Gotteshaus mit wechselhafter Geschichte

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 Die interessante Geschichte der Barbarakapelle hat Alt-Bürgermeister Werner Kowarsch vorgestellt.
Die interessante Geschichte der Barbarakapelle hat Alt-Bürgermeister Werner Kowarsch vorgestellt. (Foto: Graser)

Gotteshaus, Lazarett, Lagerhaus, Feuerwehrschuppen, dann wieder Kirche: Die Lauchheimer Barbarakapelle hat eine bewegte Geschichte. Am Tag des offenen Denkmals hat der ehemalige Lauchheimer Bürgermeister Werner Kowarsch interessierten Besuchern das Schicksal des kleinen Gotteshauses skizziert, das heute von der evangelischen Kirchengemeinde genutzt wird.

Etwa um 1395 ließ der Deutsche Orden die Barbarakapelle errichten. Der Orden nutzte sie wohl vor allem für seine Ordensfeste. Dass die Kapelle der heiligen Barbara geweiht wurde, führt Kowarsch auf die Eisenverhüttung in der Gegend zurück. Unter anderem habe es in Lauchheim Bohnerzgruben gegeben, sogar ein Eisenerzabbau liege im Bereich des Möglichen.

Fresken sind aus dem 16. Jahrhundert

Die Fresken an der Altarwand sind um 1520 entstanden. Links vom Altar ist die Passionsgeschichte dargestellt – quasi eine Bilderbibel für die Gläubigen, von denen damals nicht viele lesen oder schreiben konnten. Auf der rechten Seite befindet sich die Legende der heiligen Barbara, die von ihrem Vater in einen Turm eingesperrt worden sein soll, weil sie sich gegen seinen Willen für das Christentum entschieden hatte. Weitere Fresken stellen den heiligen Georg dar, der als Schutzheiliger des Ritterordens gilt, sowie eine Madonna im Strahlenkranz.

Die Kirche blieb nicht von Unglücken verschont. Um 1587 wurde sie durch den Brand eines benachbarten Hauses stark beschädigt. Diesem Feuer fiel vermutlich der Turm zum Opfer.

1719 wurde auf der Kapfenburg die Lorenzkapelle erbaut. Der Deutsche Orden nutzte nun das Gotteshaus auf der Burg für seine Ordensfeste. Die kirchliche Nutzung ging zurück und endete spätestens 1795 ganz. In den napoleonischen Kriegen wurde die Kapelle als Militärquartier oder als Lazarett verwendet. Nach dem Ende des Deutschen Ordens ging die Kapelle an das Königreich Württemberg über.

Die Stadt Lauchheim kaufte die Kirche 1814 mit der Absicht, sie zum Rathaus umzubauen. Doch die Umbaukosten waren zu hoch. Stattdessen wurde die Kapelle als Lager und später als Feuerwehrgerätehaus genutzt. Um 1870 stand die Kapelle der katholischen Kirchengemeinde Lauchheim für kurze Zeit nochmals als Notkirche zur Verfügung: Damals wurde die heutige Pfarrkirche gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete sich in Lauchheim eine evangelische Kirchengemeinde. Dem damaligen Bürgermeister Honold sei es jedoch ein Bedürfnis gewesen, die Barbarakapelle „wieder einer kirchlichen Nutzung zuzuführen“.

Deshalb wurde der evangelischen Gemeinde die Barbarakapelle zum Kauf angeboten – zum Preis von 13 500 Mark, eben genau dem Betrag, der für eine neue Feuerwehrgarage nötig war. 1949 kaufte die Gemeinde die Kapelle, zwei Jahre später wurde die evangelische Kirche eingeweiht. Bei der Instandsetzung seien damals auch die farbigen Fresken wieder freigelegt worden

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