Die Region ehrt ihre Tüftler

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Im Trude-Eipperle-Saal der Kapfenburg sind die Innovationspreise Ostwürttemberg verliehen worden.
Im Trude-Eipperle-Saal der Kapfenburg sind die Innovationspreise Ostwürttemberg verliehen worden. (Foto: Franz Mayer)
Franz Mayer

In feierlichem Rahmen auf Schloss Kapfenburg ist am Donnerstagabend der Innovationspreis Ostwürttemberg 2018 verliehen worden. Zu den Preisträgern gehören die Firmen Mezger Verpackungen aus Ellwangen, mba Abele aus Aalen sowie die Abiturienten Alexander Bayer und Niklas Gutsmiedl vom Kopernikus-Gymnasium Wasseralfingen. Letztere haben ihr Talent als Erfinder eines elektronischen Blindenhunds bewiesen.

Bis auf den letzten Platz besetzt gewesen ist der Trude Eipperle-Saal, als Landrat Klaus Pavel und die Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkassen Ostalb und Heidenheim, Andreas Götz und Dieter Steck, die Innovationspreispreise von Ostwürttemberg überreicht haben.

Dabei sind auch die Kriterien für die Auswahl der fünf Preisträger unter 38 Bewerbern zur Sprache gekommen. Dabei geht es um Innovation, Patente, aber auch soziale Aspekte, also ob die Erfindung den Menschen dient. So haben die Geschwister Marla und Silvan Laidler aus Heidenheim den intelligenten Rollstuhl „Shadow“, entwickelt, Niklas Gutsmiedl und Alexander Bayer einen elektronischen Blindenhund.

Neben den Aalener und Ellwanger Gewinnern wurden auch die Delta Logic Automatisierungstechnik aus Schwäbisch Gmünd sowie die 14 und 16 Jahre alten Schüler Marla und Silvan Laidler vom Max-Planck-Gymnasium Heidenheim für ihre Talente oder Patente ausgezeichnet. Preisgelder stifteten die Kreissparkasse Heidenheim und die Kreissparkasse Ostalb. Beide Kreditinstitute stellten 5000 Euro für die Preisträger zur Verfügung.

Mit Stolz verwies Andreas Götz, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Ostalb, in seiner Begrüßung auf die Leistungsfähigkeit, die Kreativität, den Erfindergeist und das innovative Unternehmertum in Ostwürttemberg. Ziel des jährlich verliehenen Innovationspreises sei es, diese Leistungen herauszustellen. Das tat denn auch Landrat Klaus Pavel bei der Preisvorstellung. Die fünf Preise wurden von Andreas Götz, von IHK-Geschäftsführerin Michaela Eberle, dem Aalener Hochschulrektor Gerhard Schneider, von Pavel und von Dieter Steck, dem Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Heidenheim, verliehen.

Elektronischer Blindenhund unterstützt Sehbehinderte

Einer ging an zwei Wasseralfinger Abiturienten. Auf die Idee ihres elektronischen Blindenhunds hatte eine blinde Mitschülerin die KGWler Alexander Bayer und Niklas Gutsmiedl gebracht. Sie hatten erfahren, wie teuer und schwer zu bekommen ein echter Blindenhund ist. Also entwickelten sie „Blindbot“: einen digitalen Assistenten für Sehbehinderte. Drei Jahre lang tüftelten die Schüler an dem System, das seinen blinden Benutzer durch die Stadt führen kann. Es besteht aus einer elektrisch angetriebenen Kugel sowie einer Kamera in Verbindung mit Bildverarbeitungsalgorithmen und einem GPS-Navi, um den Blinden in die richtige Richtung zu leiten. Derzeit beschäftigen sich beide am Innovationszentrum der Hochschule Aalen mit der Frage, wie man Blindbot zur Marktreife bringen kann.

Brigitte und Georg Abele aus Aalen sind bereits einige Schritte weiter. Sie haben ein Patent auf die Herstellung von extremen Dünnschliffen zwischen fünf und dreißig tausendstel Millimeter angemeldet, das inzwischen weltweit im Einsatz ist. Mit ihrer Firma mba Abele hatte die Entwicklung zunächst gar nichts zu tun: Stattdessen brauchte das Ehepaar für sein Hobby der Mikroskopie Proben von eigentlich undurchsichtigen Materialien, die zur Durchsicht im Mikroskop ausreichend dünn geschliffen werden, zum Beispiel Knochen, aber auch Keramik oder Beton. Während einer Auftragsflaute in der Firma ergab sich die Gelegenheit, zunächst für den Eigenbedarf ein solches System zu entwickeln. Als immer mehr Institute und Firmen sich dafür interessierten, begannen Abeles mit der kommerziellen Verwertung. Mittlerweile zählen Institute in den Arabischen Emiraten ebenso zu den Anwendern wie Automobilhersteller und Universitäten auf der ganzen Welt

Die kluge Verpackung fängt Flüssigkeit auf

Ebenfalls ein Patent angemeldet hat die Firma Mezger Verpackungen aus Ellwangen. Hier entstand ein Behälter für Lebensmittel wie zum Beispiel Fleisch. Flüssigkeit, die daraus austritt, muss nicht länger von einem Pad aufgesaugt und beim Recycling anderweitig entsorgt werden. Denn der Boden des Behälters hat kleine Öffnungen, durch die die Flüssigkeit in einen separaten Raum strömt – nicht aber zurück. Das führt zu besserer Hygiene und einfacherem Recycling.

Erfolgreich bei überregionalen Wettbewerben

Neben den Preisträgern würdigten die Laudatoren auch die Leistungen von 33 weiteren Bewerbern. Sie alle waren erfolgreich in überregionalen Wettbewerben oder sind Inhaber von Patenten. Zu den Leistungsträgern gehören neben vielen Unternehmen auch der Kabarettist Werner Koczwara, die Wirtschaftsjunioren oder die Schöner-Graben-Schule Ellwangen.

Durch das Programm führte Radio 7-Moderator Rainer Pompe. Der Internetunternehmer Jan Bechler, ein Experte für digitales Marketing, hielt einen fesselnden Vortrag über Digitalisierung als Chance. Ein preisgekröntes Percussiontrio der Musikschule Waldstetten sorgte für die passende musikalische Umrahmung.

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