Immer mehr Windräder sprießen aus dem Boden

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Windparks bei Jagstzell: WEA1 bis WEA5 bezeichnen die geplanten Anlagen bei Rechenberg; EB-01 bis EB-10 markieren die Standorte
Windparks bei Jagstzell: WEA1 bis WEA5 bezeichnen die geplanten Anlagen bei Rechenberg; EB-01 bis EB-10 markieren die Standorte der zehn Windräder, die entlang der Autobahn gebaut werden sollen. (Foto: : privat)
Alexandra Rimkus

Der Gemeinderat Jagstzell hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem geplanten Windpark bei Rechenberg beschäftigt. Hier sollen, westlich des kleinen Stimpfacher Teilorts, fünf neue, 207 Meter hohe Anlagen gebaut werden. Damit nimmt die Windraddichte rund um die Gemeinde Jagstzell weiter zu. Im Gemeinderat wurde das durchaus kritisch gesehen.

Mit den neuen Anlagen, die nun in Rechenberg von einem Konsortium, bestehend aus den beiden Firmen Enercon und Wind Energien GmbH, hochgezogen werden sollen, werden in einem Radius von rund vier Kilometern künftig 15 Windräder unweit der Gemeinde Jagstzell stehen. Denn entlang der A 7, nördlich vom „Virngrundtunnel“, sind die Bauarbeiten für den Windpark „Ellwanger Berge“ mit zehn Windkraftanlagen bereits angelaufen (wir berichteten). Nimmt man auch noch den Windpark in Hummelsweiler hinzu, wird Jagstzell demnächst von 19 Windrädern eingekreist sein.

Im Gemeinderat wurden angesichts dieser enormen Windraddichte durchaus kritische Töne laut. „Um uns rum wird es mittlerweile ganz schön sportlich“, monierte Gemeinderat Matthias Schlosser. Das Landschafstbild werde nachhaltig verändert.

Dem stimmte Bürgermeister Raimund Müller uneingeschränkt zu. Letztlich würden damit aber nur die gesetzlichen Vorgaben der Politik erfüllt, der Windkraft „genügend substanziellen Raum“ zu gewähren. Was das konkret heißt, würden die Menschen nun eben auch zu sehen bekommen. Wobei Müller abschließend noch ergänzte, dass sich bei diesem Thema schon auch jeder selbst fragen müsse, worauf er lieber schaut: „Ein Atomkraftwerk oder ein Windrad.“

Keine dauerhafteNachtbefeuerung erwünscht

Aus dem Gremium heraus wurde außerdem Kritik an den Planungsverfahren laut – die seien für die Bürger zu intransparent, hieß es. Eine Kritik, die Müller nicht teilte. Es sei vielfach, nicht nur in öffentlichen Gemeinderatssitzungen, sondern auch bei Bürgerinformationsveranstaltungen, im Amtsblatt und Presseberichten, informiert worden.

Am Ende der Debatte einigte sich das Gremium einstimmig auf eine fachliche Stellungnahme zu den Windkraftplanungen in Rechenberg. Die Gemeinde Jagstzell bittet darum, dass eine Nachtbefeuerung der Anlagen nur dann erfolgen soll, wenn sich den Anlagen tatsächlich ein Luftfahrzeug nähert. Auf eine weitere Nachtbefeuerung solle verzichtet werden, wünschen die Jagstzeller. Die Räte sprachen sich außerdem dafür aus, die Windräder farblich möglichst neutral zu gestalten. Außerdem wird eine weitere Beteiligung am laufenden Verfahren gewünscht.

Windkraft: Jagstzell will profitieren – Resolution an die Landesregierung

Gemeinden, wie Jagstzell, die Eingriffe in die Landschaft durch Stromtrassen oder Windräder hinnehmen und vor ihren Bürgern vertreten müssten, sollen von den hohen Pachterträgen, die die Anlagen für die Investoren abwerfen, künftig ebenfalls profitieren. Das fordern Bürgermeister Raimund Müller und die Jagstzeller Räte. Gemeinsam haben sie deshalb in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats eine Resolution an die Landesregierung verabschiedet. Darin wird auf den Koalitionsvertrag von Bündnis 90/Die Grünen und der CDU Baden-Württemberg hingewiesen. Darin heißt es, dass „Teile der aus der Verpachtung von landeseigenen Flächen für Windkrafterzeugung resultierenden Einnahmen den Standortkommunen sowie teilweise benachbarten Kommunen zu Gute kommen“ sollen.

Diese im Koalitionsvertrag verbindlich festgeschriebene Zielsetzung sei „richtig und wichtig“, wird in der Jagstzeller Resolution festgehalten, die Bürgermeister Müller als „verschärfte Forderung“ an die Landesregierung, versteht. Schließlich bedeute der Bau von Windparks für die betroffenen Gemeinden nicht nur einen gewaltigen (Planungs-)Aufwand, der mit hohen Kosten verbunden ist. Auch die Auswirkungen eines Windkraftstandortes auf das Landschaftsbild direkt vor Ort sei „nicht unproblematisch“. Hinzu komme die mit dem Bau und der Erschließung der Windkraftstandorte (Zufahrten,

Leitungsverlegung usw.) verbundene Beeinträchtigungen im Ort. „Wenn das Land es ernst meint mit der Energiewende, dann muss es Rückflüsse für betroffene Kommunen wie Jagstzell geben“, postulierte Müller. Die Räte sahen das genauso. Die Resolution wurde am Montag einstimmig verabschiedet.

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