Höhepunkt in 17 Jahren Kleinkunstfrühling

Lesedauer: 5 Min
 Herman van Veen (rechts) hat mit seinem Profi-Ensemble das Publikum in Hüttlingen in seinen Bann gezogen.
Herman van Veen (rechts) hat mit seinem Profi-Ensemble das Publikum in Hüttlingen in seinen Bann gezogen. (Foto: Dieter Volckart)
Dieter Volckart

Hat es das jemals bei einem Gastspiel im ausverkauften Bürgersaal des Kultur- und Sportzentrums Limeshalle gegeben, dass sich das Publikum zu „standing ovations“ erhoben und dem Gast auf diese Weise seine Referenz erwiesen hat? Der holländische Entertainer, Sänger, Autor, Chansonnier, Violinist und manchmal auch galante Charmeur Herman van Veen ist einfach unverwechselbar und hat seine Besucher zusammen mit seinem Ensemble anlässlich der „Neue Saiten Tour 2019“ und einem musikalischen Feuerwerk mit seiner großen Kleinkunst komplett verzaubert.

Seit über fünf Jahrzehnten ist Herman van Veen im Musikgeschäft und nicht wenige der fast 600 Besucher haben sich gefragt, wie es möglich ist, eine solch kreative und poetische Persönlichkeit nach Hüttlingen zu verpflichten, welche auf der Tour unter anderem vier Tage in Berlin, dazu in Essen, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und Leipzig gastiert.

Ein Anruf genügte

Die Antwort ist im benachbarten Aalen zu suchen, wo der Künstler 1992 gastiert hatte. Damals gab es zwar noch keinen Kleinkunstfrühling, es reifte aber bei Charly Berth als Rathausangestelltem die Idee, einmal bei passender Gelegenheit van Veen nach Hüttlingen zu holen. Ein Anruf genügte und ohne Probleme gelang das Engagement für die 17. Auflage dieser Veranstaltungsreihe, wobei Hüttlingen sich rühmen kann, kleinster Gastspielort zu sein. Es scheint, dass sich der Ort am Kocherknie im Kreis der Großen schon einen Namen gemacht hat.

Höchste Ansprüche

Das Ensemble van Veens jedenfalls genügt höchsten Ansprüchen. Da ist zum einen die langjährige Weggefährtin Edith Leekens. Sie versteht es, ihre großartige Stimme mit ihrer fast andalusisch klingenden Gitarrenkunst ausgezeichnet zu kombinieren. Ihr zur Seite stehen Jannemien Gnossen mit ihrer Violine, Bassist Kees Dikstra und schließlich Wiebke Garcia. Sie ist ein Allroundtalent, spielt einfühlsam Harfe und ist ein Ass als Perkussionistin. Alle vier sind Könner und harmonieren perfekt mit van Veen.

Sein großer Trumpf ist seine Chansonstimme, mit welcher er spielend fast alle Hürden zu überspringen in der Lage ist. Mal lyrisch, mal kraftvoll, mal schmeichelnd, mal opernhaft. Da passt auch sein Ausspruch, dass jeder was fast Verrücktes in sich trägt.

Sowohl als Alleinunterhalter, mehr noch aber im Duett und egal mit wem, die Zuhörer sind fasziniert, spenden ein ums andere Mal Szenenapplaus, auch wenn es „nur“ als Quintett mit Perkussion, Streich- oder Zupfinstrumenten oder mit dem Boss und seiner Mundharmonika ist.

Er ist überall zu Hause

Auch das dargebotene Sujet spielt keine Rolle. Der 75-Jährige ist überall zu Hause, er hat das rockende Temperament von Elvis, immitiert Tenöre auf der Opernbühne, ist eindringlich wie Reinhard Fendrich und überrascht als Trini Lopez mit „If I had a hammer“. Die Bühnenshow wird abgerundet mit stimmigem Light and Sound, mit Balladen über das Älterwerden oder eindringlichen Umweltaspekten, der Anregung „Sei mal wieder spontan“ und der Feststellung „Gott sei Dank haben wir schon 70 Jahre Frieden“.

Die Show endet nach fast dreistündigem Feuerwerk, frenetischem Applaus und etlichen Zugaben. „Wir haben einen der Höhepunkte der 17 Jahre Kleinkunstfrühling miterlebt“, ist die Aussage eines begeisterten Besuchers, und dem ist nichts hinzuzufügen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen