Rätsel um Mordfall Bögerl - Keine Spur von Entführer

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Deutsche Presse-Agentur

Der Fall der entführten und ermordeten Frau des Heidenheimer Sparkassenchefs wirft fast täglich neue Fragen auf: Widersprüchliche Angaben der Polizei zur Lösegeldübergabe kurz nach der Entführung und Wochen nach dem Fund der Leiche sorgen für Verwirrung.

Unklar ist auch, inwieweit der Täter aus der Region stammt, so wie es die Polizei vermutet. Und auch der Todeszeitpunkt der Entführten ist ebenso offen wie die Frage, ob die Ermittler die Leiche vielleicht übersehen haben könnten. Denn der Leichnam von Maria Bögerl wurde zufällig vom Hund eines Spaziergängers im Wald entdeckt und nicht von der Polizei. Sicher ist: Vom Entführer und Mörder fehlt jede Spur.

Die Lösegeldübergabe: Seit kurzem steht fest, dass der Ehemann der Entführten, Thomas Bögerl, den Anruf des Kidnappers am 12. Mai gegen 11.30 Uhr bei einem Besuch beim Bürgermeister von Niederstotzingen (Kreis Heidenheim) erhielt. Der Bürgermeister war es auch, der in Absprache mit der Polizei das Geld bei der Ulmer Bundesbankfiliale organisiert hatte — getarnt als Blitzkredit für die Gemeinde. „Das schien uns als die am ehesten geeignete Lösung, um an Geld zu kommen“, erklärte dazu heute ein Polizeisprecher. Die Lösegeldübergabe platzte aber, weil das Geld nicht rechtzeitig am vereinbarten Ort an der A 7 abgelegt werden konnte.

Bögerl hatte es laut neuer Aussage der Polizei zwar geschafft, den Übergabezeitpunkt um eine Stunde nach hinten auf 14.00 Uhr zu schieben. Doch erst um 14.20 Uhr war eine Rathaus-Mitarbeiterin aus Niederstotzingen wieder aus Ulm zurück. Wie der Bürgermeister aus Niederstotzingen, Gerhard Kieninger, im Magazin „Stern“ angab, wollte Bögerl dann sofort losfahren, um das Geld zu überbringen. „Er wollte handeln, das ist doch klar“, sagte Kieninger dem Magazin — doch die Polizei habe kein grünes Licht gegeben.

Zu den Gründen dafür oder wie Bögerl die Fristverlängerung mit dem Entführer aushandelte, machen die Ermittler nach wie vor keine Angaben. Ebenso bleibt unklar, warum die Polizei zunächst gemeldet hatte, Bögerl selbst habe das Geld besorgt. Möglicherweise geschah dies aus ermittlungstaktischen Gründen. Die Polizei bestätigt nur, dass der Sparkassenchef das Geld kurz vor 15.30 Uhr — und damit eineinhalb Stunden zu spät — ablegte.

Der Täter: Er meldete sich am Telefon mit dem Namen „Schmid“ und sprach mit schwäbischem Akzent. Deshalb konzentriert sich die Polizei auf einen Täter aus der Region und nimmt Speichelproben von Männern. Doch sollte der Täter wirklich so unprofessionell sein und sich mit richtigem Namen melden und noch immer unentdeckt in der Region aufhalten? „Das kann auch Glück sein“, sagt Frank Roselieb vom Kieler Institut für Krisenforschung. Er geht ebenfalls von einem Täter aus der Region aus. Der Experte beschäftigt sich unter anderem auch mit „Quick Kidnapping“, bei dem der Täter rasch an Geld kommen möchte - ähnlich wie es im Fall Bögerl den Anschein hat.

Auto, Handy und Schlüssel: Noch immer fehlt von Maria Bögerls Schlüsselbund jede Spur. Gefunden wurde dagegen ihr Auto, zwei Tage nach der Entführung im Hof des nicht weit vom Haus der Familie entfernten Klosters Neresheim (Ostalbkreis). Gibt es darin tatsächlich Blutspuren, wie Medien berichtet hatten? Die Polizei will sich dazu auch Wochen nach dem Fund der Leiche nicht äußern. Sie sucht dringend nach Fotos, die Besucher im Klosterhof gemacht haben - doch ausgerechnet dazu gibt es nur wenige Hinweise. Das Handy der 54- Jährigen wurde unweit des Ortes der Lösegeldübergabe und des Leichenfunds entdeckt.

Leichenfund: Tagelang hatte die Polizei das Gebiet rund um den Wohnort der Entführten mit Hunden durchsucht — unter anderem auch genau jenes Waldstück, in dem dann der Spaziergänger am 3. Juni die Leiche von Maria Bögerl fand. Die erstochene und mit Handschellen gefesselte Frau lag direkt neben einem Waldweg und war mit Reisig zugedeckt. Warum wurde sie nicht bei einer ersten Suche in den Tagen nach der Entführung von den Suchmannschaften entdeckt? „Sie wurde möglicherweise übersehen“, heißt es bei der Polizei.

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