Lena-Luisa Maier

Die Hüttenwerke in Königsbronn, das älteste Industrieunternehmen Deutschlands. Auf und ab ging es mit dem Unternehmen die letzten Jahre. Drei Insolvenzen beutelten das Werk, die rund 160 Mitarbeiter bangten um ihren Arbeitsplatz. Im Mai dieses Jahres dann die Rettung für den Betrieb und für einen Teil der Mitarbeiter: Die Münchener Firma „One Square Advisors“ unterschrieb die Kaufverträge und sicherte somit den Fortbestand des Unternehmens.

Neuer Eigentümer der SHW CT sind die neu gegründeten Hüttenwerke Königsbronn. Die Gießerei kann ihren Betrieb im Juni wieder aufnehmen. Werksleiter Andreas Meyer sagt zufrieden: „Ungefähr acht Monate ist hier nichts gegossen worden. Langsam füllt sich das Ganze wieder.“

Sechs Öfen reihen sich in der Gießerei aneinander, sie fassen zwischen fünf und 30 Tonnen flüssiges Eisengemisch für den Guss der riesigen Walzen. Zwei davon werden gerade benutzt. Aus einem fußballgroßen Loch über den „Kochtöpfen“ wie Meyer die Öfen nennt, schimmert es orange. Das brodelnde Gemisch aus Roheisen und Stanzabfällen ist 1300 bis 1400 Grad heiß. Immer wieder sprühen Funken. Ein Mitarbeiter in einem silbernen, bodenlangen Mantel mit dicken Handschuhen und Helm nähert sich der Öffnung und hält einen langen Stab hinein. Die Temperatur wird gemessen.

Dreimal insolvent

Das in der Gießerei der Hüttenwerke Königsbronn (HWK) so ein reger Betrieb herrschen würde, war vor ein paar Monaten noch unvorstellbar. Drei Insolvenzen und die vorübergehende Schließung des Unternehmens war „wie ein Schlag ins Gesicht“, sagt Gießleiter Bernd Wengert, der seit 33 Jahren im Betrieb ist. Schuld an der Misere seien unter anderem die Investoren gewesen, die Geld aus dem Unternehmen genommen hätten und die Problematik, dass notwendige Investitionen nicht getätigt worden seien, erklärt Personalleiter Fred Behr, der seit über 40 Jahren im Betrieb ist. „Es ist schwierig, wenn man sieht, wie das Unternehmen seit 2008 vor die Hunde geht.“

Wenn irgendetwas kaputt ist oder zum Beispiel der Rasen draußen gemäht werden muss, dann machen das die Mitarbeiter.

Fred Behr

Doch das Unternehmen bekam eine neue Chance mit einem neuen Konzept. 66 Prozent der Firma gehören zwei Gesellschaftern des Restrukturierungsunternehmens „One Square Advisors“, die restlichen 33 Prozent den Mitarbeitern selbst. „Wir können also mitsprechen“, erklärt Behr. Das Konzept tue der Firma gut. „Wenn irgendetwas kaputt ist oder zum Beispiel der Rasen draußen gemäht werden muss, dann machen das die Mitarbeiter. Alles in Eigenregie. Auch am Wochenende.“

Das Ziel laut Behr: „Wir wollen natürlich wieder Weltmarktführer werden.“ Allerdings gibt es Probleme mit den Kunden. Denn dass das Unternehmen schließen müsse, sei weltweit bekanntgegeben worden, so Behr. „Wir müssen jetzt bekanntmachen, dass Königsbronn wieder lebt.“

Gewinne sollen wieder ins Unternehmen gesteckt werden

Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, sollen in Zukunft vermieden werden. So erklärt Wolf Waschkuhn, einer der Gesellschafter, dass die Gewinne, die erwirtschaftet werden wieder ins Unternehmen gesteckt werden sollen. So soll das Unternehmen „überlebensfähig“ gemacht werden. Denn am Ende sei es wichtig, technologisch gut aufgestellt zu sein.

Aus dem „Kochtopf“ dampft es. Der Mann im silbernen Gießmantel nimmt die Messtange aus dem brodelnden Eisen. Bei zirka 1330 Grad wird gegossen, die richtige Temperatur ist erreicht. Das flüssige Eisen wird in eine Art riesen Eimer geschüttet, die über großen Rohren positioniert werden. Durch diese Rohre wird die Walze von unten herauf gegossen. „Glück auf“, hallt es aus allen Ecken der Halle. Die zwei Eimer werden gekippt, die Gießerei-Mitarbeiter starren gespannt nach oben. Wie ein Platzregen klingt es, als das heiße Eisen in einem dicken, orangenen Strahl in die Rohre fließt. Funken sprühen wie bei einem Feuerwerk in alle Richtungen und erhellen die düstere Halle. Die Mitarbeiter sind zufrieden.

Unter ihnen ist auch der 25-jährige Robin Rickmann. Der gelernte Gießereimechaniker ist seit 2012 im Betrieb und mittlerweile Betriebsratvorsitzender. Er hat zwei der drei Insolvenzen miterlebt und erzählt, dass trotz allem die Angst, dass wieder etwas schieflaufen könnte, immer da sei. Er wünscht sich für die Firma und seine Kollegen vor allem eines: „Das Ruhe einkehrt und so schnell keine Insolvenz mehr kommt. Das die Leute sich keine Sorgen mehr um ihren Arbeitsplatz machen müssen und einfach wissen, dass das hier eine Zukunft hat.“

Wie geht es weiter mit SHW HP CT in Königsbronn?
Nur etwa ein halbes Jahr ist es her, dass die Gießerei SHW HPCT in Königsbronn ihre zweite Insolvenz überstanden hat. Doch seit einiger Zeit steckt das Unternehmen wieder in großen finanziellen Schwierigkeiten – ein Albtraum vor allem für die Mitarbeiter. Bei der IG Metall beschäftigt man sich intensiv mit den Entwicklungen, hat die SHW doch eine durchaus große Bedeutung für die Gewerkschaft.
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