Jüngere schätzen wieder den Metzger vor Ort

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 Für ihre langjährigen Betriebsjubiläen konnte die Fleischer-Innung Ostwürttemberg drei Betriebe ehren.
Für ihre langjährigen Betriebsjubiläen konnte die Fleischer-Innung Ostwürttemberg drei Betriebe ehren. (Foto: Markus Lehmann)
Freier Mitarbeiter

Regionale Lebensmittel überzeugen immer mehr: Vor allem jüngere Kunden legen wieder Wert auf Fleisch und Wurst von der Ostalb. Bei der Fleischer-Innung Ostwürttemberg freut man sich über diesen Trend.

Außerdem konnte im letzten Jahr preisbereinigt der Umsatz erhöht werden. Auf der Hauptversammlung im „Lamm“ in Hüttlingen kamen aber auch Sorgen auf den Tisch: Das Fleischerhandwerk hat Probleme, Lehrlinge zu finden und es kommt einfach kein Fachpersonal mehr nach. Außerdem kritisiert Obermeister Jürgen Vetter, dass die, „die wir tagtäglich unserer Arbeit nachgehen immer noch mehr drangsaliert und kontrolliert werden“ unter anderem von der Finanzbehörde.

So ist es für Vetter beispielsweise nicht nachvollziehbar, dass man jetzt wieder die Kassen und Waagen ordentlich aufrüsten soll, um fürs Finanzamt noch transparenter zu werden. Hier fehle seiner Meinung nach einfach die Verhältnismäßigkeit: „Ich finde, wir sind schon weit über der Grenze des Zumutbaren, was die ganzen gesetzlichen Forderungen anbelangt.“

Fehler passierten immer wieder und überall mal, sei es bei Fehl-Boni oder bei Stornierungen. Außerdem könne es nicht sein, dass die Metzger im Internet an den Pranger gestellt werden, wenn eine Kontrolle nicht so ausgefallen ist, wie sie sein sollte.

Kritik an Videoüberwachung

Das gleiche gilt laut Vetter auch für Videoüberwachungen bei der Schlachtung. Es könne sicherlich sein, dass auch da mal Fehler gemacht werden. Die würden aber eher mehr, wenn die Mitarbeiter ständig unter Beobachtung und damit auch unter permanentem Druck stünden. Vetter nahm ein Beispiel: „Wir fordern ja auch nicht, dass in jeder Amtsstube eine Kamera installiert is,t um zu überprüfen, ob der Mitarbeiter pflichtgemäß im Sinne der Steuerzahler seiner Arbeit nachgeht.“

Dass vor allem jüngere Kunden wieder den Weg ins Fleischer-Fachgeschäft finden, freut den Obermeister. Vergleichbar sei das mit der Situation vor 20 Jahren natürlich nicht mehr. Aber, rief er dazu auf, „lasst uns dieses zarte Pflänzchen Hoffnung pflegen.“ Man müsse weiterhin der vertrauenswürdige Metzger sein, der möglichst nur regionales oder aus angrenzenden Landkreisen erzeugtes Fleisch vermarktet und daraus auch seine Wurstwaren herstellt. Man habe alle Möglichkeiten, das mit den Landwirten und mit dem eigenen Schlachthof glaubhaft umzusetzen.

Personal im Handwerk fehlt

Die Personallage im Fleischerhandwerk ist auch in Ostwürttemberg weiter angespannt. Hier, so Vetter, müsse man vor allem auch im Verkauf andere Wege gehen und auch interessierte Frauen aus dem Einzelhandel für die Betriebe begeistern.

Trotz allem versuche man weiterhin, junge Menschen für das Fleischer-Handwerk zu begeistern, indem man sich auf Ausbildungsmessen präsentiere. Auf der Innungshauptversammlung hatte Ulrich Koepsel, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung am Landratsamt dazu aufgerufen, in den Betrieben verstärkt auf Eigenkontrollen zu setzen. Fleischer und Lebensmittelüberwachung hätten ja ein gemeinsames Ziel – sichere Lebensmittel.

Langjährige Mitglieder geehrt

Vetter konnte anschließend langjährige Mitglieder ehren: Zum 25. Betriebsjubiläum gratulierte er Matthias und Manuela Stütz aus Abtsgmünd, Alexander Wahl aus Heubach (40. Betriebsjubiläum) und Brigitte und Michael Kurz aus Hofherrnweiler (50. Betriebsjubiläum).

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