenden qualvoll

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Fische und Krebse liegen auf dem Trockenen
Im Zuge einer Renaturierungsmaßnahme der Jagst bei Lauchheim soll das Flussbett verlegt werden. Dabei ist unterlassen worden, die im alten Flussbett lebenden Fische und Krebstiere umzusetzen. Zahlreiche Tiere sind nun qualvoll verendet.
Freier Mitarbeiter

Das ist so nicht geplant gewesen: Im Zuge einer Naturausgleichsmaßnahme ist beim Trockenlegen des alten Flussbetts der Jagst bei Lauchheim vergessen worden, die vorhandenen Fische, Krebse und Muscheln umzusiedeln. Jetzt wird versucht zu retten, was noch zu retten ist.

„Auf einmal lagen die Fische und Krebse im alten, trockengelegten Flussarm der Jagst auf dem Trockenen. Viele von ihnen sind qualvoll verendet“, sagte ein Anwohner, der anonym bleiben möchte. Er ist nicht der Einzige, dem dieser Umstand aufgefallen ist. Viele Fußgänger und Radfahrer haben den unangenehmen Fischgeruch auch bemerkt.

Gleich neben dem trockengelegten Flussarm findet eine Ausgleichsmaßnahme der Stadt Lauchheim statt, die unter anderem die Renaturierung der Jagst vorsieht. Auf einer Länge von etwa 150 Metern bekommt der Fluss einen neuen Verlauf. „Die Maßnahme ist von unserem Geschäftsbereich für Wasserwirtschaft so genehmigt worden“, bestätigt die Pressesprecherin Susanne Dietterle vom Landratsamt Ostalbkreis.

Kleine Pfützen ohne Verbindung zum Hauptarm der Jagst

„Üblicherweise wird bei der Verlegung eines Flussbetts beziehungsweise vor dem Durchstich und der Umlegung des Wasserlaufs dafür Sorge getragen, dass Fische, Krebse und Muscheln geborgen und im neuen Gewässer eingesetzt werden. Das sieht auch eine Auflage in der wasserrechtlichen Genehmigung vor“, so Dietterle weiter.

Im vorliegenden Fall wurde der Durchstich seitens der beauftragten Baufirma am Montag dieser Woche ohne die Umsetzung der Tiere vorgenommen. Somit sind sogenannte Gumpen übriggeblieben, also kleine Wasserlöcher ohne Zusammenhang mit dem neuen Gewässerverlauf. Darin schwimmen noch einige Fische herum. Streckenweise liegt des alte Flussbett schon trocken. Ein weiterer Teil des trockengelegten Flussbetts ist mittlerweile mit dem Aushubmaterial aus der Baumaßnahme verfüllt worden. „Es ist anzunehmen, dass hier auch viele verendete Fische lagen“, so der Augenzeuge.

Gegenmaßnahmen

Den Sachbearbeitern des Geschäftsbereichs Wasserwirtschaft im Landratsamt ist das Problem erst am Dienstag bekannt geworden. Sie haben sich sofort mit dem zuständigen Planer und Landschaftsarchitekten in Verbindung gesetzt, um Gegenmaßnahmen zu besprechen. Als eine der ersten Rettungsmaßnahmen für die verbliebenen Fische ist die Baufirma beauftragt worden, die vorhandenen Gumpen zu verbinden, um ein Abfließen des Wassers in Richtung des neuen Jagstverlaufs zu ermöglichen. Dabei wird auch an ein Umsetzen der Fische gedacht.

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